Aus der Traum vom Wandeln auf dem Wasser

Über eine Million Menschen haben die «Floating Piers» des Künstlers Christo in Italien besucht. Das sind fast doppelt so viele, wie erwartet. Auch am letzten Wochenende wollten nochmals tausende «übers Wasser gehen».

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«Floating Piers» schliessen (Tagesschau, 2.7.2016, 23.45h)

1:17 min, vom 3.7.2016

Mit rund 750'000 Besuchern hatte man gerechnet. Über 1,2 Millionen sind es bis jetzt gewesen, welche die «Floating Piers» in Norditalien besucht haben. Die Installation wird am Sonntagabend geschlossen. Doch auch für den letzten Tag werden die Menschen wohl wieder zu Tausenden an den Iseo-See pilgern, um ein Mal – wie von Christo ausgeschmückt – «übers Wasser zu gehen».

Wetter bereitet Sorgen

Bereits am Donnerstag seien etwa 107'000 Menschen vor Ort gewesen, hiess es von dem zuständigen Koordinierungsbüro. Der Behördenchef zeigte sich angesichts des Ansturms mehr als zufrieden: «Die Bilanz fällt sehr, sehr positiv aus. Das ist ein aussergewöhnlicher Erfolg. Niemand hätte sich eine solche Menge an Besuchern vorgestellt», fügte er hinzu. Bis zum Abschluss des Projekts dürften es 1,5 Millionen Besucher werden, schätzt der Präfekt.

Allerdings dürfte das Wetter am Sonntag regnerisch sein, was zur vorübergehenden Schliessung der Installation führen könnte. Darauf machten die Projekt-Verantwortlichen vor Ort bereits aufmerksam.

Kilometerlang übers Wasser spazieren

Christo. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die schwimmenden Stege in Norditalien waren das Projekt des 81 Jahre alten Verhüllungskünstlers Christo. Keystone

Christo (81) und sein Team haben drei Kilometer lange Stege vom Ort Sulzano auf die vorgelagerte Insel Monte Isola und von dort zu dem kleineren Eiland San Paolo verlegt. Sie sind aus 220'000 Schwimmwürfeln zusammengesetzt und mit einem leuchtend gelben Stoff bezogen – und sollen das Gefühl geben, über Wasser zu wandeln. Das Werk war zwei Wochen, am 16. Juni, eröffnet worden und erlebt seitdem einen Ansturm.

Christo, der die meiste Zeit seines Lebens mit seiner 2009 gestorbenen Frau Jeanne-Claude zusammengearbeitet hat, hat auch die 15 Millionen Euro Kosten für die schwimmenden Stege wieder selbst aufgebracht – wie bereits bei seinen anderen unvergesslichen Werken, dem verhüllten Reichstag in Berlin 1995 etwa oder der verhüllten Pont Neuf in Paris 1985.