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Stiftungen werden aktiv Appell an den Bundesrat in Sachen Entwicklungszusammenarbeit

Mehrere grosse Stiftungen kritisieren die geplanten Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit. Es gehe um die Glaubwürdigkeit der Schweiz.

Die Schweiz will in der Entwicklungs­zusammenarbeit sparen und Gelder verschieben – weg von der langfristigen Zusammenarbeit hin zur kurzfristigen Humanitären Hilfe. Dieser Schritt dürfte längerfristig höhere Kosten verursachen, halten jetzt 27 grosse Stiftungen im Schreiben fest, das Radio SRF vorliegt und von dem der «Tages-Anzeiger» zuerst berichtet hatte.

Es ist effizienter und bringt mehr, längerfristig in Entwicklungs­zusammenarbeit zu investieren.
Autor: Andrea Studer Geschäftsführerin der Botnar-Stiftung

Mitunterzeichnet hat etwa die Botnar-Stiftung aus Basel. Sie unterstützt junge Menschen auch in Ländern Südamerikas und Afrikas. Aus diesen Ländern will sich die Schweiz zurückziehen. «Es ist effizienter und bringt mehr, längerfristig in Entwicklungs­zusammenarbeit zu investieren», zeigt sich Botnar-Geschäftsführerin Andrea Studer überzeugt.

Stiftungen können den Staat nicht ersetzen

Die Stiftungen halten fest, dass sie mit staatlichen Akteuren, multilateralen Organisationen, der Zivilgesellschaft und dem Privatsektor zusammenarbeiten. Sie könnten staatliches Engagement nicht ersetzen.

Person in bunter Kleidung kocht draussen mit Töpfen und Behältern auf dem Boden.
Legende: Der Bundesrat will bei der Entwicklungszusammenarbeit sparen und sich vor allem auf Nothilfe konzentrieren. Reuters/Feisal Omar

Aussenminister Ignazio Cassis betonte bei der Ankündigung der Kürzungen vor zehn Tagen, man müsse nicht nur Projekte finanzieren, sondern auch ihre Wirkung aufzeigen.

Eine stärkere Präsenz von Akteuren aus dem gleichen Land verstärkt die Synergien.
Autor: Fritz Brugger Entwicklungsökonom an der ETH Zürich

Die Eidgenössische Finanzkontrolle etwa zieht eine gemischte Bilanz zu verschiedenen Projekten der internationalen Zusammenarbeit: Positiv beurteilt sie abgeschlossene Projekte in Bangladesch und Nepal. Sie wirkten noch jahrelang weiter.

Weniger erfolgreich seien Berufsbildungsprojekte, erklärt Laurent Crémieux von der Finanzkontrolle. Denn da spielten viele verschiedene Faktoren hinein.

Auch Konzerne führen Stiftungen

Über Stiftungen engagieren sich auch Versicherungskonzerne wie etwa die Zürich Versicherung oder Swiss Re. Auch sie haben den Appell an die Landesregierung unterzeichnet.

Sie hätten ein Interesse an der Schweizer Präsenz vor Ort, bestätigt Fritz Brugger von der ETH Zürich. Er sieht die Neuorientierung der internationalen Zusammenarbeit kritisch.

«Eine stärkere Präsenz von Akteuren aus dem gleichen Land verstärkt die Synergien», sagt der Co-Direktor des Zentrums Globale Zusammenarbeit und Nachhaltige Entwicklung. So könne internationale Zusammenarbeit mehr bewirken. Und vielleicht werde ein Staat so auch interessant für Direktinvestitionen von Firmen.

Engagement kann auch Geschäfte befördern

Zum weltweit tätigen Rückversicherer Swiss Re ergänzt Fritz Brugger: «Swiss Re macht viele Versicherungen über Regierungen – deshalb ist ihr Interesse weitergehend, als nur gerade Firmen rückzuversichern». Wenn also die Schweiz vor Ort in Schutzbauten investiert, profitieren auch solche Konzerne.

Selbstlos ist das Schweizer Engagement in der Welt nicht. Wo dafür Bundesgelder eingesetzt werden, darüber entscheidet das Parlament jeweils im Dezember. Jetzt hat die öffentliche Debatte darüber längst begonnen.

Echo der Zeit, 6.7.2026, 18 Uhr; wilh

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