Merlot und Trüffelhonig Diplomatie geht durch den Magen

Kommt eine ausländische Staatschefin zu Besuch oder lädt der Bundesrat zum Neujahrsempfang, denkt Mauro Reina ans Essen. Als Protokollchef im EDA ist er verantwortlich für das, was bei Staatsbesuchen und anderen diplomatischen Treffen auf den Teller kommt. Das «Echo der Zeit» hat ihn besucht.

SRF: Napoleon soll mal gesagt haben: «Gebt mir gute Köche und ich gebe euch gute Verträge». Hat Napoleon recht, Mauro Reina?

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Mauro Reina

Mauro Reina

Der Tessiner Mauro Reina (52) ist Chef Protokoll beim EDA. Der ehemalige Botschafter in Kasachstan ist zuständig für sämtliche Fragen rund um das diplomatische Protokoll und Zeremoniell. So redigieren er und seine Mitarbeiter für den Bundespräsidenten Kondolenz- oder Glückwunschschreiben und organisieren Besuche von ausländischen Staatschefs.

Mauro Reina: Ich glaube, was er sagt, stimmt. Es ist sehr wichtig, dass bei einem Staatsbesuch oder bei Verhandlungen die Atmosphäre stimmt. Und das Kulinarische ist Teil dieser Atmosphäre.

Wir haben das Menu vor uns, das im April letzten Jahres beim Staatsbesuch des französischen Präsidenten François Hollande serviert wurde. Da gab es zuerst ein Saiblingfilet, dann Älplermagronen, zum Hauptgang einen Braten an Tessiner Merlot und schliesslich – als Dessert – zwei Früchtemousses an Trüffelhonig. Was sind denn die Überlegungen hinter den einzelnen Gängen bei diesem Menu für François Hollande?

Das war ein Galadiner. Für ein Mittagessen würden wir natürlich eher leichtere Gerichte wählen. Aber natürlich spielt auch der Geschmack der jeweiligen Bundespräsidentin, des jeweiligen Bundespräsidenten eine Rolle.

Was macht in ihren Augen ein gutes Menu für so ein Diner aus?

Für mich ist das Wichtigste, dass wir unsere Produkte, unsere Gerichte dem Gast näher bringen können. Dazu gehören natürlich auch einheimische Weine. Auch unseren jeweiligen Bundespräsidentinnen und -präsidenten ist es ein Anliegen, dass wir jeweils das Beste der Schweiz präsentieren.

Francois Hollande hält Rede beim Galadiner Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Saiblingfilet und Älplermagronen: Das gab's beim Galadiner zu Ehren von François Hollande 2015 in Bern. Hug / EDA

Und wie weit gehen Sie auf den Geschmack der Gäste ein?

Mehr als der Geschmack eines Gastes beschäftigt uns, was er oder sie nicht essen kann – sei es wegen einer Allergie oder aus religiösen Gründen. Wenn wir einen Besuch vorbereiten, erkundigen wir uns bei den Mitarbeitern des Gastes über all diese Dinge. Wir müssen ja verhindern, dass es zu einem Fauxpas kommt.

«  Alkohol ist immer wieder ein Thema. »

Mauro Reina
Protokollchef EDA

Ist es denn schon einmal zu so einem Fauxpas gekommen?

Ich habe von einem meiner Vorgänger eine Geschichte gehört: Ein Gast war allergisch auf Pilze und hätte als einziger einen Gang ohne Pilze bekommen sollen. Statt beim Gast landete dieser Teller ohne Pilze vor meinem Vorgänger, der auch am Tisch sass. Aber so etwas passiert zum Glück selten.

Gibt es auch Grenzen bei der Rücksichtnahme? Wenn ein Gast zum Beispiel wünscht, dass Männer und Frauen getrennt essen, oder, dass kein Alkohol ausgeschenkt wird.

Der Wunsch Männer und Frauen zu trennen, ist noch nie geäussert worden. Aber Alkohol ist immer wieder ein Thema. Wir schauen dann, dass auch die Gerichte ohne Alkohol gekocht werden. Die Anpassung an die Gäste sollte aber nicht zu weit gehen. Bis jetzt konnten wir immer eine Lösung finden.

«  Die erste und wichtigste Regel ist natürlich die diplomatische Rangordnung. »

Mauro Reina
Protokollchef EDA

Was kostet so ein Diner?

Es ist selten, dass das einen dreistelligen Betrag pro Person kostet,

Diplomaten am Tisch – das klingt nach sehr strengen Tischsitten. Ist das noch so?

Die erste und wichtigste Regel ist natürlich die diplomatische Rangordnung. Aber auch da gibt es Spielraum. Sitzen zum Beispiel zwei Aussenminister am Tisch und wünschen, nebeneinander zu sitzen, dann versuchen wir das möglich zu machen. Wir beginnen mit der diplomatischen Rangordnung und dann ajustieren wir ein bisschen.

Sie selbst waren Botschafter in Kasachstan und Tadschikistan. Gibt es da ein Essen, an das Sie sich besonders gerne erinnern?

Ja. Beshbarmak – das ist das Nationalgericht. Traditionell isst man das mit den Händen.

Auch bei diplomatischen Essen?

Nein. Die Gepflogenheiten waren dort eher strikter als bei uns hier in der Schweiz. Das war alles ziemlich formell.

Das Gespräch führte Roman Fillinger

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