Goldener Bär für den iranischen Film «Taxi» von Jafar Panahi

An der 65. Berlinale hat die Jury den iranischen Film «Taxi» des Regimekritikers Jafar Panahi mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Stellvertretend für Panahi unter Hausarrest nahm seine 10-jährige Nichte unter Tränen den Preis entgegen.

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Emotionale Preisübergabe an Nichte von Jafar Panahi

2:00 min, vom 14.2.2015

Der Goldene Bär der 65. Berlinale geht an den politisch verfolgten iranischen Filmemacher Iraner Jafar. Der Regimekritiker wurde von der Jury für seinen Film «Taxi» ausgezeichnet.

Damit setzte die Jury der 65. Internationalen Filmfestspiele ein Zeichen. Denn das iranische Regime hat über den Regisseur ein Arbeits- und Ausreiseverbot verhängt.

Jafar Panahi. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jafar Panahi, der iranische Regimekritiker, erhält mit «Taxi» den Goldenen Bären. Keystone

Den Goldenen Bären nahm seine 10-jährige Nichte entgegen, die auch im Film «Taxi» mitspielt. «Ich bin nicht in der Lage etwas zu sagen, ich bin zu ergriffen», sagte sie weinend nach der Preisübergabe. Auch Panahis Ehefrau sass im Publikum.

Panahis heimlich gedrehter Film wurde auf unbekannten Wegen nach Berlin geschmuggelt. Für die halbdokumentarische Komödie setzte sich Panahi selbst in ein mit drei Kameras ausgestattetes Taxi. Er liess dort seine Fahrgäste vom schwierigen Alltag in Teheran erzählen.

Die Silbernen Bären

Für das deutsche Bankräuber-Drama «Victoria» von Regisseur Sebastian Schipper gab es einen Silbernen Bären für die beste Kamera – 140 Minuten lang nonstop geführt von dem Norweger Sturla Brandth Grøvlen.

Als beste Schauspieler wurden die Briten Charlotte Rampling und Tom Courtenay geehrt. Sie spielen in dem Drama «45 Years» von Andrew Haigh ein verzweifelt um seine Beziehung kämpfendes Ehepaar.

Die Jury unter Vorsitz von US-Regisseur Darren Aronofsky («Black Swan») entschied sich damit nicht für die Werke grosser Altmeister wie Terrence Malick, Werner Herzog und Peter Greenaway. Stattdessen blickte das Gremium vor allem Richtung Lateinamerika. Den Grossen Preis der Jury erhielt das chilenische Drama «El Club» (Der Club) von Pablo Larraín. Der Film handelt von Priestern, die Kinder missbraucht haben.

Ebenfalls nach Chile ging der Bär für das beste Drehbuch: Regisseur Patricio Guzmán bekam den Preis für den Dokumentarfilm «Der Perlmuttknopf» über die blutige Geschichte seines Heimatlandes.

Guatemala, das erstmals im Wettbewerb vertreten war, holte mit dem Frauen-Drama «Ixcanul Volcano» von Jayro Bustamante den Alfred-Bauer-Preis. Die Auszeichnung wird an Filme vergeben, die dem Kino neue Perspektiven eröffnen.

Den Preis für die beste Regie teilen sich zwei Filmemacher: Ausgezeichnet wurde «Aferim!» vom rumänischen Regisseur Radu Jude, ein Schwarz-Weiss-Film über Sklaverei im 19. Jahrhundert in der Walachei. Zugleich wurde «Body» der Polin Malgorzata Szumowska geehrt. In dem Film geht es um das zerrüttete Verhältnis eines Vaters zu seiner magersüchtigen Tochter. Der «Victoria»-Kameramann teilt sich den Silbernen Bären mit dem Kamerateam des russischen Endzeit-Dramas «Under Electric Clouds» von Alexei German.

Die elftägigen Berliner Filmfestspiele zeigten mehr als 400 Filme aus aller Welt. Im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären waren 19 Regiearbeiten, darunter drei Filme von Deutschen.