Die Touristen sind zurück am Everest

Nach zwei Katastrophenjahren neigt sich wieder eine Bergsteigersaison dem Ende zu. Mit gut 400 Hochalpinisten am Mount Everest blickt Nepal wieder mit Hoffnung in die Zukunft. Einige Probleme bleiben aber weiterhin ungelöst, wie die Journalistin und Bergsteigerin Billi Bierling nüchtern feststellt.

Ein Sherpa vor dem Everest. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Anziehungskraft des grössten Berges der Welt bleibt ungebrochen. Keystone

Nach zwei Katastrophenjahren, in denen alle Expeditionen abgesagt wurden, ist in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu erstmals wieder der Tag des Mount Everest gefeiert worden. Seit 2008 wird das Fest am 29. Mai begangen. An diesem Tag im Jahr 1953 erklommen der Neuseeländer Edmund Hillary und der Nepalese Tenzing Norgay als erste Menschen den Gipfel des mit 8848 Metern höchsten Berges der Welt.

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Billie Bierling

Billie Bierling

Die Journalistin und Bergsteigerin Billie Bierling arbeitet seit über zehn Jahren in Katmandu für die Himalayan Database. Diese Organisation erfasst sämtliche Daten von Bergsteigern im Himalaya.

«Ein erfolgreiches Jahr»

In Katmandu wurden neun Sherpas geehrt, die für die nun zu Ende gehende Bergsteigersaison alles vorbereitet hatten. Ein Schauspiel, dass sich jedes Jahr von neuem wiederholt, wie die Journalistin und Bergsteigerin Billie Bierling erklärt. «Die Infrastruktur am Everest wird immer neu aufgebaut. Bei dem rauen Wetter da oben ist das nicht anders möglich.» Deshalb sei auch das Erbeben im letzten Jahr nicht wirklich ausschlaggebend gewesen.

Selbst der Treck zum Basislager sei bereits zu 99 Prozent wieder hergestellt. Dennoch: Das Jahr 2016 sei schon eine grosse Prüfung für den Mount Everest und den Bergtourismus in Nepal gewesen, relativiert die Bergsteigerin. Der Trekking-Tourismus habe sehr unter den Folgen des Erdbebens gelitten. «Ich würde allerdings sagen, wir hatten rundum ein erfolgreiches Jahr.»

Haben sich die Spannungen zwischen den Sherpas und den Bergsteigern etwas gelegt? Gerade die jüngere Generation unter den Sherpas fordere nun ein grösseres Stück vom Kuchen, sagt Bierling. Das liege sicher am Unglück im Jahr 2014, als 16 Sherpas von einer Lawine in den Tod gerissen wurden. «Diese Todesfälle haben sich sehr schnell politisiert.»

«  Am Ende brauchen die Sherpas die westlichen Bergsteiger genauso wie umgekehrt. »

Billie Bierling

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Fast 300 Menschen starben bisher bei der Besteigung des höchsten Berges der Welt. 100, vielleicht auch bis zu 200, sind weiterhin in Felsspalten verschüttet oder liegen unter Schnee und Eis begraben. Diese Bergsaison hat vier Bergsteiger-Leben gefordert.

Die Sherpas hätten Forderungen an die nepalesische Regierung und an die Expeditionsunternehmen gestellt. Es sei so, dass 95 Prozent der Bergsteiger nicht ohne die Sherpas aus dem Basislager kämen, stellt Bierling fest. «Doch am Ende brauchen die Sherpas die westlichen Bergsteiger genauso wie umgekehrt.»

Für Bierling ist klar, dass gerade die Regierung noch einiges ändern muss. «Nepal muss lernen, mehr für die Touristen zu investieren.» Es gäbe vierzehn 8000er auf der Welt, davon stünden acht in Nepal. Und es gebe viele Bergsteiger weltweit, die sich zum Ziel gesetzt hätten, alle 8000er zu besteigen. Nepal mache es den Touristen aber nicht immer einfach. «Man braucht für jeden Hügel auf den man will eine Genehmigung oder einen Zettel.» Hier müsse Nepal umdenken.