«Ich bin total gehypt, unglaublich!», sagte Honnold, nachdem er es schliesslich geschafft hatte. Auf der Spitze des Gebäudes schoss der Extremsportler zunächst ein Selfie, ehe er der jubelnden Menge am Boden zuwinkte.
Honnold, der als einer der besten Freikletterer der Welt gilt, benötigte für seinen Aufstieg an der Fassade des pagodenartig gebauten Hochhauses entlang eine Stunde und knapp 32 Minuten.
Wegen Regens war ein erster Kletter-Versuch am Samstagmorgen in Taipeh abgesagt und auf Sonntag verschoben worden. Sie seien auf die Gnade der Natur angewiesen, betonte der Star-Kletter, der in den Tagen vorher mit Seil am Taipeh 101 geübt hatte.
Rund zweieinhalb Monate bereitete sich Honnold speziell auf den Wolkenkratzer vor. Er war allerdings nicht der erste Kletterer, der den Wolkenkratzer erklommen hat.
Der Franzose Alain Robert bestieg das Gebäude 2004 im Rahmen der Eröffnung des Taipeh 101. Doch während Robert mit einem Seil abgesichert war, wiederholte Honnold die Aktion erstmals ohne jegliche Sicherung. Der verheiratete Vater von zwei kleinen Kindern verzichtet für gewöhnlich auf ein Seil oder andere Absicherungen – so auch beim Live-Spektakel in Taipeh, das Netflix «Skyscraper live» nannte.
Viel Geld fürs Spektakel
Während des Aufstiegs wurde Honnold immer wieder von Schaulustigen hinter den Fensterscheiben der Büroetagen fotografiert und lautstark angefeuert. Davon liess er sich jedoch nicht beirren: Es sei cool, die Erfahrung mit all den Leuten zu teilen, sagte Honnold.
Für die Aktion soll Honnold von Netflix einen mittleren sechsstelligen Dollar-Betrag ausgezahlt bekommen, wie die «New York Times» unter Berufung auf anonyme Quellen berichtete. Er selbst sagte der US-Tageszeitung lediglich, dass es sich zwar um einen «peinlich hohen Betrag» handeln würde, er den Wolkenkratzer aber auch umsonst besteigen würde.
Anerkennung für die waghalsige Aktion kam auch von politisch höchster Ebene. «Glückwunsch an den furchtlosen Alex zur erfolgreichen Bewältigung dieser Herausforderung, und vielen Dank an alle Heldinnen und Helden hinter den Kulissen, die dies möglich gemacht und dazu beigetragen haben, Taiwan auf die internationale Bühne zu bringen!», schrieb Taiwans Präsident Lai Ching-te auf Facebook.