Zum Inhalt springen

Header

Video
SRF-Umfrageergebnisse zu den beiden Agrarinitiativen
Aus Tagesschau vom 07.05.2021.
abspielen
Inhalt

Umfrage zu den Abstimmungen Trotz Ja-Mehrheit: Trinkwasser-Initiative polarisiert stark

  • 54 Prozent der Stimmberechtigten befürworten gemäss SRG-Umfrage die Trinkwasser-Initiative, 40 Prozent sind dagegen.
  • Neben einem Graben zwischen links und rechts zeichnet sich ein grosser Unterschied in der Stimmpräferenz von Jung und Alt ab.
  • Die Meinungsbildung wird zudem stark durch die persönliche Einstellung zur Landwirtschaft geprägt.

Sauberes Trinkwasser: Dagegen hat wohl niemand etwas einzuwenden. Doch die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» fordert nicht weniger als ein Umdenken in der Landwirtschaft. Sie verlangt, dass nur noch jene Bäuerinnen und Bauern Subventionen erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten.

Entsprechend gross ist der Widerstand der Bauernlobby. Während sich auf dem Land sieben Wochen vor der Abstimmung nur 41 Prozent für die Initiative aussprechen, sind es in der Stadt 65 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der SRG SSR.

Video
Lukas Golder: «Umwelt-Anliegen geniessen in Städten viel Unterstützung»
Aus News-Clip vom 06.05.2021.
abspielen

Die Polarisierung zwischen Stadt und Land sei bemerkenswert hoch, betont Lukas Golder von gfs.bern. «Wir sehen, dass auf dem Land und in konservativen Kreisen viel Kritik vorherrscht. Auf der anderen Seite ist es typisch, dass Umweltthemen in Grossstädten grosse Unterstützung geniessen – selbst wenn aus traditionell bäuerlichen Kreisen Widerstand kommt.»

Zuspruch von Älteren und Linken

Die Meinungsbildung hängt in der Debatte vom eigenen Bild der heutigen Landwirtschaft ab. Ist man wegen des Zustands der Landwirtschaft um die Umwelt besorgt, befürwortet man die Initiative. Dies zeigt sich auch bei den Parteien. Die Stammwähler der Grünen, der SP und der GLP sympathisieren stark mit der Initiative, während das bürgerliche Lager mehrheitlich dagegen ist.

Zudem fällt auf, dass der Mittelstand der Vorlage eher kritisch gegenübersteht. Akademikerinnen und Akademiker sind dafür besonders offen für die Anliegen.

Video
Lukas Golder: «Die Grundanliegen der Initiative kommen bei älteren Menschen an»
Aus News-Clip vom 06.05.2021.
abspielen

Untypisch ist laut Bericht von gfs.bern die Diskrepanz zwischen den Altersgruppen. Am stärksten für die Initiative sind die befragten Rentnerinnen und Rentner – von ihnen hätten Mitte April 65 Prozent ein Ja in die Urne gelegt. «Dabei spielt die Bewahrung der Natur durch den Verzicht auf Pestizide eine Rolle. Diese Idee ist bei älteren Menschen breit akzeptiert», führt Golder aus.

Wie bei der zweiten Agrarinitiative, über die am 13. Juni abgestimmt wird, ist die Zustimmung zur Trinkwasser-Initiative im Tessin mit 70 Prozent besonders hoch. In der Romandie (56 Prozent) und in der Deutschschweiz (53 Prozent) sind die Befragten kritischer.

Im Vergleich zur Initiative Pestizidverbot erfährt die Trinkwasser-Initiative derzeit weniger Zustimmung. Dieser Rückstand ist laut Golder auf Personen zurückzuführen, die für die Initiative Pestizidverbot stimmen und noch unentschieden bei der Trinkwasser-Initiative sind.

Initiative Pestizidverbot vs. Trinkwasser-Initiative

Box aufklappenBox zuklappen

Am 13. Juni gelangen zwei Agrarinitiativen zur Abstimmung. 48 Prozent der Stimmberechtigten wollen gemäss SRF-Umfrage beide Vorlagen annehmen, 35 Prozent beide ablehnen. Damit haben 83 Prozent zu beiden agrarpolitischen Initiativen eine einheitliche Haltung.

Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» verlangt ein Verbot synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft. Die Mittel sollen in der Schweiz nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Zudem beinhaltet die Vorlage ein Importverbot für Lebensmittel, die mithilfe synthetischer Pestizide hergestellt wurden. Die Verbote sollen spätestens zehn Jahre nach einer Annahme der Volksinitiative in Kraft treten.

Die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» setzt beim Geld an. Sie verlangt, dass nur noch jene Bäuerinnen und Bauern Subventionen erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten. Auch die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten.

Widerstand der Bauernlobby und eine stark formierte Gegnerschaft auf dem Land und aus dem rechten politischen Lager: Hat die Trinkwasser-Initiative überhaupt eine Chance auf eine Annahme? Ohne Meinungswandel sei eine knappe Annahme denkbar, sagt Lukas Golder.

Video
Lukas Golder: «Die Idee einer ökologischen Landwirtschaft ist breit abgestützt»
Aus News-Clip vom 06.05.2021.
abspielen

«Die Grundidee, dass die Landwirtschaft ökologischer werden muss, ist in der Bevölkerung breit abgestützt. In der Regel verlieren Initiativen im Verlauf des Abstimmungskampfes aber an Zustimmung. Das Ständemehr zu erreichen, dürfte aufgrund der Ablehnung in ländlichen Gebieten schwierig werden», sagt Golder.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

Box aufklappenBox zuklappen
Datenerhebung und Stichprobengrösse

Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 19. April und 3. Mai 2021 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 22'732 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1209 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 708 Personen aus der Deutschschweiz, 300 aus der Romandie und 201 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1209 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 21'523 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Die Aufteilung der online Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 17'093 Personen in der Deutschschweiz, 4990 in der Romandie und 649 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern führt zwei Umfragen zur Abstimmung vom 13. Juni 2021 durch. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungs-Dossier

Box aufklappenBox zuklappen
Abstimmungs-Dossier

News und Hintergrund zu den Abstimmungen und Wahlen vom 13. Juni 2021.

SRF 4 News, 7.5.21, 06:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Trinkwasser ist, der "einzige Rohstoff" welcher die Schweiz besitzt und es ist sonnenklar, dass dieser mit allem Mitteln geschützt werden muss und das ohne "Gier und Profidenken der Wirtschaft"!
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    JA zur Trinkwasser- und Pestizidinitiative: Es gibt Umsetzungsspielraum

    Bei der Umsetzung dieser neuen Verfassungsartikel haben wir bei der nachfolgenden Gesetzgebung einen grossen Spielraum, wie die Umsetzung angenommener Verfassungsartikel in der Vergangenheit immer wieder zeigte. Hier den Teufel an die Wand zu malen ist völlig übertrieben. Wenn ein Land in der Lage ist, in diesem Bereich eine Vorbildrolle einzunehmen, so ist es die reiche Schweiz.
    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Das Pestizidverbot hat für mich zwei grosse Probleme:
      Es ist limitiert nur "synthetische" Pestizide. Natürliche Pestizide sind gleich problematisch. Zudem führt ein striktes Verbot zu Mindererträgen, aber es werden nicht weniger Menschen die ernährt werden müssen.

      Beim Trinkwasser: Forschung wird gehindert, das ist IMMER schlecht! Zudem werden Grosse Höfe bestraft, obwohl diese umweltfreundlicher sind! Das Subventionsverbot muss sich auf die TÄTIGKEIT fokussieren, nicht auf den Besitzer.
    2. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Es geht um die "Lebensgrundlagen-Erhaltung" und damit auch um die Gesundheit, Zukunft der Schweizer Bevölkerung!

      Seit Jahrzehnten, wird die fehlgeleitete AGRAR-Politik finanziert und damit auch die industrialisierte CHEMIE-LW mit "Volks-Millionen/Milliarden" subventioniert! Sukzessive Vergiftung von NATUR und MENSCH!
    3. Antwort von Sarah Steiner  (sarahsteiner)
      Die Forschung wird bei der TWI in keiner Weise gemindert sondern in eine zukunftsführende Richtung gelenkt. Ein Grossteil der staatlichen Forschungs- und Beratungsgelder wird heute dafür verwendet, die Schäden zu untersuchen, welche durch die in der Landwirtschaft eingesetzten Giftstoffe und den übermässigen Dünger- und Antibiotikaeinsatz entstehen. Es werden aber kaum Mittel zur Verfügung gestellt eine Landwirtschaft zu fördern die nicht abhängig davon ist. /1
    4. Antwort von Sarah Steiner  (sarahsteiner)
      Die TWI verpflichtet den Bund die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung sowie Investitionshilfen gezielt auf eine Nahrungsmittelproduktion auszurichten, die zunehmend ohne Pestizide und proph. Antibiotika auskommt und nachhaltig aus eigenen Ressourcen produziert. Damit verbessert die Initiative das Image von Schweizer Lebensmitteln und stärkt den Wissenschaftsstandort Schweiz. Gegenüber der internationalen Konkurrenz ergibt dies Vorteile und einen gewichtigen Wissensvorsprung.
  • Kommentar von Witold Ming  (Witold Ming)
    Die Trinkwasser-Initiative ist leider nicht zu Ende gedacht: Da alle Futtermittel auf dem eigenen Hof produziert werden müssen, wird der Futteranbau intensiviert. Kein Platz für Hochstamm-Bäume etc. und intensive Bewirtschaftung der Alpweiden sind die Folge. Für die Biodiversität ein Desaster! Wer etwas für die Umwelt tun möchte, sollte weniger Fleisch und Milchprodukte essen.
    1. Antwort von Phil Läubli  (Diplomatix92)
      Genau so ist es.. jeder, der sich ein wenig mit der Initiative und der Landwirtschaft befasst, wird zum Schluss kommen, dass für viele Bauern der Verzicht auf zugekauftes Futter einer Betriebsschliessung gleichkommt.
      Die Initiative ist nicht zielführend und deshalb lehne ich sie ab.
    2. Antwort von Andreas Pfister  (apfi)
      @Diplomatix92
      Ist so in der Absolutheit ja nicht richtig. Jeder Bauer kann weiterhin Futter zukaufen, muss dies einfach mit einem Subventions-Abschlag "erkaufen".
      Die Richtung ist m.E. korrekt - ein Hof muss Fläche für Futterproduktion abstellen, kann daher weniger Vieh halten. In diese Richtung muss es eigenlich gehen, denn Fleischproduktion und -konsum ist ja ein Haupt-Treiber für CO2.
      Die Landwirtschaft würde ihre Lobby besser mal gegen den Zwischenhandel in Stellung bringen.
    3. Antwort von Sarah Steiner  (sarahsteiner)
      Sowohl die Botschaft des Bundesrates als auch ein unabhängiges juristisches Gutachten bestätigen, dass gemäss Initiativtext Futter und Hofdünger regional zugekauft oder Betriebsgemeinschaften gebildet werden können. Wenn der Ratschlag weniger Tierprodukte zu essen sehr wichtig ist! Kann die TWI das System verändern. Die Tierproduktion wird am stärksten subventioniert, obwohl sie die grössten Umwelt- und Klimaschäden verursacht. 82% geht in die Tierproduktion. /1
    4. Antwort von Sarah Steiner  (sarahsteiner)
      /2 Die Initiative lenkt unsere Steuern in eine Lebensmittelproduktion, die
      ,pestizidfrei produziert, die Biodiversität erhält, Antibiotika nicht prophylaktisch einsetzt, einen Tierbestand hält, den sie mit
      Schweizer Futter ernähren kann.
    5. Antwort von Sarah Steiner  (sarahsteiner)
      /3 «Die TWI schadet der Umwelt» Diese Behauptung geht zurück auf irreführende Aussagen aus der zweiten und dritten Modellierungsstudie der Forschungsanstalt Agroscope. Vision Landwirtschaft hatte als Mitglied der Begleitgruppe die gravierenden Mängel der beiden Studien im Detail analysiert und kam schon 2020 zum Schluss, dass diese Modellierungen vor allem politisch motiviert und wissenschaftlich nicht haltbar sind.
    6. Antwort von Sarah Steiner  (sarahsteiner)
      @phil läubli Wie sich die Produzentenpreise und damit das Einkommen der Landwirtschaft als Folge der TWI entwickeln werden, ist schwierig vorherzusagen. Dass Betriebe eher aufgegeben werden, entbehrt jeglicher Faktenbasis. Auch aus den Modellierungen von Agroscope zur TWI ergeben sich keinerlei Hinweise, dass Landwirtschaftsbetriebe als Folge der TWI aufgegeben würden. Bei einer günstigen Umsetzung könnte das Einkommen gemäss Agroscope sogar steigen und die Landwirtschaft attraktiver werden.