Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Regina Almeida sitzt auf einem Liegestuhl unter dem Sonnensegel ihrer Badebude. Gerade haben ihre zwei Wochen Ferien im beliebten mittelportugiesischen Badeort Nazaré begonnen.
Während wir hier teuer bezahlen, zahlen die mit ihren Sonnenschirmen gar nichts!
Doch Dona Regina ist alles andere als entspannt: «Das ist doch unerhört! Von meiner Badebude aus kann ich nicht einmal mehr das Meer sehen. Alles ist voller Sonnenschirme. Und während wir hier teuer bezahlen, zahlen die mit ihren Sonnenschirmen gar nichts!»
In Portugal ist ein Sonnenschirmkrieg ausgebrochen. Ausgelöst hat ihn die Umweltministerin des Landes, Maria da Graça Carvalho.
Ministerin weckt schlafende Hunde
Eigentlich klingt ihre Erklärung ziemlich unspektakulär: «Die Gesetzesvorschriften sind klar und einfach: Es gibt konzessionierte Strandabschnitte und Sicherheitszonen, wo niemand seinen Sonnenschirm aufstellen darf. An allen anderen Orten darf man das.»
Von wegen einfach! Die Umweltministerin hat damit ein gefühlt jahrzehntelanges Naturgesetz gebrochen. Demnach durfte niemand vor dem Teil des Strandes, an dem Sonnenschirme oder Badebuden vermietet wurden, einen privaten Sonnenschirm oder Windschutz aufbauen.
Und so liefen die Besitzer der Badebuden Sturm gegen die Ministerin. Denn schliesslich bezahlten sie viel Geld für ihre Lizenzen. Ausserdem müssten sie die Rettungsschwimmer an den Badestränden entlöhnen.
Dann bringe ich das nächste Mal einen Sonnenschirm mit und mache es mir am Meer bequem. Und die 90 Franken spare ich auch noch.
Auch Maria Luisa Ramos, die Badebudennachbarin von Dona Regina, bekommt Schnappatmung: «Ich muss hier 90 Franken für eine Woche bezahlen. Wenn das so ist, bringe ich das nächste Mal einen Sonnenschirm mit und mache es mir am Meer bequem. Und die 90 Franken spare ich auch noch.»
Nicht überall ein grosses Problem
Es tobt also ein Sturm am Badestrand. Und Bürgermeister Serafim Silva versucht, die Wogen zu glätten: «Es gibt da viel Lärm um nichts. Eine unserer Regierenden hat das unnötigerweise aufs Tapet gebracht. In Nazaré haben wir lange Strände mit viel Platz.»
Man habe die verschiedenen Zonen klar ausgewiesen, kaum jemand schimpfe. Darum stelle sich das Sonnenschirmproblem in Nazaré gar nicht.
Am Strand von Nazaré weisen Schilder die konzessionierten Zonen aus; Seile sind zusätzlich als Begrenzung gespannt. Diese sichern auch Notgassen für die Strandmobile der Rettungsschwimmer.
Während an anderen Badeorten, vor allem im Süden in der Algarve, auch schon mal die Polizei aufgebrachte Badegäste und Konzessionsinhaber beruhigen musste, geht es in Nazaré eher friedlich zu.
Der lange Strand reicht für alle
«Ich habe noch niemanden klagen hören. Viele Leute mieten die Badebuden nach wie vor, und die Konzessionsinhaber sind zufrieden. Bis jetzt gab es hier keinen Stress», sagt die Rettungsschwimmerin Samanta Cardoso.
Selbst in der öffentlichen Zone des Strandes, die jetzt zwischen den Badebuden und dem Meer liegt, gab es bislang keine Probleme. Filipa Texugo und ihr Mann haben gerade ein freies Fleckchen im bunten Sonnenschirmchaos gefunden und es sich bequem gemacht: «Der Strand ist für alle.»
Man müsse den eigenen Sonnenschirm ja nicht direkt vor den Badebuden aufstellen. «Aber hier stören wir niemanden. Meiner Meinung nach ist das alles viel Lärm um nichts», so Texugo. Sprichts und läuft die wenigen Schritte zum Meer hinunter.
Inzwischen hat sich auch Dona Regina in ihrer Badebude etwas weiter weg wieder abgeregt – und döst friedlich in der Sonne. Es sind ja schliesslich Ferien.