Zum Inhalt springen

Panorama Besser informiert dank Satire

Satireprogramme am Fernsehen sind lustiger als Nachrichtensendungen – logisch. Doch nun hat die Wissenschaft herausgefunden, dass Satiresendungen auch besser und nachhaltiger informieren als klassische Nachrichten- und Hintergrundsendungen.

Obama und Gastgeber Colbert sitzen sich vis-à-vis und blicken ins (unsichtbare) Publikum, im Hintergrund das violett-blaue Signet der Sendung.
Legende: Auch US-Präsident Obama war schon Gast bei der Satiresendung «Colbert Report». Reuters

Wer am TV Satiresendungen schaut, weiss einiges über das politische Geschehen. Diese Vermutung liegt nahe. Doch der Wissenschaftler Bruce Hardy von der University of Pennsylvania wollte es genau wissen und untersuchte die Wirkung von Satiresendungen auf die Zuschauer.

Komplexe Themen besser verstehen

Der doch etwas erstaunliche Befund seiner Studie: «Geht es zum Beispiel um die Finanzierung politischer Kampagnen oder um die Rolle des Geldes in der Politik, schneidet das Publikum der US-Satiresendung ‹The Colbert Report› klar besser ab», sagt Hardy. Der Zuschauer der Satiresendung wisse besser Bescheid und könne anspruchsvolle Fragen präziser beantworten als Leute, die bloss klassische Nachrichtenprogramme konsumierten.

Zum selben Ergebnis kommt eine weitere amerikanische Untersuchung, durchgeführt an der University of Delaware. Hier schnitten jene, welche die «John Oliver Show» zum komplexen Thema Netzneutralität sahen, klar besser ab als jene, die sich in einer traditionellen Politiksendung darüber informieren liessen.

Unterhaltungseffekt sorgt für Aufmerksamkeit

Wissenschaftler Hardy sieht mehrere Gründe für den Befund: «Satiresendungen sind unterhaltender als Nachrichtenformate und der Unterhaltungs- und Spasseffekt sorgt für Aufmerksamkeit.» Es ist genau diese erhöhte Aufmerksamkeit, die das Behalten der vermittelten Information im Gedächtnis begünstigt. Hinzu kommt: Satirische Texte sind spitzer formuliert, man bemüht sich stärker, die Knackpunkte eines Ereignisses herauszuarbeiten.

Mehr Sorgfalt, bitte!

Hardy folgert daraus nicht, dass alle Nachrichtensendungen durch Satireprogramme zu ersetzen seien. Trotzdem lassen sich Lehren aus den Forschungsergebnissen ziehen. So sollten sich die Nachrichten-Vermittler schlicht mehr Mühe geben bei der Aufbereitung ihrer Inhalte. Vieles käme zu dröge, zu lieblos formuliert daher, sagt der Wissenschaftler.

In vielen Newssendungen werde bloss Faktum an Faktum aneinandergereiht, «anstatt den Zuschauern eine Geschichte zu erzählen», so Hardy. Denn Menschen liebten Geschichten. Auch Informationssendungen müssten deshalb Geschichten erzählen. Denn es sei die Art und Weise, wie ein Stoff vermittelt werde, die darüber entscheide, was haften bleibe und was bloss vorbeirausche.

5 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rita Meier, Luzern
    Eine komische Bemerkung. Ohne eine Ahnung von Politik zu haben, kann man auch Giaccobo & Müller nicht verstehen und geniessen. Wundert mich dann auch nicht, wenn die Zuschauer an Stellen lachen wo es weniger brisant ist und dort schweigen wo die beiden Komiker die Achilles Ferse getroffen haben und es total was zum Ablachen gibt- Meines Erachtens die BESTE SENDUNG die das SRF zu bieten hat. wenn man berücksichtigt, dass den Schweizern Humor nicht in die Wiege gelegt wurde.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von m.mitulla, wil
    ...und genau aus den geschilderten Gründen darf es für die Satire, wie beispielsweise Charlie Hebdo, keinen Maulkorb geben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Es geht ja nicht nur darum, dass man Satire aufmerksamer wahrnimmt: Meine deutschen Freunde informieren sich über das Geschehen dort vorrangig durch Satire-Sendungen. Für die Ossis ist es ein "deja-vu" zu den Zeiten der "Aktuellen Kamera": In den offiziellen Nachrichtensendungen bekommt man die regierungsoffizielle Sicht der Dinge (+ Wetter) – in den Satiresendungen dann die Korrektur "wie es wirklich ist/war". Bei der offenen, unverschämten Propaganda dort ist es anders auch nicht erträglich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen