Studie zum Massentiersterben «Die Ergebnisse sind schockierend»

Malaysischer Tiger. (Reuters) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Säugetiere sind vom Aussterben am stärksten bedroht. Im Bild ein malaysischer Tiger. Reuters

SRF News: Eine neue Studie zeigt: Das Massentiersterben geht viel schneller voran, als man bisher angenommen hat. Was sagen Sie dazu?

Zusatzinhalt überspringen

Markus Fischer

Markus Fischer

Professor Markus Fischer leitet das Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern und ist Direktor des Botanischen Gartens, welcher ebenfalls der Hochschule angegliedert ist. Nach seinem Studium der Physik und Biologie in München und Basel habilitierte er 2001 an der Universität Zürich. In Bern lehrt er seit 2007. (Quelle: Bafu)

Markus Fischer: Die Ergebnisse dieser Studie sind sehr gravierend. Es ist eine weltweite Studie mit der bisher besten Datengrundlage. Die Ergebnisse sind schockierend. Es ist eindrücklich, wie stark der Rückgang der Arten und auch der Rückgang der Populationen innerhalb der Arten ist. Die Studie bestätigt jedoch nur das, was man bisher aufgrund von einer schlechteren Datengrundlage vermutet hat.

Die Wissenschaftler haben fast 28'000 Tierarten untersucht. Welche sind am stärksten bedroht?

Säugetiere sind sehr stark bedroht. Zudem zeigen Vögel einen globalen Rückgang von Populationen. Es gibt auch andere, bei denen der Rückgang in verschiedenen Weltregionen unterschiedlich ist. Amphibien und Reptilien sind beispielsweise in tropischen Gebieten besonders im Rückgang. Insgesamt ist der Rückgang quer über alle untersuchten Tierarten sehr eindrücklich und der Unterschied zwischen den Arten ist nicht besonders gross.

Es geht also nicht um einzelne Arten, die bedroht sind, sondern um ein regelrechtes Massenstreben?

Ja – und zwar in zweifacher Hinsicht. Weltweit sterben Arten aus. Je nach Gruppe passiert das 50 bis 100 Mal so schnell, wie sie das natürlicherweise machen würden. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass es durch den Menschen verursacht ist. In der Studie wird auch untersucht, ob innerhalb der überlebenden Arten die Verbreitungsgebiete zurückgehen. Dabei hat man festgestellt, dass bei einer sehr grossen Anzahl von Arten – inklusive solchen, die eigentlich gar nicht als gefährdet gelten – die Bestände massiv zurückgehen. Das ist alarmierend: Wir haben sowohl ein globales Massensterben, wie auch ein Massensterben von einzelnen Populationen.

Inwiefern hat der Mensch Einfluss auf diese Entwicklung?

Der wichtigste Einflussfaktor ist wohl die Landnutzung. Wir haben die Landschaft global aber auch in der Schweiz durch unsere Nutzung komplett verändert. Das macht sich bei den Tierarten aber auch bei anderen Organismen wie Pflanzen und Pilzen bemerkbar. Eine weitere grosse Rolle spielt der Klimawandel: Es gibt Arten, die dem Klima nachwandern können – andere können es nicht. Je nach Region und Lebensraum gibt es zudem Verschmutzungsprobleme oder invasive Arten, die eingebracht werden und einheimische Arten verdrängen. Zudem findet eine Übernutzung von verschiedenen Systemen statt. Das passiert, weil die menschliche Bevölkerung zunimmt – etwa in Afrika – oder dadurch, dass der Wohlstand und damit der Konsum zunehmen.

Das Gespräch führte Melanie Pfändler