Ein Manuskript voller Nullen Ein kleiner schwarzer Fleck? Nein, die älteste Null der Welt

In einer Bibliothek in Oxford haben Forscher in einem indischen Manuskript die älteste bekannte Null entdeckt.

Ein kleiner schwarzer Fleck hat eine grosse mathematische Karriere hingelegt: Forscher der britischen Universität Oxford haben ein Pünktchen in einem 1800 Jahre alten indischen Manuskript als frühesten Beleg für das mathematische Null-Zeichen identifiziert.

Damit ist die Zahl Null etwa 500 Jahre älter als bislang vermutet. Aus dem unscheinbaren Punkt entwickelte sich schliesslich das bauchig-runde Symbol, das heute noch gebräuchlich ist.

Die Schreibweise der Zahlen im Bakhshali-Manuskript. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schreibweise der Zahlen im Bakhshali-Manuskript. Augustus Hoernle (1841-1918) - «On The Bakhshali manuscript»

«Die Erfindung der Null als eigenständige Zahl war einer der grössten Durchbrüche in der Geschichte der Mathematik», erklärt der Mathematikprofessor Marcus du Sautoy in Oxford. «Nun wissen wir, dass Mathematiker in Indien bereits im dritten Jahrhundert die Saat für eine Idee legten, die später so grundlegend wichtig für die moderne Welt werden sollte.»

Aufgespürt wurde die Null in einem Manuskript aus dem heute in Pakistan liegenden Dorf Bakhshali. Das Schriftstück war 1881 gefunden worden, schon seit 1902 lag es in den Beständen der Bodleian-Bibliothek in Oxford.

Dass das Manuskript bereits 1800 Jahre alt ist, wurde erst jetzt durch eine wissenschaftliche Altersbestimmung mit der Radiokarbonmethode klar.