Hundefleisch-Festival in China Der Hund als Haustier oder als Mahlzeit?

Jedes Jahr gehen die Bilder um die Welt: Tote Hundekörper, gestapelt auf Verkaufstischen. Das Festival in der Stadt Yulin hat traurige Berühmtheit erlangt. Für die Mittelschicht ist Hundefleisch dagegen verpönt, hier werden Hunde als Haustiere gehalten – doch auch dies führt zu neuen Problemen.

Eine chinesische Frau mit zwei Hunden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tierschutz-Aktivistin Xu Qi mit Hund Ping-An. ZVG

Drei kleine Mischlingshunde und zwei Schnauzer spielen auf dem grünen Plastikgras neben dem Grill-Restaurant am Stadtrand von Shanghai. Auf einem Tisch steht ein Käfig mit kleinen Kätzchen – freiwillige Helfer bauen Stände auf. Unter ihnen ist auch Xu Qi – die Mittdreissigerin hat sich ganz den Hunden und Katzen verschrieben. Xu Qi fährt mit freiwilligen Helfern durch die Stadt auf der Suche nach ausgesetzten Tieren. Sie findet sie in Stadtparks, am Strassenrand, auf der Autobahn. Mit Hilfe von Spenden sucht sie für streunende Tiere ein neues Zuhause.

Der Hund – ein urbanes Haustier

Zwei Frauen, beide mit einem Hund im Arm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Beliebte Haustier-Rassen sind nicht aus China. Reuters

Unter Mao Zedong galt es in China noch als dekadent, Haustiere zu halten. Mit der wirtschaftlichen Öffnung vor vier Jahrzehnten hat sich dies radikal geändert. Vor allem Chinas urbane Mittelschicht ist auf den Geschmack gekommen.

«Ausländische Rassen wie Pudel, Labrador, Chihuahua, Golden Retriever sind begehrt. Sogar Huskys, viele mögen ihre blauen Augen, das schöne Fell. Dies obwohl sich etwa Huskys für das heisse Klima in Shanghai überhaupt gar nicht eignen», sagt Xu Qi.

Der Wunsch nach einem eigenen Haustier ist in China ein riesiges Geschäft, das weiter wächst. Katzen- und Hundefutter, Spielzeuge, Haustiersalons: Eine Milliardenindustrie ist in den vergangenen Jahren rund um die Haustiere entstanden, mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Internationale Konzerne wie Nestlé, Mars und Palmolive Colgate sind mit ihren Tiernahrungsprodukten längst in China vertreten, um sich ein Stück des Kuchens abzuschneiden.

Fehlende Tierschutzgesetze

Tierschutzgesetze für Haustiere gibt es in China nicht – die Gesellschaft sei mit den Hunden und Katzen überfordert, klagt Xu Qi: «Haustiere zu halten, haben die Chinesen aus dem Westen gelernt. Doch was sie nicht gelernt haben, ist es, verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Sie finden Tiere toll, bis sie ihnen zu mühsam werden.»

In der chinesischen Bevölkerung habe das Bewusstsein für den Tierschutz im Vergleich zu früher stark zugenommen. Doch gebe es noch immer Unterschiede zwischen den Regionen: Bei Chinas urbaner Bevölkerung wird das Essen von Hundefleisch von immer mehr Menschen als geschmacklos angesehen. Auf dem Land kommt Hundefleisch dagegen häufiger vor.

Der Hundefleischmarkt

Vier Männer, stossen an und essen ein Hundefleisch Gericht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Mentalität besteht: «Wir lassen uns doch nicht vom Westen vorschreiben, was wir essen dürfen.» Reuters

Der Diebstahl von Hunden sei nicht nur illegal, sondern auch gefährlich, sagt Jill Robinson, Gründerin der Tierschutzorganisation «Animals Asia»: «Sehr oft verwenden die Hundehändler Gift, wie zum Beispiel Zyanid, um die Hunde zu töten. Dieses Gift gelangt mit dem Fleisch in die Nahrungsmittelkette. Dazu kommt, dass viele Strassenhunde Krankheitserreger in sich tragen, in einigen Fällen sogar Tollwut». Für Robinson erhält sich Yulin mit illegalen Methoden am Leben.

«  Hundediebe interessieren sich für grosse Hunde, weil da mehr Fleisch dran ist. Die Hunde werden vergiftet und dann geschlachtet. »

Xu Qi
Tierschutz-Aktivistin

Die Aufmerksamkeit steigt

Wie im südchinesischen Yulin, das es mit seinem jährlichen Hundefleisch-Festival zur weltweiten Berühmtheit gebracht hat. Im vergangenen Jahr unterschrieben elf Millionen Menschen eine Petition gegen die Veranstaltung – auch chinesische Popstars und Schauspielerinnen kritisierten das Festival öffentlich. Schliesslich distanzierte sich auch die örtliche Behörde vom Festival, bis zu einem kompletten Verbot reichte es jedoch nicht.