Asien im Bann des Schafes

Das chinesische Neujahrsfest wird mit Pomp, Böllern und Lampions gefeiert. Zahlreiche Strassen und Plätze sind mit dem neuen Tiersymbol geschmückt: Schafe wohin man blickt.

Mit Feuerwerk, Drachen- und Löwentänzen begrüssen Chinesen in der ganzen Welt das neue Jahr. Für viele asiatische Länder ist dieser Anlass der wichtigste Feiertag des Jahres. Am letzten Tag des alten Jahres versammelt sich traditionell die ganze Familie zu einem gemeinsamen Essen. Am Abend werden alle Fenster und Türen geöffnet, um Glück ins Haus zu lassen.

Doch einigen scheint nicht zum Feiern zumute. Was steckt hinter einem der grössten Volksfeste der Welt? Hier das wichtigste zu dem Jahresumbruch:

  • Schaf, Ziege oder doch Gazelle

2015 ist das Jahr des «Yang» und dieses Schriftzeichen kann sowohl Schaf als auch Ziege bedeuten. Kommt zu «Yang» das Zeichen für «Berg» hinzu, handelt es sich um eine Ziege, zusammen mit dem Zeichen für «weich» ist ein Schaf gemeint. Steht «gelb» dabei, kommt noch ein drittes Tier ins Spiel: die mongolische Gazelle. Volkskundlern zufolge ist es völlig egal, ob nun wollige Schäfchen oder drahtige Ziegen das neue Jahr symbolisieren.

«  Schaf, Ziege, Mongolische Gazelle – das ist alles in Ordnung. »

Zhao Shu
Forscher an der Uni Peking

«Dieses Yang bezieht sich nicht auf eine bestimmte Tierart», sagt der Wissenschaftler Zhao Shu vom Pekinger Forschungsinstitut für Kultur und Geschichte. Forscher Zhao will die Interpretation lieber jedem selbst überlassen: Schaf, Ziege, Mongolische Gazelle – das sei alles in Ordnung. «Das ist doch gerade das Tolle an den chinesischen Schriftzeichen.»

  • Wahrsager nähren den Aberglauben

Chinas Wahrsager erwarten eine schwierige Zeit. In den vergangenen beiden Schafsjahren 1991 und 2003 hatten zuerst in Kuwait und später im Irak Kriege im Nahen Osten angefangen. Ähnlich konfliktgeladen sieht auch der Feng-Shui-Meister Lawrence Chan das Jahr des Schafes. «In diesem Jahr gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein massives Aufbegehren gegen Regierungen, wie grossflächige Streiks und Unruhen», schreibt der Wahrsager. In Westeuropa befürchtet Chan Naturkatastrophen wie Hochwasser und Erdbeben. Für Südostasien sieht er Gefahren durch den Ausbruch neuer Seuchen.

  • Ein Babyboom vor dem Stichtag

Chinesische Eltern wollen auf keinen Fall Kinder zur Welt bringen. Dabei sprechen Forscher von reinem Aberglauben. Das Schaf hat ein Imageproblem in China. Nach den traditionellen Tierkreiszeichen sind Schafe zwar zahm und zutraulich, aber unkreativ und antriebslos. «Mein Kind darf auf keinen Fall ein Schaf werden», sagt eine junge Angestellte in Peking. Sie und ihr Mann nähmen es mit der Verhütung besonders genau, damit ihr Nachwuchs auf keinen Fall im Jahr des Schafes zur Welt komme.

«  Neun von zehn Schafen werden ein unglückliches Leben führen. »

Redensart in China

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Nach dem Mondkalender

Das neue Jahr wird durch den Mondkalender bestimmt und fällt jedes Jahr auf ein anderes Datum nach unserem Kalender – in diesem Jahr ist es der 19. Februar.

Kurz vor dem Beginn des Schafsjahres und dem Ende des Jahres des Pferdes meldeten Spitäler überall im Land, dass angehende Eltern Ärzte zum Einleiten der Geburt drängten und im äussersten Fall einen Kaiserschnitt forderten. In Hongkong und im stark von Chinesen geprägten Singapur kam es zu einem «Baby-Boom», wie die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» berichtete. In einigen Praxen würden bis zu vier Eingriffe am Tag durchgeführt, obwohl es normalerweise nur zwei Kaiserschnitte in der Woche gebe. Eine in China weit verbreitete Redensart besagt: «Neun von zehn Schafen werden ein unglückliches Leben führen.»

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Raketen und Böller zum chinesischen Neujahr

0:34 min, vom 19.2.2015

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Neujahrsfeier in China

    Aus Tagesschau vom 19.2.2015

    «Frohes Neues Jahr» heisst es ab jetzt auch in China. Nach dem Chinesischen Kalender hat das Jahr 2015 erst vor wenigen Stunden begonnen. Das Neujahrsfest ist der wichtigste Feiertag der Chinesen und wird in der Hauptstadt Peking ausgiebig zelebriert.