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Hyperinflation trotz Reichtum Venezuelas Wirtschaft am Abgrund

Legende: Video Mangel und Improvisation in Venezuela (unkomm.) abspielen. Laufzeit 00:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.08.2018.

Die Nachricht hat Anfang Woche die Runde gemacht: Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro streicht von der Landeswährung Bolivar fünf Nullen weg. Der Grund: Maduro will so die massive Inflationsrate bekämpfen.

Doch wie konnte es so weit kommen? Aufgrund seiner hohen Bodenschätze wäre Venezuela eigentlich sehr wohlhabend. Das südamerikanische Land weist die höchsten Erdölvorkommen weltweit auf.

Grafik zeigt Länder mit den meisten Erdölreserven.
Legende: SRF

Maduros Vorgänger Hugo Chavez finanzierte seine sozialistische Politik fast ausschliesslich mit dem Verkauf von Erdöl über den staatlichen Erdölkonzern PDVSA. Während Chavez’ Amtszeit stieg der Erdölpreis konstant und die Armut im Land konnte so verringert werden. Das Problem von Nachfolger Maduro: In seiner Amtszeit stürzte der Erdölpreis massiv ein.

Grafik mit der Entwicklung des Ölpreises von 2013 bis 2018.
Legende: SRF

Doch auch vom wieder anziehenden Erdölpreis kann Venezuela nicht profitieren. Die staatliche PDVSA hat seit Jahrzehnten nicht mehr in Fördertechnik, Instandhaltung oder Ausbildung von Personal investiert. Die Anlagen befinden sich deshalb in einem desolaten Zustand und das Land kann seinen Reichtum kaum abschöpfen.

Zudem kann Venezuela gar nicht seine gesamte Produktion auf dem freien Weltmarkt verkaufen, weil ein wesentlicher Teil schon verplant ist. So bezahlt das hoch verschuldete Land seine Kredite in Russland und China mit Öllieferungen und schickt auch dem sozialistischen Verbündeten Kuba noch immer Öl zum Vorzugspreis.

Grafik mit der Rohölproduktion in Venezuela von 2008 bis 2018.
Legende: SRF

Andere Industriezweige gibt es in Venezuela kaum. 70 Prozent der Konsumgüter müssen importiert werden. Dazu fehlt aber aufgrund der schwachen Erdölexporte das Geld. Auch die Löcher im Staatshaushalt können nicht mehr gestopft werden, weshalb immer mehr Notenbankgeld in Umlauf gebracht wird. Die Folge: eine Inflation epochalen Ausmasses.

Gemäss dem neusten Bericht des Internationalen Währungsfonds steuert das Land auf eine Inflation von einer Million Prozent bis Ende Jahr zu. Noch im April gingen die IWF-Experten von einer Inflation von 13'000 Prozent aus. Nun vergleicht der IWF die Lage Venezuelas bereits mit dem Preiszerfall in der Weimarer Republik im Jahr 1923. Deutschland finanzierte nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg seine Folgekosten insbesondere mit dem Druck von neuem Bargeld.

Grafik Inflationsrate Venezuela

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Müller (Samuel Müller)
    Allen Reichen alles weg zu nehmen und dem Volk zu verteilen funktioniert nur in so fern, dass man schnell zu politischen Mehrheiten kommt. Zum Glück begreifen zur Zeit gerade Mehrheiten des „zivilisierten“ Teiles der Menschheit, dass man mit Träumen keine Politik machen darf. Aber das Langzeitgedächtnis derselben ist leider fatal kurz.
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    1. Antwort von Marc Bühler (Capten Demokratie)
      Das gab es noch nie das allen Reichen das Geld weggenommen wurde. Denn im gleichen Zug wurden andere Reich damit. Das ist nicht Verteilung sondern Korruption!
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Venezuela ist Kuba. Syrien und Palästina ist Guernica. Machthaber, die ihre Bevölkerung in die Freiheit führen wollen, werden wirtschaftlich oder militärisch angegriffen. So funktioniert Weltpolitik - immer schon. Das Motto von EU und UNO und wie sie alle heissen ist immer das Gleiche: Und bist Du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt. Wir könnten das ändern. Wer wenn nicht die Schweiz sollte sich für eine andere Welt einsetzen? Dafür wollten unsere Parteien doch in den IWF und in die UNO.
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    1. Antwort von Stefan Renevey (weissdassichnichtsweiss)
      Unglaublich die vielen Ablehner. Die einen aus Obrigkeitshörigkeit, die anderen aus Dummheit und Unwissenheit, die Dritten aus Überheblichkeit. Ein Land mit so vielen Ressourcen. Und da gibt es bei uns Menschen, die Glauben, dass es soo böse Führer im eigenen Land gibt, die dem Volk nichts als schaden wollen. Kindern, Alten, Kranken, Jungen, die ihr Leben vor sich haben. Aber eben, selber denken ist nicht einfach und auch unbequem!! Unglaublich! Einfach mal Zusammenhänge aneinander reihen...
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    2. Antwort von Arnold Weiss (A.Weiss)
      Herr Muri, Sie würden wohl selbst bei Artikeln über Salz, Velos oder den Borkenkäfer irgendeinen Grund finden gegen die EU auszuteilen.
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Sozialismus oder sterben.Maduro ändert diesen Slogan ab in sterben durch Sozialismus. Stalin das grosse Wasserbaugenie,Mao der grosse Ernährungsexperte(100 Mio Hungertote) Che der grosse Südamerikastratege,Fidel der Zuckerrohrexperte,PolPot(Pott wäre besser) der Bildungsexperte,Maduro nun das Finanzgenie.Viel gibt es nicht mehr zum Zerstören durch den Sozialismus.Vielleicht noch in Afrika.
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    1. Antwort von Ernst Richener (Schmutz Fink)
      Umd die gleichvielen oder mehr Toten durch den Kapitalismus?
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    2. Antwort von Tobi Hartmann (Tobias Hartmann)
      Falsch. Es ist eben gerade NICHT Sozialismus wenn so etwas passiert. Wir haben in Venezuela eine Gruppe Machtgieriger die das Wort "Sozialismus" als Versprechen benutzt um vom Volk gewählt zu werden und dann eine Diktatur aufbaut deren einziger Zweck es ist mehr Macht anzuhäufen und diese nicht zu verlieren. Daran ist dann rei gar nichts mehr sozialistisch.
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    3. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Es ist eben Sozialismus, genau der Sozialismus mit dem zu Beginn geworben wird und Propaganda gemacht wird. Und wenn's schief geht, sind selbstverständlich ja die anderen im Westen schuld. Genau das ist Sozialismus in Reinkultur. Da gibt es keinen anderen Sozialismus als jenen, den man überall sehen kann.
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    4. Antwort von Marc Bühler (Capten Demokratie)
      Stahlin als Sozialist zu bezeichnen zeigt wie wenig sie von der Russisch/Sowjetischen Geschichte kennen. Stahlin war ein Diktator und kein Sozialist wie es Lenin oder gar Trotzki war. „Stahlin hat die Revolution verraten“ schrieb Trotzki einst. Damit hatte er völlig Recht. Ein Wechsel von einer zu einer anderen klasse hat nichts mit Sozialismus zu tun. Im Gegensatz zu Lenin und Trotzki war Stahlin nicht gebildet und hatte keine Ahnung von der Aufklärung und sudammenhänge. Er wollte nur Macht!
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    5. Antwort von Marc Bühler (Capten Demokratie)
      Hans Haller, mann könnte bei ihrem Kommentar meinen es gebe noch einen Kapitalismus. Der war jedoch schon 1970 Tod. Spätestens. Jetzt haben wir den Neoliberalismus. Geld hat keinen wert mehr der durch kapital gedeckt ist. Eine Art Finanzsozialismus. Mit diesem Fake Money stürtze Reagen mit seiner Doktrin die Sowjetunion die dank stahlin auch nicht Sozialistisch wurde. Lesen sie erst mal was über Adam Smith, Lenin, Trotzki, Sartre oder Camu. Dan begreifen sie das Heute besser.
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