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Davos Tech Summit Warum Roboter auch in 20 Jahren nicht für uns einkaufen gehen

Mit Neuem konfrontiert, stellen sich Roboter oft dumm an. Doch künstliche Intelligenz soll sie alltagstauglich machen.

Am Davos Tech Summit öffnete die erste Robot City Europas ihre Tore. Über 40 Robotern konnte man dort bei der Arbeit zusehen – beim Feuerlöschen, Fussballspielen oder Einkaufen.

In Davos gehen die Roboter um

Doch wer hofft, bald einen Roboter in den Supermarkt zu schicken, statt selbst den Einkaufskorb zu füllen, wird enttäuscht. Sogar die Organisatoren und Fachleute am Tech Summit betonen: Auch in 20 Jahren wird es noch keinen Roboter geben, der uns fast alle lästigen Aufgaben abnimmt.

Robotern fehlt der gesunde Menschenverstand

Das liegt weniger an mechanischen Herausforderungen als an dem, was in den Maschinen vorgeht: Robotern fehlt das, was schon kleine Kinder lernen – ein inneres Modell unserer Welt, ein Verständnis physikalischer Grundsätze. Etwa, dass ein Glas herunterfällt und in tausend Stücke zerspringt, wenn man es über die Tischkante schiebt.

Solches Wissen muss einem Roboter bis jetzt einprogrammiert oder Handgriff für Handgriff beigebracht werden. Das ist ebenso aufwendig wie teuer. Und immer besteht die Gefahr, dass dabei etwas Schaden nimmt – im schlimmsten Fall mehr als bloss ein Glas, das vom Tisch fällt.

Ein Gespür für Ursache und Wirkung

Doch mithilfe von künstlicher Intelligenz könnten die Maschinen bald ein echtes Verständnis unserer Welt erlangen. Das Stichwort heisst: Weltmodelle. «Mit so einem Modell kann der Roboter Konsequenzen von Handlungen vorhersehen», erklärt Thilo Stadelmann, der an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zu Robotik forscht.

Auf diese Art gewinnt der Roboter ein kausales Verständnis der Welt, ein Verständnis von Ursache und Wirkung. Und kann im Kopf viele verschiedene Handlungsmöglichkeiten durchspielen, bevor er die beste davon tatsächlich ausführt.

Dieses Verständnis der Welt macht es dem Roboter auch möglich, seine Handlungen zu verallgemeinern. Er kann sie von einer Situation auf eine andere übertragen, ohne dafür jedes Mal neu programmiert oder angeleitet werden zu müssen.

Was Chat GPT nicht kann

Weltmodelle und Roboter beflügeln sich dabei gegenseitig: Denn die Daten, die ein Roboter in der echten Welt sammelt, können die künstliche Intelligenz hinter den Weltmodellen verbessern. Nur durch einen realen Körper – den des Roboters eben – kann die KI lernen, wie sich die echte Physik anfühlt.

Ein sogenanntes grosses Sprachmodell wie etwa Chat GPT weiss das nicht: Es hat nur aus einer riesigen Menge von Texten die statistische Wahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse gelernt. Dass der Satz «Und als das Glas vom Tisch fiel» wahrscheinlich mit «ging das Glas kaputt» endet. Das ist zwar hochkomplexe Statistik – aber kein tatsächliches Verständnis von Ursache und Wirkung.

Teuer – und noch längst nicht am Ziel

Allerdings: Weltmodelle sind noch nicht so weit, einen Roboter wirklich auf alles vorzubereiten, was in der echten Welt passieren kann. Das weiss Amanda Prorok, die an der Universität von Cambridge zu Robotik forscht: «Das Ziel ist, Weltmodelle zu entwickeln, die sehr allgemein gehalten sind und alles vorhersehen können, was in unserer dynamischen und komplexen Welt tatsächlich geschieht. Das ist aber sehr kostspielig, sowohl was Training als auch Rechenaufwand angeht.»

Die Roboter stehen heute also da, wo wir alle einmal angefangen haben: Vor einer komplizierten Welt, deren Gesetzmässigkeiten sie erst verstehen müssen. Schritt für Schritt und Griff für Griff.

SRF  1, Tagesschau, 4.7.2026, 19:40 Uhr; wyss

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