Erdwärme-Bohrung bedroht Dorf im Elsass

Häuser in Schieflage, Fassaden voller Risse, eine eingesunkene Strasse – das elsässische Dorf Lochwiller ist in Bewegung geraten. Der Grund: Bohrungen für eine Erdwärmeheizung haben den Boden angehoben. Die Bewohner beklagen massive Schäden.

Schematische Darstellung: Um ein Bohrloch herum hebt sich der Boden, die Häuser haben Risse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grafik: So kann sich der Boden bei einer Bohrung anheben und Bauten zerstören kann. SRF

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Kein Einzelfall

Kein Einzelfall

Im badischen Staufen im Breisgau auf der anderen Seite des Rheins ist der Boden unter dem historischen Stadtkern ebenfalls in Bewegung geraten. Grund ist auch hier eine Erdwärmebohrung. Bis heute wurden in dem knapp 8000 Einwohner zählenden Städtchen mehr als 200 Gebäude beschädigt.

An den Häusern von Lochwiller im Elsass nagt der Zahn der Zeit besonders stark: Seit in einem Garten Bohrungen für eine Erdwärmeheizung vorgenommen wurden, bewegt sich die Erde. Dies führt zu Rissen in den Hauswänden, verschobenen Mauern, zerstörten Strassen.

Aufquellender Gips

Bei der 100 Meter tiefen Bohrung ist eine undurchlässige Tonschicht durchstossen worden. Das darunterliegende Grundwasser schoss mit grossen Druck nach oben. Durch eine chemische Reaktion ist Gips entstanden, der durch das Wasser anschwillt und den Boden nach oben drückt. Das die Erklärung einer Expertengruppe, die das Phänomen untersucht hat.

Die 450 Einwohner fürchten, dass ihr Dorf eines Tages nicht mehr bewohnbar sein wird. «Seit zwei Jahren geht alles kaputt», ärgert sich Rodolphe Matjeka und zeigt auf die Risse an seinem Haus, einem Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert. Die Reparaturen hätten ihn schon «mehrere zehntausend Euro» gekostet.

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Staufen - die schleichende Katastrophe

7:47 min, aus Einstein vom 23.12.2010