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Was die Gletscherleichen bereits verraten
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.07.2017.
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Rätsel um Leichenpaar Handelt es sich um ein verunfalltes Ehepaar?

Bei den Mumien ist eine Weinflasche mit Aufschrift «Sion» gefunden worden. Startete das Duo vor 90 Jahren im Wallis oder handelt es sich um ein Ehepaar aus den 40er-Jahren?

  • Auf dem Tsanfleuron-Gletscher im Gebiet des Glacier 3000 oberhalb von Les Diablerets (VD) sind mumifizierte Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden worden.
  • Nun wird versucht, das Paar zu identifizieren. Laut «Le Matin» könnte es sich um ein Ehepaar handeln, welches sich 1942 aus Chandolin (VS) zu Fuss auf den Weg auf eine Alp machte. Die Opfer könnten aber auch zu einer seit 1926 verschollenen Seilschaft gehören.
  • Am Fundort auf Walliser Gebiet lagen auch zwei Rucksäcke, Schuhe und eine Weinflasche mit der Aufschrift «Sion».

Bei den beiden am Donnerstagabend von einem Pistenbully-Fahrer entdeckten Leichen handelt es sich um einen Mann und eine Frau. Mit ihnen gefunden wurden auch zwei Rucksäcke, Schuhe und eine Weinflasche mit der Aufschrift «Sion», wie Westschweiz-Korrespondentin Barbara Colpi berichtet. Dies habe relativ rasch eine ungefähre zeitliche Einordnung der Tragödie irgendwann nach dem Ersten Weltkrieg ermöglicht.

Die Zeitung «Le Matin» berichtet inzwischen, dass es sich bei den Gefundenen um ein am 15. August 1942 verunfalltes Ehepaar handeln könnte. Der Zeitung zufolge hat sich eine Frau gemeldet, die von sich sagt, sie sei die Tochter des gefundenen Paares. Sie berichtet, ihre Eltern seien vor fast 75 Jahre aus Chandolin VS zu Fuss auf den Weg auf eine Alp marschiert. Danach sei das Ehepaar spurlos verschwunden.

Walliser Vermissten-Register seit 1925

Da der Fundort auf Walliser Gebiet liegt, ist die Walliser Kantonspolizei verantwortlich. Diese führt seit 1925 ein Register mit im Kanton Wallis vermissten Personen. Rund 280 Namen sind in dem Register eingetragen, mehrheitlich im Hochgebirge Vermisste, aber auch in Seen und Flüssen. Man hoffe nun, die Namen herauszufinden, sagt Colpi. Ein Hinweis könne zum Beispiel das ermittelte Alter zum Todeszeitpunkt sein. Es ist auch möglich, dass die beiden zu einer Seilschaft gehörten, die 1926 in dem Gebiet verschwand.

Tod in Gletscherspalte vermutet

Auch wenn der Fundort im Hochgebirge auf einem Gletscher ist, so dürfte es sich nicht um Alpinisten im heutigen Sinn handeln. Der Fundort liegt auf einer Strecke, der vor allem nach dem Ersten Weltkrieg als Verbindung zwischen dem Wallis und Bern benutzt wurde. Möglicherweise sind sie in eine Gletscherspalte gefallen. «Sie kamen wahrscheinlich vom Wallis her, wie die Aufschrift auf der Weinflasche andeutet», sagt Colpi.

Rechtsmedizinische Untersuchung

Die sterblichen Überreste der Gletscher-Leichen werden nun im Institut für Rechtsmedizin in Lausanne untersucht. Wie die Kanstonspolizei Wallis schreibt, wird die formelle Identifikation der aufgefunden Personen mehrere Tage in Anspruch nehmen, da DNA-Analysen vorgenommen werden müssen.

Im Wallis wurden letztmals im Sommer 2012 zwei Gletscherleichen gefunden. Sie waren vom Aletschgletscher freigegeben worden. Mit der Erderwärmung dürften solche Funde häufiger werden. Der bekannteste ist «Ötzi», der Eismann, der 1991 im Ötztal im österreichisch-italienischen Grenzgebiet gefunden wurde. Die Mumie lag über 5000 Jahre unter dem Gletscher und stellte einen archäologischen Sensationsfund dar.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Esslinger  (Andrea Esslinger)
    Liebes SRF, Leichen, auch solche aus Gletschern, sind immer von verstorbenen Personen.
    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Da haben Sie sicher recht, aber ist das nicht ein "kleines Detail"? ;-)
    2. Antwort von SRF News (SRF)
      Herzlichen Dank für Ihren Hinweis! Sie haben natürlich recht. Der Fehler ist nun korrigiert. Freundliche Grüsse.
    3. Antwort von frank nüller  (frankysrf)
      wenn wir schon bei details sind, frage ich mich, wie überreste von leichen sterblich sein können. wenn ich lebe, bin ich sterblich, weil ich irgendwann mal sterben werde, aber überreste leben nicht mehr und können somit gar nicht mehr sterben. oder verstehe ich sterblich falsch?
  • Kommentar von Thomas Käppeli  (thkaepp)
    Wissenschaftlich sicher nicht so spektakulär, wie Ötzi die Gletschermumie aus der späten Jungsteinzeit bzw. Kupfersteinzeit. Aber mögliche, wenn auch späte, Gewissheit zu verschollenen Ahnen im Familienstamm für Enkel und Urenkel. Dank heutigen Möglichkeiten zur DNS-Analyse, durchaus realistisch. Mit Blick auf den dramatischen weltweit stattfindenden Gletscherschwund, dürften solche (etwas makabre) Funde, in naher Zukunft öfters auftreten.