Evolution des Menschen «Geschichte muss neu gedacht werden»

Archäologische Funde aus Marokko beweisen: Der Homo sapiens ist mindestens 300'000 Jahre alt – und damit wesentlich älter als bisher angenommen. Einer der Forscher, die das herausfanden, ist Daniel Richter vom Leipziger Max-Planck-Institut. Er weiss auch, weshalb die Entdeckung eine Sensation ist.

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Bildlegende: Der Leipziger Forscher Daniel Richter legt Sedimente für die Altersbestimmung frei. Shannon McPherron, MPI EVA Leipzig

SRF News: Ist das Alter der Funde eine Überraschung?

Daniel Richter: Die Vermutung, dass die in Marokko gefundenen Fossilien des Homo sapiens älter sind als bisher angenommen, bestand schon länger. Denn die markanten Veränderungen des modernen Menschen, die im Laufe der Evolution erfolgten, passten nicht zur bisherigen Datierung von 160'000 Jahren.

Muss die Geschichte unserer Spezies umgeschrieben werden?

Nein, aber die Interpretation muss neu gedacht werden. Wir können nicht mehr sicher sagen, dass Ostafrika tatsächlich die Wiege der Menschheit ist.

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Bildlegende: Dank dieser Feuersteine konnten jetzt die Funde in Marokko zeitlich neu eingeordnet werden. Mohammed Kamal, MPI EVA Leipzig

Es gibt mittlerweile mehrere Funde aus verschiedenen Teilen des Kontinents, die alle um die 300'000 Jahre alt sind.

Was heisst das genau?

Der moderne Mensch muss, anders als bisher angenommen, wesentlich älter als 200'000 Jahre sein.

Wie geht so eine Datierung vonstatten?

Das ist ein kompliziertes Verfahren. Vereinfacht gesagt haben wir das Alter von erhitzten Feuersteinen bestimmt, indem wir die Energie in den Kristallen des Steins gemessen und verglichen haben.

Das Gespräch führte Andrea Christen.