Satelliten-Navigationssystem Galileo: Das europäische GPS geht in Betrieb

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Galileo geht an den Start

  • 17 Jahre nach dem Start des Galileo-Projekts können die ersten Anwender das neue europäische Satelliten-Navigationssystem nutzen.
  • Galileo soll dem US-Dienst GPS Konkurrenz machen, der heute als Standard gilt. Der europäische Dienst soll deutlich genauere Angaben ermöglichen als GPS.
  • Das Projekt – über fünf Milliarden Euro teuer – kämpfte mit Verzögerungen und Pannen. Es sollte ursprünglich 2011 an den Start gehen. Und auch jetzt sind erst 18 der rund 30 geplanten Galileo-Satelliten im All.
  • Bis die Mehrheit Galileo nutzen kann, dauert es jedoch noch Jahre: Es gibt bisher kaum Geräte, die das System verwenden können. Mit den nächsten Generationen an Navigationsgeräten und Smartphones könnte die Zahl steigen.

Was ist Galileo? Kernstück des Systems sind Satelliten. Bis 2020 sollen 30 dieser Hightech-Geräte im All sein, davon 24 in Betrieb und sechs als Ersatz. Derzeit sind es 18. Die Satelliten umkreisen die Erde auf verschiedenen Umlaufbahnen in mehr als 23'000 Kilometer Höhe und senden ständig Daten zu Zeit und Position. Diese können dann von Empfangsgeräten auf der Erde zur Ortung genutzt werden. Für eine exakte Ortsbestimmung sind die Signale von mindestens vier Satelliten erforderlich.

Navigationssystem Galileo

6:27 min, aus Einstein vom 2.4.2015

Was kann Galileo? Das System soll eine Ortung in Echtzeit mit einer Genauigkeit im Meterbereich möglich machen. Der zuständige Experte vom Bund, Johann Richard vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), sagt: «Während man mit GPS weiss, an welchem Bahnhof man sich befindet, sagt einem Galileo, auf welchem Bahnsteig man steht.»

Galileo basiert auf derselben Grundtechnologie wie GPS, ist kompatibel und bietet zusammen mit GPS eine wesentlich höhere Genauigkeit sowie erhöhte Ausfallsicherheit. Davon könnten auch Privatnutzer von etwa Handys und Navis profitieren. Der Kernbereich der Anwendungen wird wie bei GPS auch im Verkehr liegen – im Strassenverkehr zum Beispiel mit Navigationshilfen im Fahrzeug.

Warum braucht es Galileo? Dank Galileo soll Europa unabhängiger werden: «GPS ist eine Entwicklung des amerikanischen Militärs und wird auch heute noch vom Militär betrieben. Als Europa erkannt hat, dass Navigationssysteme immer wichtiger werden, wollte man einen eigenen und zivilen Zugang», erklärt Richard vom SBFI.

«  GPS ist ein militärisches System. Europa wollte einen eigenen und zivilen Zugang. »

Johann Richard

Auch der wirtschaftliche Aspekt spielt eine Rolle: «Der zivile Markt der Satellitenkommunikation ist bereits heute ein Multimilliarden-Geschäft», heisst es bei der Europäischen Weltraumbehörde Esa. Die Inbetriebnahme von Galileo soll diesem Markt Schub verleihen und Arbeitsplätze schaffen.

Warum startet Galileo erst jetzt? Ursprünglich hätte Galileo bereits 2008 an den Start gehen sollen. Wegen Streitigkeiten unter den Beteiligten Firmen und Ländern gab es immer wieder Verzögerungen. 2014 hatte es zudem eine schwere Panne gegeben: Zwei Satelliten wurden in einer falschen Umlaufbahn ausgesetzt.

Kann mein Smartphone Galileo? Prinzipiell soll das System auch mit dem Handy nutzbar sein. Jedoch gibt es im Endverbraucherbereich bisher kaum Geräte, die Galileo verwenden können: Mit den nächsten Generationen an Navigationsgeräten und Smartphones könnte die Zahl steigen.