- Eine private Initiative will den vor der Insel Poel gestrandeten Walfisch retten – die Aktion läuft.
- Tierärzte der Initiative haben den Wal für transportfähig erklärt. Andere Experten sehen die Aktion allerdings kritisch.
- Dem Tier werden nun Gurten angelegt, mit denen es in ein Aquarium ins Innere eines Lastkahns gebracht werden kann, um in die Nordsee transportiert zu werden.
Helfende haben am Vormittag im Hafen von Kirchdorf auf Poel Boote bestiegen und sind zum Wal hinausgefahren, der seit vier Wochen in einer flachen Bucht der Insel vor Wismar feststeckt. Mit Gurten soll der Wal durch eine ausgebaggerte Rinne zu einem bereitliegenden Lastkahn geführt werden, wie in Livestreams zu erkennen war. Der Wal liess die Prozedur zunächst ruhig über sich ergehen.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus gab sich optimistisch. «Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben», sagte er in Kirchdorf. Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, sagte: «Wir wollen heute fertig werden.»
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Bild 1 von 2. Der Lastkahn ist absenkbar und soll den Wal so aufnehmen können. Das Schiff soll den Wal dann samt Wasser Richtung Skagen zum Eingang der Nordsee bringen. Dafür sind etwa dreieinhalb Tage eingeplant. (26.4.2026). Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Bodo Marks.
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Bild 2 von 2. Mit einem Bagger wurde eine Rinne im flachen Wasser gegraben, durch die der Wal in die Barge gelenkt werden soll. (25.4.2026). Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Philip Dulian.
Die Behörden gaben Backhaus zufolge grünes Licht, den rund zwölf Tonnen schweren Meeressäuger mit Hilfe von Gurten durch eine rund 100 Meter lange, in den letzten Tagen ausgebaggerte Rinne zu dem mit Wasser gefüllten Lastkahn zu führen. Wenn das gelingt, soll der Buckelwal auf der Barge wie in einem riesigen Aquarium in die Nordsee gebracht werden. Auf solchen Bargen werden sonst unter anderem Schiffe transportiert.
Andere Experten sind anderer Meinung
Wal-Experten kommen hingegen zu einem anderen Schluss und raten von der Aktion ab: Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier sollte vielmehr grösstmögliche Ruhe erhalten und ausschliesslich palliativ versorgt werden. «Von weiteren Manipulationen am Wal» sei abzusehen. «Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert» und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering.
Die Aktion «ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden», erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.
Backhaus hatte Mitte April trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Sie wird neben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Die Initiative hat den Lastkahn herangeschafft, um den Wal damit in die Nordsee zu bringen. Ein vorheriges Konzept der Gruppe gelang nicht und wurde verworfen.
Die Barge soll dann mit dem Buckelwal zur Nordsee fahren. Bei der Stadt Skagen in Dänemark soll der Zustand des Tiers erneut bewertet werden. Für die Fahrt sind etwa dreieinhalb Tage geplant.