«Zuerst verstand ich gar nicht, woher der viele Staub kommt»

Hier erzählen Menschen, für die das vergangene Jahr besonders war. Ahnen Sie, um wen oder worum es geht?

«Mein 2015»: Wie es funktioniert

In der Serie «Mein 2015» erzählen Menschen von ihren Erlebnissen in diesem Jahr. Unsere Gesprächspartner waren bei den grossen Ereignissen dabei – manche waren sogar direkt daran beteiligt. Andere gerieten eher zufällig in die Fahrspur der Geschichte. Wer hier erzählt, verraten wir zunächst nicht. Erahnen Sie es? Den Link zur Auflösung finden Sie am Ende des Textes.

«Ich war an diesem Samstag mit Freunden in einem Restaurant zum Mittagessen verabredet. Wir hatten gerade auf der Terrasse Platz genommen und kaum die ersten Worte miteinander gewechselt, da begann es zu vibrieren. Mir war sofort klar, was da passierte. Und ich hatte nur einen Gedanken im Kopf: Weg, nur weg! Oberhalb vom Restaurant gab es einen freistehenden Parkplatz, da wollte ich hin.

«  Ein mir fremder Mann legte seinen Arm um mich und sagte immer wieder: ‹Mach Dir keine Sorgen, mach Dir keine Sorgen.› »

Sehr weit kam ich nicht. Das Vibrieren ging rasch in ein Schütteln über, das so stark war, dass ich umfiel. Ich landete auf einer Treppe. Und ich weiss noch, dass an dieser Treppe eine Mauer stand – eine kleine, vielleicht einen Meter hoch. Ich erinnere mich noch, dass ich die ganze Zeit dachte: ‹Was, wenn die einstürzt? Die wird mich einfach begraben.›

Was wirklich rührend war: Neben mir auf der Treppe lag ein mir fremder Mann. Er legte seinen Arm um mich und sagte immer wieder: ‹Mach Dir keine Sorgen, mach Dir keine Sorgen.›

Hinterher hiess es, das Ganze habe 50 Sekunden gedauert. Mir kam es ewig vor. Zusammen mit meinen Freunden harrte ich die nächsten Stunden dann auf dem Parkplatz oberhalb vom Restaurant aus, auf den ich auch ursprünglich laufen wollte. Zum Glück konnte ich von dort noch kurz in die Schweiz telefonieren. Wenig später brach das Handynetz komplett zusammen. Zwei Tage lang ging eigentlich gar nichts, dann konnte man immerhin sporadisch telefonieren.

«  Für mich stand schnell fest: Ich will und kann jetzt nicht gehen. »

Schlimm war, dass wir über Stunden eigentlich gar nicht wirklich wussten, welches Ausmass das Ganze hatte. Der Parkplatz befand sich auf einer Anhöhe, von der aus wir auf die Stadt sehen konnten. Und ich habe wirklich erst gar nicht verstanden, woher diese grossen Staubwolken da unten kamen. Wir befanden uns in einem relativ wohlhabenden Quartier mit Betonhäusern. Dort war fast nichts eingestürzt.

Eigentlich hätte ich noch am selben Abend in die Ferien gehen sollen. Der Flug wurde dann aber ohnehin gestrichen und für mich stand schnell fest: Ich will und kann jetzt nicht gehen. Es hätte sich falsch angefühlt. Immerhin war ich ja gekommen, um zu helfen und das Leben der Menschen etwas besser zu machen. Da konnte ich doch in diesem Moment nicht gehen.»

Ahnen Sie, von welchem Ereignis hier die Rede ist? Hier erfahren Sie mehr.