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Norwegen Vier Jahre Haft – Marius Borg Høiby will Berufung einlegen

  • Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, ist laut norwegischen Medien für eine Reihe von Straftaten zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
  • Von zwei von insgesamt vier Vergewaltigungsvorwürfen nach norwegischem Recht sprach ihn das Gericht laut der Zeitung «Verdens Gang» frei.
  • Für die anderen zwei wurde er demnach verurteilt.
  • Laut norwegischen Medien will Høiby nun Berufung gegen das Urteil einlegen.

Vier Frauen muss der Norweger eine Entschädigung zahlen, darunter zwei Ex-Freundinnen. Høiby verfolgte das Urteil aus gesundheitlichen Gründen nicht im Gerichtssaal mit, sondern über eine Videoschaltung aus dem Gefängnis.

Marius Borg Høiby war in 40 Punkten angeklagt – unter anderem wegen vier Vergewaltigungen nach norwegischem Recht, mehreren Fällen von häuslicher Gewalt, Verstössen gegen ein Kontaktverbot sowie Drogen- und Verkehrsdelikten.

Ein Mann in einem schwarzen Anzug sitzt vor zwei Bildschirmen.
Legende: Nach dem Mammutprozess gegen Marius Borg Høiby hat das Gericht in Oslo jetzt sein Urteil verkündet. Keystone/STIAN LYSBERG SOLUM

Die Staatsanwaltschaft hielt ihn in 39 Punkten für schuldig und wollte den Norweger für sieben Jahre und sieben Monate hinter Gittern sehen. Høibys Verteidiger hatten dagegen zum Abschluss der Gerichtsverhandlung einen Freispruch von den Vergewaltigungsvorwürfen gefordert und auf eineinhalb Jahre Haft für ihren Mandanten plädiert.

Drogen, Gewalt, Missbrauch: Die Liste der Vorwürfe war lang

Mehrere der Taten hatte der 29-Jährige gestanden. Dabei geht es etwa um Fälle von Körperverletzung und Vandalismus, Verstösse gegen ein Kontaktverbot zu einer Ex-Freundin, die norwegische Medien nach dem Osloer Stadtteil Frogner «Frogner-Frau» nennen, verschiedene Verkehrsdelikte sowie den Transport von 3.5 Kilo Marihuana.

Gerichtszeichnerzeichnung eines Mannes in einem blauen Hemd neben einem Mikrofon am Holztisch.
Legende: Der Verurteilte hatte die schwerwiegendsten Vorwürfe zurückgewiesen, sich jedoch in weniger schweren Punkten schuldig bekannt. In 34 Anklagepunkten wurde Høiby schuldig gesprochen. (Gerichtszeichnung vom Februar 2026) Keystone/ANE HEM

Die ihm vorgeworfenen Vergewaltigungen von vier Frauen, während diese schliefen, hatte er dagegen bestritten. Während er mit den Frauen zusammen war, hatte Høiby diese gefilmt und fotografiert. Foto- und Videoaufnahmen auf den Handys des Norwegers hatten in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft eine wichtige Rolle gespielt. Die Verteidigung hatte während des Prozesses Zweifel an der Glaubwürdigkeit eines der mutmasslichen Opfer gesät.

«Hassobjekt von ganz Norwegen»: Høibys Kampf mit den Medien

Unter Tränen hatte Høiby in dem Prozess die Medien angeklagt, von denen er seit frühester Kindheit verfolgt worden sei. Sich selbst hatte er als «Monster» in der öffentlichen Wahrnehmung und als «Hassobjekt von ganz Norwegen» bezeichnet. Høiby war noch ein Kleinkind, als seine Mutter Mette-Marit den norwegischen Kronprinzen kennenlernte.

Ein Mann im Anzug und eine blonde Frau klatschen in einer Menschenmenge.
Legende: Høiby ist der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und gehört der königlichen Familie seit deren Heirat mit Haakon im Jahr 2001 an. (Archivbild) Keystone/LISE ASERUD

Im August 2024 nahm die Polizei ihn zum ersten Mal fest. In der Wohnung seiner damaligen Freundin hatte er randaliert, gab später zu, der Frau gegenüber gewalttätig geworden zu sein. Im Laufe der Ermittlungen kamen immer mehr Vorwürfe ans Licht. Kurz vor dem Prozess nahm die Polizei Høiby erneut fest – er hatte gegen ein Kontaktverbot seiner Ex-Freundin verstossen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Trotz Drama um schwer kranke Mutter: Høiby bis zuletzt in U-Haft

Mehrfach versuchte Mette-Marits Sohn während des Prozesses und danach, aus der U-Haft freizukommen – notfalls mit elektronischer Fussfessel. Auch kurz vor der Urteilsverkündung hatte er noch einmal einen Versuch gestartet, dieses Mal mit Verweis auf den Gesundheitszustand seiner Mutter.

SRF-Korrespondent: «Der Rechtsstaat als Fels in der Brandung»

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SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann: «Die Verhaftung und Verurteilung des Sohns der Kronprinzessin. Mette-Marit selbst, die über Jahre hinweg enge Beziehungen zum US-amerikanischen Sexualverbrecher Jeffrey Epstein pflegte – genauso wie namhafte norwegische Politikerinnen und Politiker, die zu dessen Netzwerk gehörten. All das hat das lange, sehr solide, ja manchmal gar übermütige Selbstverständnis des durch Öl und Gas sehr reich gewordenen Norwegens in seinen Grundfesten erschüttert. 

Teile der Elite des Landes kümmerten sich, so wurde deutlich, kaum noch um moralische und rechtliche Werte. Mit der traditionell als modern und volksnah wahrgenommenen Monarchie hat die Vertrauenskrise nun auch ein Fundament des seit gut 120 Jahren unabhängigen nordischen Landes erfasst – und das zu einem sehr kritischen Zeitpunkt. 

Als Fels in der Brandung erweist sich jedoch der Rechtsstaat. Im aktuellen Prozess um den Sohn der Kronprinzessin bewies die norwegische Justiz ihre Unabhängigkeit und Stärke und liess sich durch das enorme öffentliche Interesse nicht beeinflussen. Die norwegische Justiz wiederholte damit den Reifetest, den sie vor einem guten Jahrzehnt schon einmal bestanden hatte, als sie im Prozess gegen den Terroristen Anders Behring Breivik das Recht walten liess. Norwegen ist heute politisch angeschlagen, die Monarchie ebenso. Aber der Rechtsstaat ist intakt.»

Die Kronprinzessin leidet an einer unheilbaren, chronischen Lungenkrankheit und braucht nach Angaben des norwegischen Hofs dringend eine neue Lunge. Ihr Zustand hatte sich in den vergangenen Monaten demnach dramatisch verschlechtert. Høiby Antrag wurde in zweiter Instanz abgelehnt.

SRF 4 News, 15.6.2026, 9 Uhr ; 

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