Es passierte in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag letzter Woche: Auf der Walliser Alp Eggerhorn im Binntal schlug ein Blitz ein und tötete 97 Schwarznasenschafe. Etwa 80 Tiere überlebten. Sie waren in einem Nachtpferch eingesperrt, der sie vor dem Wolf schützen sollte.
Das sagte der betroffene Schafzüchter Kilian Schnydrig dem Walliser Onlineportal Pomona. Nach seinen Angaben mussten fast hundert Tierkadaver per Helikopter vom Unglücksort abtransportiert werden. Und er fügte hinzu, dass ein solches Zusammenpferchen für die Nacht noch vor einigen Jahren nicht nötig gewesen sei und darum ein Blitzeinschlag weniger Schafe getötet hätte.
Im Wallis ist das Schwarznasenschaf weit mehr als ein einfaches Nutztier. Es gilt als lebendiges Kulturerbe des Kantons, dessen Zucht und Pflege mit grosser Leidenschaft und Tradition verbunden ist. Die Hälfte einer Herde auf diese Weise zu verlieren, wirft die betroffenen Betriebe um mehrere Jahre zurück.
Der Schafzüchter Lucien Fellay hat ebenfalls wegen eines Blitzschlags Schafe in einem Nachtpferch verloren. Er findet, dass Schafe von Natur aus nicht in der Herde an derselben Stelle bleiben, sondern bei Gewitter Schutz suchen. «Es ist klar, dass früher, als wir noch keine Nachtpferche machten, so etwas nicht hätte geschehen können», betont er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Man ist nie zu 100 Prozent sicher, dass es nicht passieren kann, aber sicher nicht in dieser Zahl.»
«Sterblichkeit gesunken» – dank Pferchen
Isabelle Germanier von der Westschweizer Sektion der Gruppe Wolf Schweiz findet, dass es sich die Züchter mit dieser Argumentation zu einfach machen. «Dank der Nachtpferche hat die Sterblichkeit bei den Schafen wesentlich abgenommen», sagt sie. «Denn vor der Rückkehr des Wolfs wurden die Schafe oft allein auf den Alpen gelassen, ohne Schutz, also ohne Pferch.»
Hören Sie, was Züchter und Wolfschützerin zum Vorfall sagen:
Damals habe es bei den Schafen eine hohe Sterblichkeitsrate gegeben wegen «nicht erkannter, nicht rechtzeitig behandelter Krankheiten, Verletzungen durch Stürze», ergänzt Germanier. Es sei darum eher umgekehrt: «Die Rückkehr der Nachtpferche und damit der Behirtung hat die Sterblichkeit stark eingeschränkt.»
Sowohl die Wolfschützerin als auch die Dienststelle für Landwirtschaft des Kantons Wallis gehen davon aus, dass der Tod der 97 Schafe eher auf Pech zurückzuführen ist.
Für die geschädigten Züchter ist der Verlust gross. Eine Entschädigung werden sie nur im Rahmen ihrer privaten Versicherung erhalten. Im Kanton Wallis gibt es keine obligatorische kantonale Versicherung für diese Art von Verlusten.