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Seltsamer Telefonverkauf: Ran geht nur der Beantworter und trotzdem wird eine Bestellung ausgelöst
Aus Espresso vom 07.11.2019.
abspielen. Laufzeit 05:22 Minuten.
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Dreiste Verkaufsmethoden Wenn der Telefonbeantworter eine CD bestellt

Auf dem Beantworter waren Werbespruch und Bestellbestätigung zu hören. Darauf erhielt eine Frau eine CD samt Rechnung.

Sie habe das Ganze zuerst nicht weiter beachtet, erzählt eine Hörerin aus dem Kanton Schwyz dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Sie hatte gerade ihren Telefonbeantworter abgespielt. Darauf eine Werbebotschaft des Schlager-Duos «Amigos» mit der Aufforderung, für eine Bestellung müsse sie nur die Taste 1 drücken. Und dem Zusatz am Schluss: «Vielen Dank für Ihre Bestellung!».

Happige Mahngebühren

Kurz darauf erhielt die Frau eine CD-Lieferung samt Rechnung vom Onlinehändler «Shop 24 direct». Die Frau ignorierte das Ganze weiter, sie habe das ja nie aktiv bestellt. Doch dann sei gleich direkt eine zweite Mahnung von «Shop 24 direct» eingetroffen, mit happigen Mahngebühren. Irritiert habe sie nochmals genau die Post der vorangegangenen Wochen durchsucht und beim besten Willen keine erste Mahnung gefunden. «Der Oberhammer», findet sie.

Erst als sie die Bestellung schriftlich und in einem eingeschriebenen Brief bestreitet, lässt man sie in Ruhe. Kurz darauf meldet sich «Shop 24 direct» aber unter einer anderen Nummer – und trotz Sterneintrag gegen unerwünschte Werbeanrufe – erneut bei ihr. Diesmal hatte der Anruf aber zum Glück keine ärgerlichen Konsequenzen. Der Telefonbeantworter war diesmal nämlich inaktiv.

Screenshot shop24-direct
Legende: Eigentlich der gängige Weg: Schlager-CDs können bei Shop24direct auch ganz normal online bestellt werden. Screenshot shop24-direct

«Rechtlich gesehen kein Vertrag»

Für SRF-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner ist der Fall klar: «Rechtlich gesehen ist hier kein Kaufvertrag zustande gekommen.» Die Frau habe Ware bekommen, die sie nicht bestellt hat. In so einem Fall sei man auch nicht verpflichtet, die Ware zurückzusenden. Höchstens, wenn der Absender für die Kosten aufkomme.

Ein andere «Espresso»-Hörerin berichtet von einem Erlebnis ihres 93-jährigen Vaters mit der Schlagerwerbung von «Shop24 direct». Er habe den Hörer abgenommen und es sei die Stimme des Sängers Hansi Hinterseer ertönt. Auch verbunden mit der Aufforderung, die Taste 1 zu drücken. Der Hinterseer-Fan sei verunsichert gewesen, ob da nicht tatsächlich sein Lieblingssänger in der Leitung sei, habe dann aber zum Glück nichts bestellt.

«Shop 24 direct»: Mehrheitlich positive Resonanz

Eine Ansprechperson bei «Shop 24 direct» für Medienanfragen zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen. Eine Kundenberaterin sagt in inoffziellem Rahmen, sie könne sich nicht erklären, wie ein Telefonbeantworter eine Bestellung habe auslösen können. Die Telefonwerbung mit den prominenten Sängern sei ein Test, der bei einer Mehrheit der Kunden gut angekommen sei, sagt sie.

Callfilter kann helfen

Wer übrigens trotz Sterneintrag im Telefonverzeichnis immer wieder mit Werbung belästigt wird, kann einen Callfilter installieren lassen. Verschiedene Telekomfirmen bieten unterdessen einen solchen Werbeblocker an. Am besten erkundigen Sie sich bei Ihrem Anbieter.

Die deutsche Plattform «Shop 24 direct» ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Schuh-Online-Handel «Shop 24». Man erhalte immer wieder Beschwerden zum deutschen Anbieter, heisst es gegenüber «Espresso».

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9 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Ich persönlich warte ja auf die ersten Werbespots, die mit dem Satz "Alexa, bestell XY..." hantieren. Oder automatierierte Anrufe, die auf Anrufbeantworter zielen, um dann mit gleicher Masche über den Lautsprecher des ABs selbiges zu erzielen. - Meine Lacher wären gewiss...
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ja. Gerade heute hat ein Geschäftsmann erzählt dass Alexa in Betrieb gewesen und Pizza? gesagt habe. Da zufällig im Raum jemand "ja" gesagt hat kamen dann Pizzas angeliefert aus den USA (einige Tage später).
      Nicht lustig und Alexa ist offenbar dort rausgeflogen.
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  • Kommentar von Beat Rolli  (rob)
    Es würde schon reichen, wenn Telefonverkäufe/-verträge gesetzlich als ungültig erklärt würden. Wird nachträglich ein schriftliches Dokument unterzeichnet, ist es kein Telefonverkauf mehr.
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  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Wenn der Telefonbeantworter eine CD bestellt dann.... würde ich gar nichts anderes unternehmen, als auf die Betreibung zu warten und dann Rechtsvorschlag machen. So muss Shop 24 direct den die Betreibungsgebühren und die Kosten für das Schlichtungsverfahren im Voraus (ca 200 Fr) bazahlen. Sollte es dann tatsächlich zum Schiedsverfahren kommen, so wird dieses keine 2 Minuten dauern. Danach muss Shop 24 direct dann auch noch die Löschung im Betreibungsregister veranlassen...
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