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Gegen Fast Fashion Vom Himmel auf die Strasse: Mode aus ausrangierten Segeln

Was nicht mehr fliegt, wird tragbar: In Buenos Aires entstehen aus alten Segeln neue Jacken und Rucksäcke.

Lucas Desimone begutachtet ein ausrangiertes Kite-Segel: «Eine tolle Farbkombination, grün und orange, das hatten wir noch nie.» Der argentinische Textilunternehmer hält ein zweites Leben für den Hightech-Stoff bereit: als Jacke, Rucksack oder Tasche.

Zwei Personen entfalten einen orangefarbenen Gleitschirm auf einer Wiese.
Legende: Desimones Inspiration kam aus der Schweiz: die berühmten Taschen aus LKW-Plane. SRF

Seit über zehn Jahren verarbeitet Desimone in einem Vorort von Buenos Aires für seine Marke BAUMM alte Kite-, Fallschirm- und Paraglider-Segel zu neuen Produkten. Was in der Luft oder auf dem Wasser nicht mehr eingesetzt werden kann, taugt noch immer für leichte Textilprodukte. «Das Material ist superresistent, sieht schön aus und fühlt sich gut an. Und es hat die Magie des Himmels, von Sonne, Wind und Regen», sagt Desimone.

Jedes Stück ist ein Unikat

In der Einzigartigkeit der Stoffe liege der wichtigste Unterschied zur Modebranche. «Das Material diktiert bei uns die Mode», sagt Desimone. Nicht die nächste Kollektion gibt den Takt vor, sondern der Stoff selbst: seine Farbe, Form, der Materialzustand.

Designerin María Salgado erklärt: «Im Atelier entstehen die Schnitte und Prototypen, genäht wird in Werkstätten. Jedes Teil ist ein Unikat.» Denn: Die Stoffe lassen sich nicht im Stapel zuschneiden, jedes Segel sei anders.

Person bei der Arbeit an einer Nähmaschine in einer Werkstatt.
Legende: Die Stoffe seien für ein zweites Leben als Rucksack oder Jacke immer noch perfekt, sagt Designerin María Salgado. SRF

Manche Segel kauft das Unternehmen, andere sind Spenden. Desimone erklärt: «Viele hängen sehr daran. Sie sagen uns: Damit bin ich zum ersten Mal geflogen. Gebt mir doch einen Rucksack oder ein paar Jacken, den Rest könnt ihr behalten.» Ein Etikett zeigt, woher das Material stammt, wie viele Flugstunden es hatte und ob es als Kite oder Fallschirm im Einsatz war.

Mehrere Hundert Stück pro Monat werden nach Unternehmensangaben verkauft, vor allem online, auch ins Ausland. Desimone weiss, dass er ein Nischenprodukt herstellt: «Aber es gibt viele solcher Projekte, die die Kreislaufwirtschaft fördern, überall auf der Welt. Dadurch wächst ein kollektives Bewusstsein – auch bei den Konsumenten.» Entscheidend sei, «etwas Schönes zu schaffen, das zugleich eine Idee vermittelt».

Ähnliche Vorhaben auch in der Schweiz

Mehr als 11'000 Kilometer entfernt, in Zürich, beobachtet Nina Bachmann, Mitglied der Geschäftsführung von Swiss Textiles, solche Initiativen mit Interesse. «Es sind wichtige Ideen, weil die Kreislaufwirtschaft eben wirklich von Anfang bis zum Ende denkt», sagt sie. Man nehme «nicht einfach Ressourcen und braucht sie und wirft sie weg», sondern beziehe mehr Akteure in den Prozess ein. Das führe zu spannenderen Produkten.

Lächelnde Person steht in einem Zimmer mit blauen Wänden und weissen Vorhängen.
Legende: Im Büro von Swiss Textiles zeigt Nina Bachmann den Teppich aus alten, gesammelten Fischernetzen. SRF

Auch Swiss Textiles arbeite an Lösungen, um Initiativen der Kreislaufwirtschaft in der Schweiz zu fördern. Das Ziel: Materialien so lange wie möglich im Umlauf halten – durch Reparatur, Recycling, Upcycling.

Der Unternehmer in Buenos Aires will Fast Fashion nicht mit moralischen Appellen bekämpfen, sondern mit einer Idee, die dem Upcycling Sichtbarkeit gibt: auf der Strasse, im Alltag. Ausrangiertes Material ist dann nicht mehr Abfall. Sondern lebt weiter.

SRF 4 News, 19.7.2026, 14 Uhr; herb

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