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Panorama Gratwanderung zwischen gut und schnell

Das Attentat von London lancierte die Frage neu: Welche Inhalte dürfen oder sollen Medien zeigen? Wo ist die Grenze zwischen Informationspflicht und Verbreitung terroristischen Gedankenguts? Der «Club» widmet sich dem Thema und führt mit Experten eine medienethische wie -kritische Diskussion.

Legende: Video «Medienclub» - Sind Medien Terrorhelfer? abspielen. Laufzeit 75:00 Minuten.
Aus Club vom 28.05.2013.

Mittwoch, 22. Mai, im Londoner Vorort Woolwich. Ein britischer Soldat wird auf offener Strasse bestialisch ermordet. Die zwei mutmasslichen Täter zerstückeln das Opfer mit Messer und Machete. Der britische Fernsehsender ITV strahlt am Abend desselben Tages Amateuraufnahmen mit einem jungen Mann aus. In einer Hand hält er zwei Messer. Die andere ist blutverschmiert. Er erklärt seine Tat und fordert den Sturz der Regierung. 

Dürfen oder müssen die Medien solche Aufnahmen zeigen? Oder sollten sie darauf verzichten? Und: Dürfen Medien, wie im Fall von London, die Ideologien der Täter verbreiten? Nein, sagt Diego Yanez, TV-Chefredaktor bei SRF. Aber: «Es ist eine Gratwanderung, auf der wir uns befinden. Einerseits haben wir eine Informationspflicht. Andererseits dürfen wir uns nicht zum Handlanger von Terroristen degradieren lassen.» Sobald man unreflektiert Bilder oder deren Gedankengut verbreite, «spielt man das Spiel der Täter mit».

Yanez ist Gast des ersten «Medienclubs» auf SRF 1, der sich mit der Rolle der Medien unter anderem beim Attentat von London befasst (siehe Sendehinweis). Der «Medienclub» wird im Rahmen des «Clubs» mehrmals im Jahr stattfinden. «Ein solches Gefäss ist deshalb wichtig, weil Medien eine kritische Aufmerksamkeit brauchen, die sie heute nicht haben», so Yanez zu SRF News Online.

Kein Handlanger von Terroristen
Autor: Diego YanezTV-Chefredaktor bei SRF

SRF entschied sich beim jüngsten Ereignis in England, das Bild des mutmasslichen Täters zu zeigen. Verzichtet aber hat man, sein Tatmotiv im Wortlaut zu veröffentlichen. Weshalb? «Von Anfang an war klar: Wir veröffentlichen nicht das ganze Video. Es stand jedoch die Frage im Raum, welche Ausschnitte oder ob wir überhaupt etwas zeigen.» Diesem Entscheid seien intensive Diskussionen vorausgegangen. Nicht zum ersten Mal. «Wann zeigen wir mutmassliche Täter, wann die Opfer und wann nicht? Wir verfolgen mit unseren publizistischen Leitlinien eine klare Linie, aber müssen auch teils von Fall zu Fall entscheiden», erklärt Yanez.

Die neuen Medien und Social-Media-Kanäle haben die Geschwindigkeit in der Medienwelt erhöht. Informationen verbreiten sich schneller denn je. Eine weitere Gratwanderung. Yanez: «Erliegen wir dem Druck und veröffentlichen Nachrichten so schnell wie möglich? Nein. Unsere Maxime: Was wir bringen, muss stimmen. Es kann nicht sein, dass wir uns an dem orientieren, was andere machen. Wir müssen uns an unsere inhaltlichen wie ethischen Standards halten.» Als Medienhaus SRF müsse man damit leben können, dass «andere Online-Plattformen Bilder zeigen – und wir nicht».

2 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Kathriner, Sarnen
    @ Marco DeZonc, kann ich nur zustimmen, sonst müsste wieder die Blocher SVP oder die Widmer-Schlumpf schuld sein.
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  • Kommentar von Marco DeZonc, Grenchen
    Natürlich muss das stimmen, was Medien verbreiten. Was ist authentischer als die direkte Aussage, in diesem Fall vom Mörder selbst. Das muss und soll gezeigt werden. Ethische Standards, was ist das? Für den einen ist es das blutige Messer, für den anderen der Mordhintergrund. Direkt und wahrheitsgetreu senden, das ist Information. Mit direkt meine ich nicht "live".
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