Seilbahnland Schweiz Dem Gipfel entgegen seit 1866

Pioniergeist prägt die Geschichte der Schweizer Seilbahnen. Seit Skifahren in den 1930er-Jahren zum Massensport wurde, ist der Boom unaufhaltsam. Eine Chronologie der wichtigsten Seilbahnprojekte in Bild und Ton.

Die Schweiz, eine Seilbahn-Nation – 2450 Seilbahn- und Skiliftanlagen sind aktuell in Betrieb. Ein Grossteil davon sind Schlepplifte oder Förderbänder. Doch auch der Personentransport ist nicht unbedeutend.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinien kam Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend der Wunsch auf, Berge nicht mehr nur mit Maultieren und Sänften zu überwinden. Pioniergeist war gefragt. Und den gibt es in der Schweiz bis heute reichlich. So erfanden die Schweizer die erste Seilschwebebahn in Europa, nennen die steilste Standseilbahn überhaupt ihr Eigen und eröffneten die weltweit erste Seilbahn mit offenem Oberdeck.

1866, Neuhausen am Rheinfall: Erste Personenseilbahn

Ohne es zu wissen, schrieben zwei Angestellte der Wasserwerke Schaffhausen Verkehrsgeschichte: Sie bestiegen die erste eindeutig nachweisbare Seilschwebebahn, um zur Arbeit über den Rhein zu kommen. Die Turbinenstation befand sich mitten im Fluss und war nicht anders zu erreichen. In Europa war es die erste Seilbahn dieser Art, vielleicht sogar die erste der Welt.

Die erste Personenseilbahn Europas in Schaffhausen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die erste Seilbahn transportierte die Angestellten der Wasserwerke über den Rhein. Stadtarchiv Schaffhausen

1877, Lausanne: Erste Standseilbahn der Schweiz

Die Schweiz erhielt ihr erstes innerstädtisches Transportsystem in Form einer Drahtseilbahn. Die Anlage verbindet das Zentrum von Lausanne mit dem Stadtteil Ouchy am Ufer des Genfersees. 1958 wurde sie in eine Zahnradbahn umgebaut, heute ist sie Bestandteil der Lausanner Metro.

Die erste Drahtseilbahn der Scheiz in Lausanne Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 1879 verband die erste Drahtseilbahn der Schweiz das Zentrum von Lausanne mit dem Stadtteil Ouchy am Genfersee. notrehistoire.ch

1879, Giessbachbahn im Berner Oberland: Erste rein touristische Seilbahn

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Mehr in «10vor10»

Sendungslogo «10vor10»

Mehr zum Thema sehen Sie heute Abend um 21:50 Uhr in der Sendung «10vor10» auf SRF1.

Das Hotel Giessbach thront wie ein Märchenschloss aus der Belle Epoque über dem Brienzersee. Um die Hotelgäste zum Hotel zu chauffieren, erfand Bergbahnpionier Roman Abt die erste rein touristische Seilbahnanlage der Schweiz. Sie ist heute noch in Betrieb.

Einzigartig war damals vor allem, dass bei der Bahn eine eingleisige Strecke mit einer automatischen Kreuzungsstelle zur Anwendung kam. Sie war damals die erste Bahn, die mit Wasserballast angetrieben wurde. Seit 1948 läuft sie elektrisch.

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Die historische Giessbachbahn

0:25 min, vom 11.8.2017

1908, Wetterhornbahn bei Grindelwald: Erste öffentliche Personen-Luftseilbahn

Ab in die Luft: Mit der Wetterhornbahn setzte die Schweiz den Grundstein für die Entwicklung der Luftseilbahn – weltweit. Ihr Vater war zwar kein Schweizer, sondern der Kölner Wilhem Feldmann. Bereits 1914 wurde die Bahn kriegsbedingt wieder eingestellt. Die Fahrten wurden nie mehr aufgenommen. 1934 wurde der Lift demontiert. Immerhin: Im Verkehrshaus Luzern steht heute eine der beiden Kabinen.

Video «Aus dem Archiv: Der Bau der Wetterhornbahn» abspielen

Der Bau der Wetterhornbahn («Schweiz aktuell» 1993)

1:39 min, vom 11.8.2017

1926, Gelmerbahn, Haslital: Mit 106 Prozent die steilste Standseilbahn Europas

Früher eine Werkbahn für den Bau einer Staumauer, erfreut sich die Gelmerbahn heute als Personenbahn grosser Beliebtheit. Mit 106 Prozent Steigung bietet sie Nervenkitzel pur. Die US-Facebookseite «Culture Trip» fand kürzlich, die Panorama-Bahn sei «the most scenic roller coaster» und «die einzige Art, die Schweiz du erleben». Im Dezember 2017 wird der Rekord abgelöst: Dann eröffnet die Stoosbahn mit 110 Prozent Steigung.

Video «2001: Eröffnung der Gelmerbahn» abspielen

Neueröffnung der Gelmerbahn (Tagesschau 2001)

1:48 min, vom 11.8.2017

1934, Davos: Der erste Bügellift der Welt

«Ufschlüsse, Kollege, ufschlüsse!», hiess es in den Dreissigerjahren auf dem Übungsgelände Bolgen in Davos. Der Skisport wurde massentauglich, die Leute wollten «z'Berg», Ski- und Sessellifte erlebten einen Boom. Der erste Skilift überhaupt stand 37 Jahre im Einsatz, bis er durch eine neue Anlage ersetzt wurde. In der gleichen Zeit wurde für den Skifahrer-Transport auch sogenannte Funi-Schlitten erfunden, eine Art Standseilbahn auf Kufen.

Der erste Skilift in Davos Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der erste Bügellift der Welt nahm 1934 am Bolgenhang seinen Betrieb auf. Keystone

1995, Doppelstockbahn Samnaun: Erster «Twinliner»

Mit dem Zweiten Weltkrieg fand der Seilbahnbau ein jähes Ende. Wieder von der Wirtschaftskrise erholt, erlebten besonders die Sessel- und Gondelbahnen bis in die 1970er-Jahre Hochkonjunktur. 1995 kam die nächste Weltneuheit: In Samnaun wurde der erste «Twinliner» mit doppelstöckigen Kabinen in Betrieb genommen. Mit einer Kapazität von 180 Personen hält er den Schweizer Rekord.

In Samnaun gibt es die erste doppelstöckige Gondel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seit 1995 verkehren auf der Luftseilbahn zur Alp Trida in Samnaun die ersten Doppelstock-Gondeln. Keystone

2001, «Fun'ambule», Neuenburg: Eine neue innerstädtische Standseilbahn

Während bis zur Jahrtausendwende rotierende Gondeln, Windschutzhauben und komfortable Achtersessel erfunden wurden, kam mit der Fun'ambule endlich wieder eine innerstädtische Standseilbahn dazu. Die Bahn wurde im Hinblick auf die Expo 2002 gebaut, hat eine Förderleistung von 3000 Personen pro Stunde und verkehrt unbedient und ferngesteuert.

Die Fun'ambule wurde in Neuenburg extra für die Expo 2002 gebaut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Fun'ambule wurde in Neuenburg für die Expo 2002 gebaut. Keystone

2012, Stanserhorn: Mit der «CabriO-Bahn» wird Seilbahngeschichte geschrieben

Wieder eine Weltpremiere: Zum ersten Mal gleitet eine oben offene, doppelstöckige Seilbahnkabine am Stanserhorn den Berg hinauf. Das Panorama-Deck auf der «CabriO-Bahn» hat Platz für mehr als 30 Personen.

Video «Der steinige Weg bis zur «CabriO-Bahn»» abspielen

Der steinige Weg bis zur «CabriO-Bahn» («Einstein» 2012)

6:51 min, aus Einstein vom 28.6.2012

2014: Urdenbahn, Arosa/Lenzerheide: Die schnellste Seilbahn der Schweiz

Ein futuristisches Projekt und zugleich die schnellste Pendelbahn der Schweiz ist die Urdenbahn. Mit einer Geschwindigkeit von 12 Metern pro Sekunde schwebt die stützenfreie Luftseilbahn durch die Höhen und verbindet so die beiden benachbarten Skigebiete Arosa und Lenzerheide.

Die schnellste Pendelbahn der Schweiz: die Urdenbahn zwischen Hörnli Arosa und Urdenfürgli Lenzerheide Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 150 Skifahrer finden in der Urdenbahn Platz, in 3:54 Minuten ist man im benachbarten Skigebiet. Keystone

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Protest gegen Sesselbahnprojekt auf der Lenzerheide

    Aus Schweiz aktuell vom 12.11.2013

    Die Bergbahnen auf der Lenzerheide zogen letzten Dezember nach einer Auseinandersetzung mit Umweltschutzverbänden ein geplantes Sesselbahnprojekt zurück. Nun wollen die Betreiber das praktisch gleiche Projekt trotzdem umsetzen – zum Ärger der Umweltschützer, die sich verschaukelt vorkommen. Und natürlich wiederum Einsprache erheben.

  • Die Zukunft der Seilbahntechnik heisst Komfort

    Aus Echo der Zeit vom 3.4.2013

    Ohne Innovationen läuft auch in der Seilbahn-Branche nichts. Das beweist das Familienunternehmen Bartholet Maschinenbau AG, der letzte unabhängige Schweizer Seilbahn-Hersteller. Bartholet ist die Nummer Drei der Branche - ein Zwerg hinter den österreichischen Konzernen Doppelmayr und Leitner.

    Ein Besuch in Flums.

    Iwan Lieberherr

  • Weltneuheit Cabriobahn: Oben ohne auf den Berg

    Weltneuheit Cabriobahn: Oben ohne auf den Berg

    Aus Einstein vom 28.6.2012

    Am Stanserhorn wird Ende Juni Seilbahngeschichte geschrieben. Zum ersten Mal gleitet eine oben offene, doppelstöckige Seilbahnkabine – die Cabriobahn - über die Masten hinauf zum Berg. «Einstein» begleitete die Entwicklung dieser völlig neu konzipierten Seilbahn, erzählt von Schwierigkeiten, Mehrkosten und der fast grenzenlosen Freiheit über den Seilen.