Die Chancen, einem Roboter über den Weg zu laufen, steigen in der Schweizer Öffentlichkeit stetig. Zum Beispiel im Zürcher Stadtteil Oerlikon, wo ein ferngesteuerter Lieferroboter Essensbestellungen zur Kundschaft chauffiert. Oft mitten durch die Fussgängerzone am Bahnhof. Ein Blickfang ist der Roboter des Herstellers RivR auf jeden Fall – doch was gelten bei Begegnungen zwischen Mensch und Maschine im öffentlichen Raum überhaupt für Regeln? Eine Fussgängerzone ist ein komplexes Umfeld mit vielen Akteuren. Und vieles ist noch in der Experimentierphase.
Die gesetzliche Lage – wann ist ein Roboter ein Fahrzeug?
Im August 2025 startete RivR den Pilotversuch in Oerlikon: Gerichte des Restaurants Zekisworld wurden via Bestelldienst Just-Eat an Kunden geliefert. Gemäss den Herstellern eine Premiere in Europa, dass ein Roboter mit Rädern, Beinen und physischer KI für diesen Zweck eingesetzt werde. In den ersten 30 Tagen sollte dabei ein Sicherheitsexperte von Rivr die Zustellungen begleiten, danach der gesamte Lieferprozess von einem Kontrollzentrum aus ferngesteuert werden.
Doch im September hielt die Polizei in Oerlikon einen Lieferroboter an. Das Bundesamt für Strassen ASTRA schaltete sich ein. Es stufte den Roboter als Fahrzeug ein - und als solches braucht er eine Fahrbewilligung für die Schweizer Strassen.
Der Lieferroboter war bald wieder unterwegs, mit einer Ausnahmebewilligung des ASTRA, die bis heute gültig ist. Die gesetzliche Grundlage dafür wurde im März 2025 geschaffen, als das Strassenverkehrsgesetz angepasst und eine Verordnung über das automatisierte Fahren erlassen wurde. Für Lieferroboter gilt: Sie dürfen auf genehmigten Strecken unterwegs sein, müssen aber immer von menschlichen Operatoren beaufsichtigt werden. Vollautonomes Fahren ist bis heute nicht gestattet.
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Bild 1 von 8. Lieferroboter in Zürich. Der Roboter von RivR liefert, auf Beinen und Rädern, Essen zu Endkunden. Auch mitten durch die Fussgängerzone in Zürich Oerlikon. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 8. Begegnungen im Alltag. Für die Begegnungen von Mensch und Maschine sind die Regeln erst am entstehen – sowohl auf gesetzlicher als auch auf sozialer Ebene. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 8. Was soll man davon halten? Für RivR-Geschäftsführer Marko Bjelonic ist wichtig, dass der Roboter berechenbar ist und nicht bedrohlich wirkt. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 8. Überwachung auf zwei Rädern. Die Schweizer Firma «Ascento Robotics» stellt Patrouillen-Roboter her, die grosse Firmengelände überwachen können. Sie sollen möglichst freundlich wirken – dank grosser «Augen», die eine gewisse Mimik erzeugen, und höflichem Verhalten. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 8. Neulich an der Herbstmesse. Im Dienst von Securitas patrouillierte ein Roboter von Ascento während der Basler Herbstmesse auf öffentlichem Grund. Ausserhalb der Öffnungszeiten zwar, aber weil der Roboter mit Kameras bestückt ist und die Messe den Einsatz nicht korrekt anmeldete, stoppte ihn die städtische Datenschützerin. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 8. Dein Freund und Helfer? Das Robotermodell «Spot» des Herstellers «Boston Dynamics» wird von zahlreichen Polizeikorps in den USA und Europa eingesetzt. Auch von der Berner Kantonspolizei. Bildquelle: SRF.
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Bild 7 von 8. Spot im Einsatz. Bei einem Einsatz mitten in der Berner Innenstadt wurde «Spot» eingesetzt, um einen Bewaffneten in einem Gebäude zu suchen. Nach der grossen öffentlichen Aufmerksamkeit wurde der mechanische «Polizeihund» den Medien vorgestellt. Bildquelle: Keystone / Alessandro Della Valle.
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Bild 8 von 8. Die ETH als Roboter-Hotspot. Die ETH Zürich gilt als führende Institution in der Roboterforschung und -entwicklung. Firmen wie «RivR» und «Ascento» entstanden als Start Up Unternehmen im Umfeld der ETH. Professor Roland Siegwart forscht seit Jahrzehnten in der Robotik und plädiert für gute Information der Bevölkerung. Bildquelle: SRF.
Drei Pfeiler der Akzeptanz: Design – Verhalten – Information
Doch wie reagieren die Menschen im öffentlichen Raum? Welche «sozialen Regeln» gelten? Was können die Konstrukteure der Roboter tun, damit ihre Roboter möglichst breit akzeptiert werden? «Das Wichtigste ist, dass der Roboter berechenbar ist», sagt RivR-Geschäftsführer Marko Bjelonic, «man soll immer wissen in welche Richtung er geht und was er als nächstes tut». Das Design darf dabei durchaus maschinell und abstrakt sein – auch wenn der Lieferroboter viele an einen Hund erinnert.
Wenn ein Roboter rollt, wirkt er weniger bedrohlich als wenn er nur auf vier Beinen geht.
Fast wichtiger sind Bewegungsabläufe und Verhalten. Abrupte Richtungsänderungen und ruckartige Bewegungen erschrecken die Menschen. «Es hilft auch, dass unser Roboter Räder hat», erklärt Bjelonic. «Wenn er einfach nur geradeaus rollt, wird er komplett anders aufgenommen als andere Laufroboter, die immer auf vier Beinen gehen. Das wirkt viel bedrohlicher.»
Transparenz ist ein weiterer zentraler Faktor. Die Leute sollen informiert sein, wann und wo sie Robotern im Alltag begegnen können. Das betont auch Roland Siegwart, Professor für Robotik an der ETH Zürich – diese ist ein führender Forschungs- und Entwicklungs-Standort: «Die Gesellschaft wird sich daran gewöhnen, dass wir immer andere Systeme in unserem täglichen Umfeld haben. Aber das muss man vorbereiten. Ich glaube es hilft der ganzen Akzeptanz, dass die Leute wissen: was kommt auf sie zu.»