China wird vom Taifun «Bavi» heimgesucht. Es ist der bisher stärkste Taifun in diesem Jahr. SRF-Ostasienkorrespondent Samuel Emch über den Sturm und wie die chinesischen Behörden ihn für ihre Zwecke nutzen.
Wie stark treffen die momentanen Unwetter China?
Taifun «Bavi» hat bereits zu mehreren Überschwemmungen geführt. In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Videos von überfluteten Strassen, auf denen Autos von den Wasser- und Schlammmassen mitgerissen werden. Häufig sind auch entwurzelte Bäume und beschädigte Häuser zu sehen. Die Schäden sind erheblich, obwohl der Supertaifun inzwischen zu einem Tropensturm zurückgestuft wurde. Doch auch so bringt «Bavi» grosse Niederschlagsmengen mit sich. Derzeit zieht das Tiefdruckgebiet in Richtung Nordosten Chinas. Bereits in der vergangenen Woche wurde der Süden des Landes von einem Sturm getroffen. Auch dort kam es zu massiven Überschwemmungen und zu einem Dammbruch. In der Region Guangxi wurden 39 Todesopfer gezählt.
Wie wird in den chinesischen Medien über die Taifune berichtet?
Die Taifune sind derzeit sehr präsent in den Medien. Über «Bavi» wurde bereits seit Tagen informiert. Die Behörden hatten sich vorbereitet, vor allem nach den Ereignissen in Chinas Süden. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden vorsorglich evakuiert, Schulen und Parks geschlossen sowie Tausende Flüge gestrichen. Mit Sandsäcken wurden Schutzbarrieren errichtet. Nun berichten die staatlich kontrollierten Medien ausführlich über die Aufräumarbeiten. Gleichzeitig wird der Einsatz der Hilfskräfte auch für propagandistische Zwecke genutzt. In den Sozialen Medien werden nationalistische Videos verbreitet.
Welche Botschaft vermitteln die chinesischen Staatsmedien bei solchen Katastrophen?
Zu den Aufräumarbeiten in der Provinz Zhejiang, die von «Bavi» getroffen wurde, liest man etwa Sätze wie diesen: «In diesem grossen und beschwerlichen Kampf stürmten die Parteimitglieder und Kader Zhejiangs voran. Die leuchtend rote Fahne der Kommunistischen Partei wehte selbst in Sturm und Regen unerschütterlich weiter und bildete inmitten der tosenden Fluten eine feste Schutzmauer, um das Licht jedes Haushalts zu schützen.» Damit will die Kommunistische Partei zeigen, wie sie sich für die Bevölkerung einsetzt. Das Krisenmanagement wird so zu einem Instrument der Legitimation ihrer Herrschaft.
Wird die zunehmende Herausforderung durch den Klimawandel vom chinesischen Staat thematisiert?
Der Klimawandel spielt in den staatlichen Propagandamedien praktisch keine Rolle. Die Klimapolitik wird im Inland nur selten thematisiert, insbesondere nicht im Zusammenhang mit Extremwetterereignissen. Auch in den sozialen Medien finden sich nur wenige entsprechende Diskussionen. Ob dies auf Eingriffe der Zensurbehörden zurückzuführen ist oder ob in der chinesischen Bevölkerung tatsächlich nur wenig Interesse an einer solchen Debatte besteht, lässt sich nicht eindeutig sagen. Im aussenpolitischen Kontext setzt die chinesische Regierung aber durchaus auf die Klimapolitik. Dort dient sie häufig dazu, gemeinsame Ziele und verbindende Interessen hervorzuheben, etwa mit Europa.