Ein Sommer wie im Ferienprospekt

Der Sommer 2015 war nach 2003 der zweitwärmste der neueren Geschichte. Mit 39,7 Grad gab es in Genf eine neue Höchsttemperatur für die Alpennordseite. Dazu wurden wir mit sehr viel Sonne verwöhnt. Die Schattenseite: Es war lange Zeit zu trocken.

Sommer am Genfersee: Im Hintergrund ein Boot mit Ruderern, im Vordergrund sitzt ein Vogel auf einem Geländer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sommer am Genfersee. Keystone

Der meteorologische Sommer verabschiedet sich am Wochenende nochmals mit einem spektakulären Endspurt. Im Mittelland dürfte es für Temperaturen bis 32 Grad reichen. Im Wallis, in der Bündner Herrschaft und in Basel sind 33 Grad möglich, 34 Grad sind nicht ausgeschlossen. Das wäre für die Jahreszeit ein absoluter Rekord in der Schweiz – symptomatisch für den Sommer 2015.

Rund 3,5 Grad über der Norm

Über den ganzen Sommer gesehen war es in der Schweiz 3,5 Grad wärmer als im langjährigen Mittel der klimatologisch relevanten Periode der Jahre 1961 bis 1990. Damit war 2015 der zweitheisseste Sommer seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahre 1864.

Die Sommermonate der Jahre 1947, 1983 und 1994 wurden deutlich übertroffen. Genauso deutlich wurden aber auch die Rekordwerte des «Jahrhundertsommers» 2003 verfehlt. In Basel war es 2003 nochmals rund zwei Grad wärmer als in diesem Sommer, und auch in Locarno waren es mehr als 1,5 Grad.

Der Hauptunterschied zum «Jahrhundertsommer»: Damals war es mehr oder weniger 90 Tage warm bis heiss. Jetzt gab es immer wieder kühlere Perioden – längere Phasen Mitte Juni und Ende Juli. Auch in den vergangenen Tagen gab es nur durchschnittliche Temperaturen. Die jeweiligen Hitzewellen konnten aber mit den Höchstwerten im Hitzesommer 2003 locker mithalten. In der Romandie und im Tessin lagen sogar die Monatswerte Juli im Rekordbereich.

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Genf war ganz speziell

Vor allem Genf bekam die Hitzewelle extrem zu spüren. Mit 39,7 Grad wurde am 7. Juli ein «Allzeitrekord» für die Alpennordseite registriert. Der alte Rekordwert vom 28. Juli 1921 mit 38,9 Grad wurde dabei deutlich übertroffen. Einzig die 41,5 Grad vom 11. August 2003 in Grono sind noch höher. 10 der höchsten in Genf je gemessenen Temperaturen stammen aus dem Juli 2015.

Nebst Genf wurden aber auch in Davos, Arosa, Engelberg, Bern, Freiburg, Neuenburg, Langnau im Emmental, Sitten, Aigle (VD) und Nyon neue absolute Höchsttemperaturen für den jeweiligen Standort registriert.

Dazu war der Juli 2015 am Genfersee, im Rhonetal, im Mittel- und im Südtessin sowie im Engadin und in den Bündner Südtälern in der Regel der heisseste Monat überhaupt. Während weite Teile der Schweiz die Jahreshöchstwerte in der Hitzeperiode anfangs Juli erlebten, wurden im Tessin die höchsten Temperaturen erst zwischen dem 18. und 23. Juli gemessen. Auf der Station Locarno-Monti wurde mit 36,8 Grad die dritthöchste Temperatur für den Standort Locarno verzeichnet.

In der Ostschweiz, im untersten Aaretal und in Basel wurden die Spitzenwerte sogar erst im August verzeichnet. Dabei stieg das Thermometer in Basel auf 37 Grad, in Döttingen wurden am 7. August sogar 37,3 Grad notiert.

Sonnenstube Schweiz

Sommerferien in der Schweiz waren 2015 ein echter Hit. Nicht nur die Temperaturen waren wie am Mittelmeer. Auch die Sonne machte kräftig Überstunden. Dem Jura entlang von Genf bis Basel war der Juli 2015 in der Regel der sonnigste Monat überhaupt.

Sonst war an vielen Orten der Juli 2006 noch etwas sonniger. Insgesamt konnte der Sommer 2015 mit dem Sommer 2003 nicht mithalten. Der ebenfalls sonnenreiche Sommer 2013 wurde aber überboten. Schon jetzt machte der Sommer 100 bis 150 Überstunden. Alles, was nun bis zum Monatsende noch dazu kommt, ist Zugabe. Dies dürften nochmals rund 60 Stunden sein.

Grosse Trockenheit

An den meisten Orten war der Sommer 2015 viel zu trocken. Teilweise herrschte wochenlang Waldbrandgefahr. Vor allem anfangs Juli trocknete der Boden bei Hitze, Wind und 14 Tagen fast ungetrübtem Sonnenschein extrem aus.

Die Verdunstung war in dieser Phase fast maximal. Danach war zwar die Verdunstung nicht mehr so extrem, allerdings blieb der ersehnte Regen aus. Erst in der zweiten Hälfte des Monats August fielen grössere Regenmengen. An den meisten Orten konnte das Niederschlagsdefizit nur zu einem kleinen Teil wettgemacht werden.

Trotzdem kam es örtlich durch Gewitter zu Überschwemmungen, so im August im Weisstannental und Ende Juli im Unterengadin. Als statistische Randnotiz bleibt, dass der meteorologische Sommer im Wallis teilweise als zu nass in die Geschichte eingehen wird. Dort waren die August-Regenfälle sehr ergiebig.