Daten – das neue Erdöl Datenkrake Google – Unsere Daten sind ihr Kapital

Google ist 20 Jahre nach seiner Gründung unbestritten der mächtigste Online-Konzern der Welt. Sein Treibstoff sind unsere Daten.

Video «FOKUS: Wie Google zur Übermacht wurde» abspielen

FOKUS: Wie Google zur Übermacht wurde

4:26 min, aus 10vor10 vom 14.9.2017

Schon beim morgendlichen Kaffee planen viele Leute ihren Tag. Stets zu Diensten sind dabei die Produkte von Google. «Über die Suchfunktion weiss Google, was mich beschäftigt, was mich interessiert. Über Google Maps, wo ich wann hinwill und über Gmail weiss Google, mit wem ich in Beziehung stehe», erklärt Sven Ruoss, Studiengangleiter Social Media an der Hochschule für Wirtschaft Zürich in der Sendung «10vor10». Es ist die Summe dieser Daten, die für Google interessant ist.

In der Kombination dieser Daten kann der Konzern ein Persönlichkeitsprofil des Nutzers erstellen und so seine Werbung gezielt auf ihn ausrichten. Mit dieser personalisierten Werbung macht Google den grössten Teil seines Umsatzes – offenbar nicht immer mit lauteren Mitteln. Erst kürzlich verhängte die EU eine Busse über 2,4 Milliarden Euro gegen den Online-Giganten. Das Urteil: Missbrauch der eigenen Marktmacht. Google soll eigene Angebote prominenter präsentiert haben als andere. Ein Vorwurf, den Google zurückweist.

Google-Werbeanzeige mit den Silhouetten vieler Betrachter davor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Wilden Westen des Datenhandels reitet der Internetkonzern ganz vorne mit. Reuters

Der Teufel liegt im Kleingedruckten

Der Datenberg von Google wird immer grösser. Bereits zwei Milliarden Nutzer zählt der Konzern. Und jeder dieser Nutzer gibt sein Einverständnis zur Verwendung seiner Daten. «Google arbeitet natürlich mit Einwilligungserklärungen der einzelnen Nutzer, mit allgemeinen Geschäftsbedingungen», sagt Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich. Wenn man diese genauer anschaue, werde jedoch nicht klar, was mit den Daten passiere: «Damit gibt man Google eine Generaleinwilligung, mit diesen Daten irgendetwas machen zu können.»

Dies berge Risiken für den Nutzer. So könne Google beispielsweise aus den Suchanfragen feststellen, ob jemand an bestimmten Krankheiten leide. «Diese Information gibt Google an einen Versicherer weiter, der dann gleichzeitig während ich surfe, ein Inserat aufschaltet», erklärt Baeriswyl. «Wenn ich mich dafür interessiere, bekommt der Versicherer nicht nur meinen Namen und meine Adresse, sondern auch die Information, dass ich an dieser Krankheit leide. Als Lebensversicherer wird er mich dann nicht versichern.»

Google wehrt sich

Der Online-Gigant, der immer wieder seine Transparenz bekräftigt, wehrt sich schriftlich gegen die Anschuldigungen, Daten zu missbrauchen und weiterzugeben: «Die Sicherheit der Kunden ist unsere Priorität,» nimmt der Konzern gegenüber «10vor10» Stellung. «Deshalb schützen wir Google-Dienste mit einer Sicherheitsinfrastruktur, die zu den fortschrittlichsten der Welt zählt.» Google verkaufe keine persönlichen Daten und halte sich an die Gesetze in den jeweiligen Ländern, so der Konzern weiter.

Es ist die Konzentration vieler Daten bei einem Konzern, die Social Media Experte Sven Ruoss Sorgen macht: «Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Es ist eigentlich immer sehr gefährlich, wenn nur wenige Unternehmen unglaublich viele Daten über uns haben und die Daten nicht bei verschiedensten Unternehmen verteilt sind.»

Doch dies wird sich wohl so schnell nicht ändern. So lange Google weiterhin Produkte auf den Markt bringt, die für den Nutzer aus dem Alltag kaum wegzudenken sind, dürfte das Imperium weiter Daten sammeln und damit immer mächtiger werden.

Bericht: Stefanie Pauli