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Panorama Das Ozonloch wird endlich kleiner

Das Ozonloch über dem Südpol schliesst sich langsam, wie eine neue Studie von britschen und amerikanischen Forschern zeigt. Eine letztes Jahr gemessene Ausdehnung ist demnach auf einen Vulkanausbruch zurückzuführen. Trotzdem: Bis das Ozonloch ganz verschwunden ist, wird es noch lange dauern.

Legende: Video Ozonloch: FCKW-Verbot zeigt Wirkung abspielen. Laufzeit 2:48 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.09.2014.

Das Ozonloch über der Antarktis scheint sich langsam zu schliessen. Fast drei Jahrzehnte nach dem Verbot der ozonzerstörenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW gebe es Hinweise darauf, dass ein Regenerationsprozess eingesetzt hat und sich die Ozonschicht stabilisiert, berichten Forscher aus Grossbritannien und den USA im Fachblatt «Science».

Sie konnten zudem nachweisen, dass die Abnahme des Ozonlochs zu mehr als 50 Prozent auf den Rückgang der verursachenden Chemikalien in der Ozonschicht zurückzuführen ist. Bis sich das Loch vollständig geschlossen hat, dürfte es allerdings noch Jahrzehnte dauern, wie ETH-Professor Thomas Peter im Interview ausführt.

SRF News: Die Ozonschicht scheint sich zu regenerieren. Kommt die positive Nachricht für Sie überraschend?

Thomas Peter: Nein. Ich fühle mich vielmehr bestätigt. Es ist eine Genugtuung – einerseits, weil wir offensichtlich die wissenschaftliche Seite eines komplexen Teils unserer natürlichen Umwelt gut verstehen, und andererseits über die erfolgreiche umweltpolitische Seite.

Noch vor einem Jahr tönte es anders: Experten waren überrascht, dass das Ozonloch immer noch so gross war. Jetzt aber heisst es, das Loch schliesse sich. Was ist passiert?

Letztes Jahr hatten wir am Südpol mit dem Ausbruch des südchilenischen Vulkans Calbuco eine aussergewöhnliche Situation. Er brachte kleine, aerosole Partikel in die hohen Schichten der Atmosphäre. Auf den Teilchen fand dann ein Abbau von Ozon statt. Doch diese Störung ist nun abgeklungen. Die Autoren der neuen Studie haben jetzt die frühe Phase der Ozonloch-Bildung im September angeschaut – bislang war das Ozonloch jeweils im Oktober untersucht worden, wenn es die grösste Ausdehnung hat. Im September aber ist der antarktische Wirbel noch ungestört, man kann dann die chemischen Prozesse besonders gut beobachten.

Nach unseren Berechnungen sollte sich das Ozonloch 2060 oder 2070 wieder geschlossen haben.

Waren die bisherigen Studien zum Ozonloch demnach zu pessimistisch?

Wir hoffen natürlich, dass die Massnahmen – das Verbot des Treibhausgases FCKW 1989 – tatsächlich schon seit längerem wirken. Allerdings ist dies schwierig nachzuweisen. Es gibt natürliche Schwankungen in der Atmosphäre, das ist wie beim Wetter hier bei uns unten: Um beispielsweise einen Effekt des Klimawandels nachweisen zu können, muss man das Wetter über einen sehr langen Zeitraum beobachten. Ähnlich ist das beim Ozonloch. Man muss den langsamen, schleichenden Rückgang der FCKWs aus den schwankenden Wetterverhältnissen herausfiltern. Der Rückgang geschieht nur sehr langsam, weil die Fluorchlorkohlenwasserstoffe in der Atmosphäre eine sehr lange chemische Lebensdauer von 50 oder 100 Jahren haben. Geholfen hat nun die neue Messmethode, die bereits im September ansetzt: Dann beginnt sich das Ozonloch zu bilden, die Wetterschwankungen spielen eine kleinere Rolle.

Heisst das, dass das FCKW-Verbot vor bald 30 Jahren erst jetzt eine nachweisliche Wirkung hat?

Tatsächlich ist erst jetzt nachweisbar, dass das FCKW-Verbot greift. Wir sind sehr froh darüber, dass wir das nun deutlich sehen.

Das Ozonloch ist ja auch deshalb gefährlich, weil dort mehr UV-Strahlung bis zum Erdboden dringt. Dies erhöht das Risiko von Hautkrebs. Kann man sich künftig also wieder sorgloser dem Sonnenbad hingeben?

Da wäre ich vorsichtig. Die FCKW in den oberen Atmosphärenschichten bleiben uns noch während Jahrzehnten erhalten, es wird schon noch 50 Jahre dauern, bis das Ozonloch vollständig verschwunden ist. Mit dem Sonnenbaden muss man also noch lange vorsichtig sein und vor allem schützende Massnahmen wie Sonnencrème anwenden.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.

Thomas Peter

Thomas Peter

Thomas Peter ist seit 1999 Professor für atmosphärische Chemie am Institut für Atmosphären- und Klimaforschung der ETH. Sein Team arbeitet u.a. an der Ozonmessstation in Arosa mit.

Ozonloch

Das Ozonloch öffnet sich jedes Jahr im Frühling auf der Südhalbkugel (September). Dann sorgt die nach dem langen Polarwinter einsetzende Sonneneinstrahlung dafür, dass die ozonschädigenden Stoffe, die sich im Winter angereichert haben, ihre Wirkung entfalten können.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Nach unseren Berechnungen..?!.... aber dass das Ozonloch so einer Art langsamer Oscilation unterliegt weis man nicht.. und ausserdem.. wenn die Welt soo weitermacht wird es wohl 2060 unerheblich sein ob da ein Ozonloch ist oder nicht!!!
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  • Kommentar von Christoph Speiser (Risor)
    Es kann sein, dass das FCKW für das Ozonloch verantwortlich war. Bloss, wissen tut das niemand, auch ein Herr Peter nicht. Die Möglichkeit der Ozondichte zu messen existiert noch nicht solange, systematische Messungen hat man erst im letzten Jahrhundert ausgeführt. Ob die paar Jahrzehnte Erfahrung ausreichen um generelle Aussagen zu machen und Phänomene in dieser Grössenordnung zu verstehen das wage ich zu bezweifeln.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    An all die Leugner der menschenverursachten Umweltschäden wie Ozonloch, Klimaerwärmung und ihre Folgen oder solche die finden, es sei schon immer so gewesen: Angenommen, alle denken, die Warnrufe 1000er Forscher seien Mumpitz, und wir tun nichts dagegen, wird es eines Tages zu spät sein, irgendwelche Massnahmen zu ergreifen, sollte sich herausstellen, dass wir alle doch auf dem Holzweg waren. Es ist doch ganz einfach, strengen wir uns an, Umweltschäden zu vermeiden,haben wir keine Zeit verloren.
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