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Legende: Audio Was steckt hinter diesen Captchas? abspielen. Laufzeit 04:26 Minuten.
Aus Espresso vom 10.07.2019.
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Bilderrätsel im Netz Ich bin kein Roboter! Oder doch?

Dank Bilderrätseln erkennen Webseiten, ob ein Mensch am Computer sitzt. Diese sollen nun verschwinden.

Eigentlich wissen wir ja von uns, dass wir Menschen und keine Roboter sind. Trotzdem müssen wir das auf gefühlt jeder zweiten Webseite bestätigen: «Ich bin kein Roboter». Bei «Ja» ein Häkchen setzen und häufig dann ewig Bilder von Läden, Autos, Ampeln oder Strassenschildern anklicken. Erst dann können wir uns anmelden, die Dienste der Webseite nutzen. Was geschieht da?

Das Problem: Computer versus Mensch

Während wir das Häkchen setzen und uns über die Bilder nerven, machen wir einen berühmten Test, den Turing-Test, Link öffnet in einem neuen Fenster. In einer leicht abgewandelten Form muss die Webseite erkennen können, ob gerade ein Programm – ein Software-Roboter – oder ein Mensch versucht, die Dienste der Webseite zu nutzen.

Die Technologie dahinter ist als «Captcha» bekannt, eine Abkürzung für «komplett automatisierter, öffentlicher Turing-Test, um Computer und Menschen zu unterscheiden». Die Webseite analysiert, wie wir das Häkchen setzen, bevor wir entweder direkt weitergeleitet, oder zuerst Bilder anklicken müssen. Den Anfang nahm das Verfahren mit einem Problem: Missbrauch von Internetdiensten.

Der Ursprung: Missbrauch bekämpfen

Ein Beispiel: In den frühen Nullerjahren war es sehr einfach, beim Internetdienst Yahoo eine Gratis-E-Mail zu erstellen. Cyberkriminelle nutzten das aus und schrieben Programme, die automatisch hunderttausende E-Mail-Konten erstellten und darüber Spam-Mails verschickten. Eine Barriere musste her, um diese Programme zu stoppen.

Verschiedene Forscher entwickelten damals ähnliche Methoden für eine solche Barriere. In Folge mussten Yahoo-Nutzerinnen verzerrte Textschnipsel abtippen, um ihre E-Mail abrufen zu können. Das Verfahren fand im Internet grosse Verbreitung und hatte gleichzeitig einen interessanten Nebeneffekt.

Die Unterstützung: Bücher digitalisieren

In den Nullerjahren wurden grosse Textbestände digitalisiert. Doch immer wieder gab es Textstellen, die Computer nicht erkennen konnten. Daraus entstanden Captchas, die Nutzer hingegen entzifferten und korrekt abtippten. So wurde beispielsweise das komplette Zeitungsarchiv der «New York Times» digitalisiert.

Doch automatische Texterkennung verbesserte sich mit der Zeit, die Textschnipsel stellen keine Barriere mehr für die Programme dar. Seit ein paar Jahren müssen wir nun stattdessen diese Bilderrätsel lösen. Selbst das ist schon überholt: Dank grosser Fortschritte in der automatischen Bildanalyse und Objekterkennung sind auch Bilderrätsel kein Hindernis, Link öffnet in einem neuen Fenster mehr.

Die Zukunft: Keine Bilder mehr klicken

Google besitzt seit 2009 die Captcha-Technolgie, die am weitesten verbreitet ist. Die nächste Version stellte Google Ende 2018 vor und soll uns davon befreien, Ampeln, Autos und Geschäfte anzuklicken. Stattdessen wird unser komplettes Verhalten auf einer Webseite analysiert und an Google geschickt, was wir wo besuchen und anklicken.

Die genauen Kriterien der Analyse verrät Google jedoch nicht, ermittelt aber daraus einen Risikowert zwischen Null (Roboter) und Eins (Mensch). Anhand dessen können Webseitenbetreiber entscheiden, wie sie mit welchem Wert verfahren wollen.

Noch ist die neue Version nicht weit verbreitet, dürfte aber in Bezug auf den Datenschutz noch zu reden geben. Es ist anzunehmen, dass sie insbesondere der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) , Link öffnet in einem neuen Fensterzuwiderläuft, da sie streng regelt, inwiefern personenbezogene Daten erhoben werden dürfen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Dieser Artikel ist so naiv wie irreführend.
    Der EINZIGE wirtschaftliche Grund für Captchas ist für Google und Co. der, dass wir diesen Firmen damit helfen, ihre AI Projekte mit genügend Referenz- und Kontrolldaten zu versorgen.
    Warum wohl müssen wir Bilder aus dem Strassenverkehr erkennen? Weil Automatisiertes Fahren DAS Anwedungsgebiet der Stunde ist!
    Irgendwann werden wir Bilder aus dem Supermarkt erkennen müssen, um AutoShopping zu ermöglichen, oder AutoLandeplatzing für Drohnen...
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  • Kommentar von frank müller  (frankysrf)
    "Die genauen Kriterien der Analyse verrät Google jedoch nicht, ermittelt aber daraus einen Risikowert zwischen Null (Roboter) und Eins (Mensch)": bei robotern ist das risiko gleich null, dass er oder weil er ein roboter ist ? und beim menschen ist das risiko gleich 100%, dass er oder weil er ein mensch ist ??
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  • Kommentar von Hansruedi Elsener  (Haru)
    Google findet immer neue Methoden um uns auszuspionieren. Ich frage mich wo der Datenschutz noch enden wird?
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    1. Antwort von Arthur Häberli  (Arthur Häberli)
      die Benutzung von Google (-diensten und und Plattformen) ist freiwilllig. Cumulus- und Globus- und Coop, etc. Karten auch . Man kann mit Bargeld bezahlen etc.. Wem die allgegenwärtige 'Beobachtung' nicht geheuer oder genehm ist, kann das bis zu einem gewissen Grad umschiffen.
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    2. Antwort von Reto Meier  (auchwassagen)
      Dem ist eben nicht wirklich so, Herr Häberli. Wer von Google ungesehen bleiben will, muss sich gut belesen, enormen Aufwand betreiben und als outsider leben können. Wir werden an unseren Grundbedürfnissen (Information, Kommunikation) abgeholt und aufs gröbste bevormundet. Ich frage mich ob die neue Generation das überhaupt noch erkennt, denn mit was man aufwächst ist ja "normal". Matrix ist nicht mehr weit entfernt, und weitergehts.
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    3. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Also wenn Google herausfindet, was fuer Toilettenpapier bei mir als das Beste angesehen wird und dann in den Regalen nur noch solche Papier erhaeltlich ist. wohlan.. hilft mir.. Marktforschung wird doch ueber alles und ueber Jeden betrieben.. seit Jahrzehnten.. und oh Wunder... ich lebe..noch!
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    4. Antwort von Alfons Bauer  (frustriert)
      Häberli: Fast jede Webseite heutzutage nutzt Google Analytics. Man muss nicht bei Google angemeldet sein, um sein Verhalten an dieses Unternehmen zu senden. Mit Werbe- und Skriptblockern kann man etwas dagegensteuern, aber auch nicht 100%.
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