- Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene Alexej Nawalny ist Analysen zufolge mit einem starken Nervengift getötet worden.
- Der deutsche Aussenminister Johann Wadephul und seine Kolleginnen und Kollegen aus Grossbritannien, Schweden und den Niederlanden beschuldigten Russland, den Kreml-Kritiker umgebracht zu haben.
Die anwesende Witwe Julia Nawalnaja sagte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei.
Nawalnaja hatte bei einem aufsehenerregenden Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor fast genau zwei Jahren angesichts der Berichte über den Tod ihres Mannes zum Kampf gegen den russischen Machtapparat von Putin aufgerufen.
Wadephul sagte nun, zwei Jahre später wisse man: «Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet.» Seine sterblichen Überreste hätten ein besonders starkes Nervengift, Epibaditin, enthalten.
Die Wirkung des im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200 Mal so stark wie Morphium. «Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll», sagte Wadephul. Zunächst blieb offen, wann, wo und wie konkret die Analysen durchgeführt worden waren.
«Niemand ausser Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist», sagte Wadephul. «Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.» Nawalny sei nicht nur das mutige Gesicht der russischen Opposition gewesen, sondern schon einmal das Opfer eines hinterhältigen Giftanschlags. Anschliessend wurde er in der Berliner Charité behandelt und kehrte trotz allem danach nach Russland zurück.
Nawalnys Tod, der sich an diesem Montag zum zweiten Mal jährt, bleibe ein herber Schlag für alle Menschen vor allem in Russland, die die Hoffnung auf ein freies Land nicht aufgegeben hätten, sagte Wadephul.
Nawalnaja: Hoffe, dass Putin irgendwann auf Anklagebank landet
Nawalnaja dankte den an den Analysen beteiligten Labors in Deutschland, Grossbritannien, Schweden und den Niederlanden. Es sei der schwerste Tag ihres Lebens gewesen, als sie vor zwei Jahren vom Tod ihres Mannes erfahren habe. Schon damals sei sie sich sicher gewesen, dass er ermordet wurde. «Was sonst hätte mit einem jungen, charismatischen Oppositionsführer in Putins Gefängnis passieren können?»
Es sei sicher keine Neuigkeit, dass der Kremlchef ein Mörder sei. «Aber jetzt haben wir noch einen direkten Beweis dafür. Und ich hoffe sehr, dass er irgendwann auf der Anklagebank landet und sich für alles, was er getan hat, verantworten muss.», sagte sie in einer teils auf russisch gehaltenen Rede.
Grossbritannien, Schweden und Niederlande an Analyse beteiligt
Die britische Aussenministerin Yvette Cooper sagte, man könne bestätigen, dass im Körper von Nawalny ein tödliches Gift gefunden worden sei, das in ecuadorianischen Pfeilgiftfröschen vorkomme. Die russische Regierung müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Die schwedische Aussenministerin Maria Stenergard sprach von einem Schritt von grösster Wichtigkeit, um Russland zur Rechenschaft zu ziehen und seine fortwährenden Lügen aufzudecken.
Der niederländische Aussenminister David van Weel sagte, die gute Nachricht sei, dass die Wahrheit immer ans Licht komme. Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlten zwar vielleicht langsam, aber entschlossen für Nawalny.