Vergangenes Wochenende entdeckten zwei Bergsteiger das Kreuz des Pico de Aneto, des höchsten Gipfels der Pyrenäen, auf spanischer Seite, unterhalb des Gipfels liegend. Das abmontierte Kreuz stand dort erst seit zwei Wochen, als Ersatz für ein älteres, das einen Monat zuvor abgerissen und in eine Schlucht geworfen worden war.
Dieser erste Akt des Vandalismus hatte Maël Le Lagadec, einen jungen Landschaftsgärtner-Lehrling aus der französischen Pyrenäenregion, zum Handeln bewogen. Er schnitzte aus einem Nussbaumstamm ein neues Kreuz und arbeitete mehrere Tage in seiner Garage daran. Am 8. Mai schleppte er zusammen mit einem Freund das 35 Kilo schwere Stück bis auf die Spitze in 3400 Metern Höhe. Der Aufstieg kostete ihn rund fünfzehn Stunden Anstrengung.
Erläuterungen eines RTS-Journalisten zum Streit um Gipfelkreuze:
Le Lagadec bezeichnet sich nicht als gläubig. Er habe einfach ein Bergsymbol verteidigen wollen. «Es gibt auf vielen Gipfeln ein Kreuz, es ist wie ein Leuchtturm auf offener See», sagte er gegenüber der Tageszeitung «Sud-Ouest». Für ihn verkörpern diese Kreuze den Erfolg, den erreichten Gipfel. Seine Geste fand in den sozialen Netzwerken grossen Widerhall: Eines seiner Videos erreichte über 800'000 Aufrufe.
Eine Debatte, die über die Pyrenäen hinausgeht
Die Präsenz von Kreuzen in den Bergen sorgt immer wieder für Kontroversen. Ein laizistischer spanischer Verein hatte 2025 eine Kampagne organisiert, um diese Symbole von den Gipfeln des Landes zu entfernen. Anfang Mai kritisierte er auch die Initiative von Maël Le Lagadec.
Solche Akte des Vandalismus gibt es nicht nur in den Pyrenäen. In der Schweiz sorgte im Jahr 2010 der Fall eines Bergführers für Aufsehen, der zwei Kreuze auf Freiburger Gipfeln beschädigt hatte – mit der Begründung, die Natur müsse ein freier Ort für alle bleiben. Er wurde zu 90 Tagessätzen bedingt und 500 Franken Busse verurteilt.
Kreuze auf Gipfeln gibt es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Von den einen werden sie als Orientierungspunkte oder als Teil des Kulturerbes wahrgenommen, von anderen als deplatzierte religiöse Symbole im öffentlichen Raum.