Die Kampfarena ist höher als das Weisse Haus. Eine riesige Bogenkonstruktion mit Tribünen, Scheinwerfern und Bildschirmen steht auf dem Rasen, wo sonst Staatsgäste empfangen werden. Der Kampfsportanlass steht für vieles, was Trump politisch ausmacht: Provokation, Aufmerksamkeit und Unterhaltung.
Die Kämpfe sind Teil der offiziellen «Mixed Martial Arts»-Meisterschaft UFC und gelten als besonders brutal. Tausende Fans sind begeistert davon, ihren Helden vor einer so geschichtsträchtigen Kulisse zujubeln zu können. Dieser Anlass sei unglaublich, cool und einmalig, so der Tenor. Das Publikum ist vielfältiger, als das Klischee der Kampfsportfans vermuten lässt. Familien und junge Paare sind ebenso hier wie harte Kerle mit Tätowierungen.
Trump wird gefeiert
US-Präsident Donald Trump geniesst grossen Zuspruch bei den UFC-Fans, auch weil er ein langjähriger Freund des UFC-Präsidenten Dana White ist.
Dustin ist aus dem Bundesstaat Indiana angereist. Er ist wegen der Kämpfe und wegen Trump hier. Zum Geburtstag wünscht er dem Präsidenten, dass er seinen Kurs fortsetze und sich von der Kritik nicht beirren lasse: «Trump macht Amerika wieder grossartig. Noch hat er seine Wahlversprechen zwar nicht ganz eingelöst. Doch ich habe Geduld und abgerechnet wird nach vier Jahren.»
Viele im Publikum tragen MAGA-Mützen, um ihre Treue zu Trump auszudrücken, auch Edward aus New Jersey. Er ist ausschliesslich wegen des Präsidenten hier, denn diese Kampfsportart kenne er nicht wirklich, sagt er, doch: «Schaut euch um, all diese Gleichgesinnten. Ich will mit patriotischen Amerikanerinnen und Amerikanern den Präsidenten und die USA feiern.»
Offiziell steht der Anlass im Zeichen des 250-Jahre-Jubiläums
Kritische Stimmen sind kaum zu hören. Es wäre jedoch falsch daraus zu schliessen, dass sämtliche Fans der Kampfsportart auch Trump-Anhängerinnen und -Anhänger sind.
Manche mögen einfach den Sport, so wie Laura aus der Region, die sich freut, die Kämpfe einmal aus nächster Nähe zu sehen. Oder Michael, der nach eigenen Worten kein grosser Trump-Anhänger ist. Die UFC-Stars hier live zu erleben, findet er trotzdem grossartig.
Die Kämpfer verkörpern für viele Stärke, Disziplin und Durchhaltewillen. Eigenschaften, die auch Donald Trump gerne für sich beansprucht.
Probleme löst das Kampfspektakel nicht
Doch die Stimmung vor dem Weissen Haus ist nicht repräsentativ für das ganze Land. Kritik gibt es nicht nur am Kampfsportanlass, sondern zunehmend auch an Trumps Politik. Viele Amerikanerinnen und Amerikaner sorgen sich um die Inflation und die Kaufkraft.
Hinzu kommen politische Konflikte in Washington: Immer wieder geht es um die Frage, wie weit die Befugnisse des Präsidenten reichen und wo Gerichte und Kongress Grenzen setzen. Aussenpolitisch bleibt der Iran-Krieg die grösste Herausforderung. Trump verspricht zwar regelmässig Fortschritte, doch eine nachhaltige Lösung ist nicht in Sicht.
Und solange die Unsicherheit anhält und die Energiepreise hoch bleiben, wächst auch der Unmut im Inland. Das Spektakel vor dem Weissen Haus mag für einen Abend von diesen Problemen ablenken, gelöst sind sie damit nicht.