Die Trump-Familie profitiert offenbar von Regierungsgeschäften mit Kasachstan. Das zeigt eine Recherche der «New York Times». Die USA haben sich Zugang zu einem der grössten noch unerschlossenen Wolfram-Vorkommen der Welt gesichert. Wolfram ist ein strategisch wichtiges Metall, etwa für Rüstungsgüter oder Computerchips. Worum es Kasachstan dabei geht, ordnet Russland-Korrespondent Calum MacKenzie ein.
Wie wird der Deal in Kasachstan diskutiert?
Das Regime in Kasachstan kontrolliert die Politik und den grössten Teil der Medien. Deshalb dominiert das Narrativ der Behörden: Das Wolfram-Geschäft sei ein wichtiger Schritt für Wohlstand und Sicherheit. In der Bevölkerung ist man skeptischer. Viele wollen erst abwarten, ob tatsächlich Bergwerke entstehen. Der Verdacht, dass sich Trumps Familie bereichern könnte, gibt hingegen kaum zu reden. Die Menschen sind daran gewöhnt, dass Verwandte und Freunde wichtiger Staatsfunktionäre von staatlichen Geldflüssen profitieren.
Wer würde in Kasachstan davon profitieren?
Laut «New York Times» wären private Investoren aus den USA zu 70 Prozent am Abbau von Wolfram beteiligt und die staatliche kasachische Bergbaufirma zu 30 Prozent. Auf kasachischer Seite gibt es viele Gelegenheiten zur Selbstbereicherung. Deshalb ist die Bevölkerung skeptisch. Es gab mehrere staatliche oder halbstaatliche Projekte, die nicht realisiert wurden, weil das Geld verloren beziehungsweise von Beamten eingesackt wurde. Hier aber ist es im Interesse der kasachischen Elite, das Wolfram-Projekt zu realisieren, weil das langfristig noch mehr Geld generieren kann und weil es geopolitisch von Bedeutung ist.
Welche Rolle spielt Kasachstan auf dem globalen Wolfram-Markt?
Aktuell keine. Seit dem Ende der Sowjetzeit wird in Kasachstan kein Wolfram mehr gefördert. Das Potenzial ist aber gross. In der kasachischen Steppe – auf die der Fokus dieses amerikanischen Deals liegt – liegt das grösste einzelne Wolfram-Vorkommen weltweit. Wird es erschlossen, könnte Kasachstan zum zweitgrössten Wolfram-Produzenten der Welt werden, nach China. Das hätte auch geopolitische Folgen, weil China bisher das Monopol auf Wolfram hat.
Was sagt der Deal über Kasachstans Aussenpolitik aus?
Kasachstan hat lange Beziehungen zu Russland, sie waren besonders wirtschaftlich lange stark. Seit dem Angriff auf die Ukraine versucht das Land aber, seine Aussenpolitik zu diversifizieren. Russland hat sich als unberechenbarer Partner entpuppt. Wegen des Kriegs und der Sanktionen ist auch die wirtschaftliche Lage in Russland instabil. Kasachstan macht deshalb neue Geschäfte mit der EU, Iran, China, der Türkei und den USA. Es geht nicht per se um eine Abkehr von Russland, sondern um mehr Partner und Investoren.
Warum sind die USA unter Trump attraktiv für Kasachstan?
Frühere US-Regierungen haben Investitionen in autokratische Länder zumindest rhetorisch an Forderungen nach Menschenrechten und mehr Freiheiten geknüpft. Die Trump-Regierung interessiert sich dafür aber nicht und will nur über das Geschäft reden. Das gilt auch für die Machtelite in Kasachstan. Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat jüngst gesagt, Donald Trump sei «vom Himmel geschickt» worden. Die kasachische Regierung sieht Trumps zweite Amtszeit als historische Chance für neue Geldflüsse, neue internationale Beziehungen und eine neue geopolitische Rolle.