«Das wird sicher keine Brieffreundschaft»

Hier erzählen Menschen, für die das vergangene Jahr besonders war. Ahnen Sie, um wen oder worum es geht?

Mehrere Fotos von Ereignissen des Jahres und ein Kopf im Profil. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Mein 2015»: Menschen erzählen von einschneidenden Erlebnissen in ihrem Jahr. SRF

«Mein 2015»: Wie es funktioniert

In der Serie «Mein 2015» erzählen Menschen von ihren Erlebnissen in diesem Jahr. Unsere Gesprächspartner waren bei den grossen Ereignissen dabei – manche waren sogar direkt daran beteiligt. Andere gerieten eher zufällig in die Fahrspur der Geschichte. Wer hier erzählt, verraten wir zunächst nicht. Erahnen Sie es? Den Link zur Auflösung finden Sie am Ende des Textes.

«Das Tragische an der ganzen Geschichte ist: Je länger sie dauerte, desto mehr zeigte sich, dass ich richtig lag. Ich hätte lieber Unrecht gehabt – dafür keine Probleme.

Wir sahen jeden Tag, was auf uns zukam. Es war eine grosse Herausforderung, genug Plätze zur Verfügung zu stellen – wir haben nur sehr wenige leerstehende Wohnungen. Auf der anderen Seite wurde uns auch bewusst: da kommen Menschen, auch viele kleine Kinder. Zu guter Letzt fehlten uns einfach die Mittel. Jeder Kanton hat ein Sparprogramm. Doch allen ist bewusst: Was wir jetzt nicht gut machen, holt uns irgendwann ein.

«  Die xenophobe Seite hat mir nicht gefallen. »

Vor diesem Hintergrund habe ich den Brief verfasst und abgeschickt. So wie ich das jetzt überblicke, wird daraus ganz sicher keine Brieffreundschaft. Mein Schreiben kam zu einem Zeitpunkt in Bern an, der wohl etwas komisch wirkte. Die Reaktionen waren überwältigend – nicht immer im guten Sinn.

Was ich sicher nicht gesucht habe: täglich 20 bis 30 Emails oder Briefe zu beantworten. Zwar waren die Zuschriften zumeist positiv. Allerdings gab es auch den einen oder anderen Fall, bei dem ich das Gefühl hatte, diese Menschen haben mich falsch verstanden. Denn: Mein Brief war kein Statement gegen Ausländer. Die xenophobe Seite hat mir nicht gefallen. Ich wurde von den Medien zum Teil in diese Ecke gedrängt. Das hat mich sehr beschäftigt.

«  Am Ende geht es nicht darum, wer gewonnen oder wer verloren hat. »

Würde ich das gleiche nochmals tun? Ja. Allerdings würde ich mir den Zeitpunkt meines Briefes genauer überlegen. Aber ich würde es sicher wieder tun. Denn wenn man ein Problem hat, muss man es benennen.

Zwar heisst es offiziell, nichts habe sich geändert. Die Anerkennungsquote ist aber seit dem Sommer deutlich tiefer. Am Ende geht es nicht darum, wer gewonnen oder wer verloren hat. Hauptsache, das Problem wird gelöst.

Meine Lehre aus der Geschichte: Man muss solche Schritte sehr bewusst unternehmen. Wenn wir das jede Woche machen würden, dann wäre das nicht glaubwürdig. Und man darf es nur tun, wenn es wirklich ein Problem gibt, bei dem man nicht mehr weiter kommt. Im September habe ich einen weiteren Brief geschrieben und bereits Antwort erhalten. Aber wie gesagt, es wird keine Brieffreundschaft daraus.

Wissen Sie, wer hier redet? Die Auflösung erfahren Sie hier.