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Gipfel mit Trump und Erdoğan Schicksalhaftes Nato-Treffen: Neuerfindung – oder Zerfall?

Am Dienstag beginnt in der türkischen Hauptstadt Ankara das zweitägige Spitzentreffen der 32 Nato-Staaten. Offiziell beraten die Staats- und Regierungsoberhäupter über die Höhe ihrer Verteidigungsausgaben, die Stärkung der europäischen Rüstungsindustrie und weitere Ukraine-Hilfen. Tatsächlich geht es um die schiere Existenz der Nato: Geht sie am amerikanischen Präsidenten Donald Trump zugrunde – oder erfindet sie sich als «Nato 3.0» neu? SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck beschreibt die Ausgangslage.

Sebastian Ramspeck

Internationaler Korrespondent

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Sebastian Ramspeck ist internationaler Korrespondent für SRF. Zuvor war er Korrespondent in Brüssel und arbeitete als Wirtschaftsreporter für das Nachrichtenmagazin «10vor10». Ramspeck studierte Internationale Beziehungen am Graduate Institute in Genf.

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Warum ist der Nato-Gipfel 2026 wichtig?

Die USA fordern unter dem Schlagwort «Nato 3.0» eine Neuordnung des Militärbündnisses. Kanada und die europäischen Mitgliedstaaten sollen mehr Lasten tragen. Doch gleichzeitig sieht Trump die Nato nicht als die Schicksalsgemeinschaft, als die sie gegründet worden war – sondern als Geschäft. Wer zu wenig amerikanische Rüstungsgüter kauft oder widerspricht, kann sich des Beistands der USA im Kriegsfall nicht mehr sicher sein. Für die Nato ist daher nicht nur Russland eine Gefahr – noch gefährlicher ist der innere Zerfall.

Wie konkret sollen europäische Staaten die Nato bewahren?

Eine Lösung lautet: Lastenverschiebung («burden shift») statt bloss Lastenteilung («burden sharing»). Die europäischen Nato-Staaten sollen mehr Militärgüter kaufen, vor allem aber auch mehr militärische Verantwortung übernehmen. Das Ziel: Europa stellt die Verteidigung mit konventionellen Streitkräften eigenständig sicher. Der Job der USA würde sich darauf beschränken, mit Atomwaffen für Abschreckung zu sorgen und die Europäer mit Logistik und Geheimdienstinformationen zu versorgen.

Kanada will deutsche U-Boote

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Vor seiner Abreise zum Nato-Gipfel sagte Kanadas Premierminister Mark Carney, dass der Kieler Marineschiffbauer TKMS bis zu zwölf U-Boote an Kanada liefern soll. Damit setzt Kanada ein Zeichen der transatlantischen Zusammenarbeit.

Kanada hat U-Boote des Typs 212CD bestellt. Dieses Modell wurde von Norwegen und Deutschland für die gemeinsame Nutzung entwickelt. Bisher bezieht Kanada rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Allerdings ist das Verhältnis der beiden Ländern seit Beginn von Trumps Amtszeit schwer belastet.

Für TKMS ist der Milliarden-Deal der grösste U-Boot-Auftrag der Unternehmensgeschichte. Genaue Angaben zum Auftragsvolumen wurden nicht gemacht. Nach Angaben von TKMS soll allerdings während der Projektlaufzeit in Kanada eine wirtschaftliche Gesamtaktivität in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro generiert werden.

Wie realistisch ist eine «Nato 3.0»?

Eine umfassende Lastenverschiebung erscheint unrealistisch. Zwar fordert Trump, dass die Europäer militärisch eigenständiger werden. Gleichzeitig will er aber, dass sie rüstungspolitisch von den USA abhängig bleiben. Zweitens fehlt es den Europäern an einem Machtzentrum, das in einem Krieg anstelle der USA die Führungsrolle übernehmen könnte. Drittens sind sich die Europäer und Trump in der entscheidenden Frage uneins: Ist Russland die grösste Gefahr – oder ein potenzieller Partner? Diese Uneinigkeit erschwert gemeinsame Reformen.

Welche Rolle spielt die Ukraine am Gipfel?

In den vergangenen Wochen hat die Ukraine eindrücklich gezeigt, wie sie der militärischen Grossmacht Russland mit Überlebenswillen und Erfindungsgeist standhält. Daran will der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski anknüpfen, wenn er am Mittwoch in Ankara Trump zum Gespräch trifft. Derweil ringen die Nato-Staaten dem Vernehmen nach um eine gemeinsame Erklärung, wonach die Grundlage für Waffenstillstands-Verhandlungen mit Russland die aktuellen Frontlinien sein sollen – und nicht weitergehende russische Forderungen.

Wie nutzt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan als Gastgeber den Gipfel?

Erdoğan nutzt den Gipfel zur Machtdemonstration. Die Türkei hat eine schnell wachsende Rüstungsindustrie, die zweitgrösste Nato-Armee und kontrolliert den Zugang vom Mittel- zum Schwarzen Meer. Sie war eines der wenigen Länder, die zwischen Russland und der Ukraine vermitteln konnten. Nach innen geht diese Machtdemonstration mit Repression einher: Kurz vor dem Gipfel wurden in der Türkei Erdoğan-Kritiker festgenommen, Demonstrationen verboten – und oppositionellen Medien wurde der Zugang zum Gipfel verwehrt.

Heute Morgen, 7. Juli 2026, 6 Uhr ; 

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