Chinesischer Aufmarsch in Grönland

Grönland ist die grösste Insel der Welt. Entlang der fast 10'000 Kilometer langen Küste befinden sich umfangreiche Öl- und Gasvorkommen. Erster Interessent an einer Förderung ist die Grossmacht China. Nicht zur Freude der früheren Kolonialmacht Dänemark.

Das Dorf Kulusuk an der Küste Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Unter der kargen Schönheit Grönlands verbergen sich Rohstoffvorkommen, welche internationale Konzerne anlocken. Keystone

Vor vier Jahren sagte eine klare Mehrheit der Grönländerinnen und Grönländer Ja zu mehr Selbständigkeit. Und damit auch zur grönländischen Souveränität über die reichen Rohstoffvorkommen.

«Mit den Einkommen aus der Rohstoffförderung wollen wir in den kommenden Jahren auch wirtschaftlich von Dänemark unabhängig werden, von dem wir heute immer noch einen jährlichen Zuschuss erhalten», sagt Parlamentsabgeordnete Sara Olsvig. Die junge Politikerin verweist auf die jüngst erteilte Förderlizenz für das Unternehmen London Mining, hinter dem chinesische Interessen stehen.

Grönland fehlt es an Arbeitskräften

Unweit der Hauptstadt Nuuk soll in den kommenden Jahren eine riesige Eisenerzmine gebaut werden. Dafür werden mehrere tausend chinesische Arbeiter an den Polarkreis kommen, denn in Grönland fehlt es schlicht an Arbeitskräften.

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Bei der ehemaligen Kolonialmacht Dänemark sorgt der chinesische Aufmarsch für Aufregung. «Jetzt, wo sich grosse Länder wie China für die grönländischen Rohstoffe zu interessieren beginnen, merken wir, dass wir mehr tun müssen, wenn wir unsere dänischen Interessen in der Arktis wahren wollen», sagt Niels Tanderup Kristensen vom dänischen Wirtschaftsverband «Dansk Industri».

Dazu gehört laut Tanderup Kristensen in erster Linie ein grösseres Engagement dänischer Firmen im Rohstoffbereich sowie klare rechtliche und politische Rahmenbedingungen. Doch für diese Rahmenbedingungen sind die Grönländer künftig selbst verantwortlich – und dort hat sich das Parlament sehr deutlich für die Eröffnung dieser Erzmiene ausgesprochen.

Wer hat das letzte Wort?

In der Frage ob künftig auch radiokatives Uran sowie seltene Erden abgebaut und exportiert werden dürfen, herrscht weiterhin Uneinigkeit. Im grönländischen Parlament wurde das entsprechende Gesetz mit nur einer Stimme Mehrheit angenommen, betont Sara Olsvig von der Oppositionspartei Inuit Ataqatigiit.

«Nun kämpfen wir für eine Volksabstimmung», sagt Olsvig. Noch ist unklar, wer in Grönland das letzte Wort in dieser Frage hat.