Franco Knie: «Ein Stück Geschichte geht zu Ende»

Das Ende einer Ära im Circus Knie: Ab kommender Saison gibt es keine Elefanten mehr in der Manege. Die Familie Knie will sich auf die Zucht der Tiere im Kinderzoo konzentrieren. Ein emotionaler Entscheid – der vor allem Zirkusdirektor Franco Knie nicht leicht gefallen ist.

SRF News: Die Elefanten in der Manege haben im Circus Knie Tradition. Weshalb verzichtet man jetzt darauf?

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Franco Knie

Franco Knie.

Franco Knie. Keystone

Franco Knie wurde 1954 geboren. Seit 1992 führt er zusammen mit seinem Cousin Fredy Knie junior den Circus Knie. Franco Knie arbeitet in dem Unternehmen als technischer Direktor. Das Handwerk des Elefantendresseurs lernte er von seinem Vater Rolf Knie senior. Franco Knie zählt zu den besten Elefantendresseuren der Welt.

Franco Knie: Diese Diskussion wird in der Familie schon seit Jahren geführt. Der asiatische Elefant ist vom Aussterben bedroht. Man bekommt aus Asien keine Elefanten mehr. Wenn wir in die Zukunft gehen wollen, müssen wir züchten und die Zucht selber in die Hand nehmen – und auch am europäischen Zuchtprogramm teilnehmen. Die Zukunft der Elefanten liegt deshalb im Kinderzoo. Aber natürlich

war es eine sehr emotionale Entscheidung. Ein Stück Geschichte geht zu Ende.

Die laufende Saison ist noch nicht zu Ende. Drei Weibchen aus dem Circus sind kürzlich gestorben. Wie sieht das Programm für die restliche Saison noch aus?

Wir haben seit rund einer Woche einen Bullen im Kinderzoo. Ein zuchtfähiges Weibchen ist deshalb bereits nach Rapperswil (SG) in den Kinderzoo gebracht worden. Jetzt sind noch zwei Elefantendamen im Circus. Sie haben schon viele Circus-Nummern gemacht und werden das Programm alleine meistern.

Welche Konsequenzen hat der Abzug der Elefanten aus der Manege für Sie und Ihren Sohn Franco junior?

Natürlich gibt es eine Veränderung. Ich selbst bin schon seit letztem Jahr im Zoo und nicht mehr auf Tournee. Und mein Sohn hat neben den Elefanten im Circus noch viele andere Aufgaben. Wir müssen sicherlich darüber diskutieren, wie es mit ihm und seiner Familie weitergeht. Aber wir sprechen erst nach der Saison über das neue Programm. Klar ist, mein Sohn bleibt dem Circus erhalten.

Sie sagen, sie hätten sich bereits letztes Jahr aus dem Circus zurückgezogen. Sie haben im Kinderzoo in Rapperswil ein neues Elefantengehege gebaut – dazu gehört auch ein Thai-Restaurant, in welchem Sie und Ihre Frau als Gastgeber auftreten. Hat der Elefanten-Entscheid etwas damit zu tun?

Nein, das Restaurant hat damit nichts zu tun. Natürlich mache ich viele Führungen durch das neue Gehege mit Gruppen, die anschliessend im Restaurant essen. Das Restaurant ist Teil unseres Thailand-Konzepts – das Essen gehört zur thailändischen Kultur, wie auch die Elefanten. Aber das neue Gehege wurde schon im Hinblick auf den Entscheid gebaut. Die Tierhaltung entwickelt sich immer weiter. Man hört in einem Zoo nie auf zu bauen, es gibt immer neue Erkenntnisse. Die Zukunft der Elefanten liegt im Kinderzoo – für die Zucht und für die Tiere.

Denken Sie, dass Elefanten in einem Zirkus generell noch zeitgemäss sind?

Bei der Elefantenhaltung in europäischen Zirkussen gibt es Probleme. Man kann in einem Zirkus nicht züchten. Die meisten Tiere, die in europäischen Zirkussen leben, sind aus dem zuchtfähigen Alter heraus. Nachschub aus Asien gibt es nicht. Die Zirkuselefanten sind ein «Auslaufmodell». Sie werden aussterben. Man muss einfach Lösungen finden, um den Tieren gute Bedingungen zu bieten. Einen Platz in einem Zoo zu erhalten, ist problematisch. Die Tiere können nicht einfach in eine bestehende Gruppe kommen. Das gibt Konflikte und Stress. Wir haben natürlich einen grossen Vorteil durch die Infrastruktur unseres Zoos.

Hat Ihr Entscheid, keine Elefanten-Nummern im Circus Knie mehr aufzuführen, etwas damit zu tun, dass die Haltung von Elefanten als Zirkustiere von Tierschützern oft kritisiert wurde? Ist man sozusagen «eingeknickt»?

Wir hatten keine Probleme mit Tierschützern, sondern mehr mit Aktivisten. Doch von diesen lassen wir uns nicht diktieren. Wir sind Fachleute und haben regen Kontakt mit der Fachwelt. Wir orientieren uns dort. Unter den Aktivisten gibt es keine Biologen oder Elefantenexperten. Unsere Eltern haben negative Reaktionen schon vorausgesehen. Das war auch der Grund, weshalb beispielsweise die Proben bei uns immer öffentlich waren. Alle können zusehen. Die Leute wissen, wie wir mit den Tieren umgehen.

Werden anstelle der Elefanten andere Tiere im Circus zu sehen sein?

Die Elefanten kann man nicht ersetzen. Es sind Sympathieträger. Doch wir werden weiterhin im Circus mit Tieren arbeiten. Zu sehen sind Pferde, Kamele, Zebras oder Lamas. Das wird auch so bleiben. Die Situation mit den Elefanten ist speziell, weil es sich um eine bedrohte Tierart handelt. Wir möchten etwas für den Artenschutz machen. Und aufklären, Informationen weitergeben…

Die Fragen stellte Nadine Gerber.