2022 wurde sie mit dem Image der Frische in die Regierung des Kantons Waadt gewählt – mit nur 29 Jahren. Heute sagt Valérie Dittli, dass sie nicht mehr ganz dieselbe sei. «Es gibt Momente, in denen ich wirklich extrem traurig bin. Das kannte ich nicht. Was ich gerade durchmache, ist schon sehr brutal.»
Während drei Tagen liess sich Dittli von einem Team des Westschweizer Radio und Fernsehens (RTS) begleiten. Sie tat das, weil sie transparent sein und ihre Sicht der Dinge vermitteln wollte.
Erläuterungen des RTS-Journalisten zur Zusammenarbeit mit Dittli
Seit Monaten steht die Leiterin des Waadtländer Departements für Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Klima und Digitalisierung unter Druck. Eine Untersuchung durch einen ehemaligen Richter brachte diverse Versäumnisse ans Licht. Daraufhin forderte eine Parlamentsmehrheit ihren Rücktritt. Doch Valérie Dittli machte weiter.
Die Staatsrätin betont: «Ich habe mich entschuldigt, wo es nötig war.» Sie versichert, sie sei gereift und habe sich verändert. «Ich nehme die Kritik sehr ernst.»
Für die Zukunft zeichnet sie einen Plan: «Ich hoffe wirklich, ein offenes Ohr zu haben, anzuerkennen, was mir vorgeworfen wurde, und meine Arbeit gut zu machen. Deshalb wird man gewählt. Man wird gewählt, um für diesen Kanton Projekte zu verfolgen, um unsere Dossiers voranzubringen.»
In den Affären um ihre Amtsführung sei ihr Standpunkt zu wenig wahrgenommen worden, betont Dittli. «Die Medien haben von mir ein Bild, in dem ich mich nicht wirklich wiedererkenne.»
Zahlung für Rücknahme einer Klage
Eine umstrittene Vereinbarung, die sie mit dem ehemaligen Präsidenten der Kommission für ländlichen Grundbesitz geschlossen hatte, stellt die Staatsrätin in einen grösseren Zusammenhang. Im Rahmen eines Streits unter Landwirten, der von ihrem Departement bearbeitet wurde, habe sie für einen jungen Bauern aus Sainte-Croix Partei ergriffen. Die Gegenseite reagierte mit einer Strafanzeige gegen sie. Dittli sagt dazu: «Mein Departement hat seine Aufsichtsrolle ausgeübt. Das war kein Fehler.»
Es kam zu Verhandlungen über die Rücknahme der Anzeige. Dittli unterzeichnete eine Vereinbarung, die die Zahlung von 10’000 Franken aus öffentlichen Mitteln beinhaltete. Die Anzeige sei ihrer Meinung nach «völlig unbegründet» gewesen. Aber «das ganze System» habe sie zu einer Vereinbarung gedrängt: der Staat Waadt, die beteiligten Anwälte und die Staatsanwaltschaft.
Und sie ergänzt: «Ich wollte die Dinge gut machen.»
Den Faktor Mensch «etwas ignoriert»
Zu Beginn ihres Mandats habe sie Fehler gemacht, räumt sie ein. «Ich würde nicht sagen, dass ich autoritär war, aber ich habe die menschliche Seite etwas ignoriert.» Zu den Beziehungen innerhalb des Regierungskollegiums äussert sie sich beschwichtigend: «Trotz all der Komplikationen, die wir hatten – wir hatten welche, das darf man nicht leugnen –, schützt uns die Institution, und wir schaffen es, gut zusammenzuarbeiten.»
Wird die Mitte-Politikerin Dittli eine zweite Amtszeit anstreben? Sie sagt dazu mit einem Lächeln: «Wenn die Partei ihr Vertrauen aufrechterhält, bleibe ich im Dienst der Partei.»
Wann immer sie aus der Regierung ausscheidet: Auf die lebenslange Rente der Waadtländer Staatsrätinnen und Staatsräte werde sie verzichten. «Danach denke ich, dass ich genügend Trümpfe in meinem Rucksack habe, um eine gute Arbeit zu finden.»