Zum Inhalt springen

Überlastete Pfarrer Burnout macht keinen Halt vor der Kirche

Taufen, trauen, Trost spenden. Viele Pfarrer sind überlastet und kämpfen mit Burnout-Symptomen. Die Kirchen sind gewarnt und ergreifen Massnahmen.

Legende: Video Pfarrer unter Druck abspielen. Laufzeit 2:01 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.01.2017.

Seit 20 Jahren ist der Ostschweizer R. S. reformierter Pfarrer. Dann musste er sich wegen eines Burnouts krankschreiben lassen. Um weiter Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, will er lieber anonym bleiben. Er habe gemerkt, dass er keine Energie mehr habe und seinen Hausarzt konsultiert. «Ich dachte, ich brauche ein bis zwei Wochen Ferien. Daraus wurden dann mehrere Monate», erklärt er.

Trauungen im Heissluftballon

R.S ist kein Einzelfall. Laut Studien ist jeder vierte Pfarrer Burnout gefährdet, fast jeder Zehnte hat Symptome. Auch im Kanton St. Gallen. Laut dem dortigen Kirchenratspräsidenten Martin Schmidt ist die Tendenz steigend. Die Gründe: Die Akzeptanz der Kirche schwindet, es gibt immer mehr administrative Arbeiten. Dazu kommen immer speziellere Wünsche von Kirchenmitgliedern.

«Heute werden Trauungen in Heissluftballons oder auf einem Bodensee-Schiff verlangt», so Schmidt. Viele Pfarrer gerieten so in ein Dilemma. Und die möglichen Konsequenzen einer Absage machten es für die Geistlichen nicht einfacher: «Oft hat man den Eindruck, wenn man Nein sagt, dann treten wieder ein paar Leute aus der Kirche aus», erklärt Schmidt. In St. Gallen wurde nun eine Präventionsstelle mit einem Burnoutkonzept eingerichtet.

«Keine Super-Pfarrer»

Auch in der Ausbildung von Pfarrern wird hier angesetzt. «Wir arbeiten mit einem Kompetenz-Strukturmodell, das den zukünftigen Pfarrerinnen und Pfarrern zeigt, dass sie nicht in allen Bereichen Super-Pfarrer sein müssen», sagt Thomas Schaufelberger, selber zehn Jahre als Pfarrer tätig ist heute für die Aus- und Weiterbildung von Pfarrern in 19 Kantonen zuständig.

Die angehenden Geistlichen könnten individuell nach persönlichen Begabungen und Talenten Schwerpunkte setzten. «Das wirkt sehr entlastend für viele», so Schaufelberger.

Pfarrer R. S kommt zum Schluss, er kümmere sich gern um die Menschen. Aber ab und zu müsse er auch auf seine Gesundheit achten.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Macht die Kirche wieder attraktiv, dann kann man bei Sonderwuenschen auch mal NEIN sagen ohne Verluste von Mitgliedern zu befuerchten. War Letztens in einer "schwarzen" Kirche.. Beim Eintreffen alles voll im Gang.. Gospelsinger in Aktion weil die Kirchgaenger eintrudelten.. und alle TANZTEN zu den Rhytmen. Und das gieng weiter obwohl die Kirche fast aus den Naehten platzte. Zwischen den Songs Gebete, kurze Predigt, wieder tanzen und wiegen.. echt laessig.. da waeren auch Europas Kirchen voll!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich hoffe, dass das nicht der Einstieg für geldbietende fremde Prediger in unserer Kirche bedeutet. Es ist aber klar, dass auch hier immer mehr Druck auf unsere Pfarrer ausgeübt wird. +wieder ist der Grund das Geld. Da muss unsere Kirche endlich anfangen für sich zu schauen + die Pfarrer unterstützen. Das Geld welches in jedem Gottesdienst und an jeder separaten Feier eingenommen wird, soll für die Kirche sein und darf nicht mehr für fremde Zwecke verwendet werden. Fürsorge verteilt der Staat!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Olivier Wyss (owy)
    Das dies erst jetzt thematisiert wird wundert schon ein wenig. Das Problem ist schon 20-30 Jahre bekannt, zumindest in kirchlichen/christlichen Kreisen. Hat oft auch noch mit einem völlig verzerrten, (über-)leistungsfordernden, unbarmherzigen und strafenden Gottesbild zu tun. Wer Jesus und seine befreiende und entlastende Botschaft kennt weiss, es ist ganz anders.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen