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Panorama «Ich war machtlos»

Computer 3, Mensch 0. Den spektakulären Kräftevergleich zwischen Mensch und Computer im verzwickten Brettspiel «Go» hat die Google-Software AlphaGo vorzeitig für sich entschieden.

Legende: Video Google gewinnt beim Go-Spiel abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.03.2016.

Es ist ein Meilenstein in der Entwicklung selbstlernender Maschinen: Eine Google-Software hat das Duell gegen den Menschen im Brettspiel «Go» für sich entschieden. Das Programm gewann auch die dritte Partie gegen einen südkoreanischen Spitzenspieler Lee Sedol und sicherte sich damit vorzeitig den Gesamtsieg.

«Go»-Champion gibt auf

Lee Sedol, der das Strategiespiel jahrelang dominiert hatte, geriet am Ende in Zeitnot und gab nach mehr als vier Stunden auf. Er entschuldigte sich hinterher bei seinen Fans, er habe die Erwartungen nicht erfüllt: «Ich war machtlos.»

Vor dem Duell hatte sich Lee, der 18 internationale Titel gewann, noch absolut siegessicher gezeigt: Er werde «haushoch» gewinnen, kündigte der 33-Jährige im Februar an.

Computer spielte «durchgängig» gut

Schon der erste Sieg des Programms am vergangenen Mittwoch wurde als ein Meilenstein bei der Entwicklung selbstlernender Maschinen und künstlicher Intelligenz gewertet. Lee hatte sich nach diesem ersten Sieg der Maschine «geschockt» über die überraschenden Spielzüge von AlphaGo gezeigt. Einige von ihnen hätte kein Mensch so gemacht, sagte der Südkoreaner.

Lee räumte am Samstag ein, trotz seiner grossen Erfahrung unter Stress gestanden und den Druck gespürt zu haben, gegen das Programm gewinnen zu müssen. «Aber die heutige Niederlage war eine von Lee Sedol, nicht der Menschheit», sagte er. Der Computer habe bei dem Duell «durchgängig» gut gespielt, kommentierte Lees früherer Trainer Kwon Kyp Yong. Lees Schwäche sei seine «mentale Verletzbarkeit» gewesen. Er sei eben «nur ein Mensch». Darum habe der Computer in dem Duell zunehmend «die Oberhand gewonnen».

AlphaGo lernt dazu

Go mit seinen vielen möglichen Spielzügen galt bis zuletzt als zu komplex für Computer. Zwar hatte AlphaGo schon im Oktober für Schlagzeilen gesorgt, als es den Europameister Fan Hui mit 5:0 deklassiert hatte. Doch gehört dieser nicht wie Lee Sedol zur Weltspitze.

Seit dem Match im Oktober verbesserte sich die Software weiter. Die Programmierer fütterten sie ursprünglich mit Millionen Zügen der besten menschlichen Spieler, doch lernt sie selbst dazu.

Trotz der uneinholbaren 3:0-Führung von AlphaGo geht das Match bis zum 15. März weiter und wird auf der Videoplattform YouTube , Link öffnet in einem neuen Fenstergezeigt.. AlphaGo sicherte sich bereits das Preisgeld von einer Million Dollar – der Betrag soll gespendet werden.

Einfache Regeln – viele Möglichkeiten

Die Regeln des ursprünglich aus China stammenden Go sind relativ einfach: Zwei Spieler versuchen, auf einem Spielbrett - ein Raster von 19 vertikalen und 19 horizontalen Linien – Gebiete zu erobern. Dafür setzen sie abwechselnd schwarze und weisse Steine.

Auf dem Brett mit 361 Feldern ist aber eine gewaltige Zahl von Zügen möglich, was es selbst für einen leistungsstarken Computer schwierig macht, die Entwicklung des Spiels durchzurechnen.

AlphaGo wurde bei der britischen Firma DeepMind entwickelt, die Google vor gut zwei Jahren gekauft hatte – laut Medienberichten für 500 Millionen Dollar.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Dahinter steckt ein lächerlicher mathematischer Algorithmus der ja auch nur von Menschen erstellt wurde und natürlich von einem Einzelnen, der auch von der Tagesform abhängig ist, nicht besiegt werden kann. Sobald es aber ins Kreative erfinden geht, ist Ende mit diesen PC-Monstern- ich lach mich weg über diese sehr seichten Berichte was die Roboter alles schon und noch werden können. Mir soll nur einer sagen, wie ein Roboter je den Menschen reproduzieren kann. Er bleibt ein Knecht wird nie Herr.
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  • Kommentar von Peter Zurbuchen (drpesche)
    Solange es noch nicht einmal möglich ist, intelligente Ampel-Steuerungen zu entwickeln, bleibe ich gegenüber jedem Erfolg der künstlichen Intelligenz skeptisch. Wie lernt denn dieses AlphaGo dazu? Liest es Go-Zeitschriften oder sieht sich Go-Spiele im Fernsehen an? Wahrscheinlich braucht es ja immer noch einen Menschen, der dieses Lernen initiiert.
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Ist ja auch gut so, Herr Zurbuchen. Brauchen wir Menschen übrigens auch, andere Menschen die unser Lernen initiieren. Erziehung, Schule, usw. Ohne diese Hilfe von aussen könnten wir vermutlich nicht mal sprechen.
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    2. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Wir sind ein durch Erfahrungsumständen unserer sechs Sinne, geprägter Affe, nicht mehr und nicht weniger. Ich kenne Menschen, die die Sprache einiger Tiere verstehen und selbst zu sprechen gelernt haben. Ob das ein Roboter auch kann, wag ich einmal sehr zu bezweifeln .
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  • Kommentar von Walter Schwarb (Walter Schwarb)
    Offenbar ist es das Ziel, die Menschen abzuschaffen und den Planeten den Robotern zu überlassen. Bei dem Desaster, das die Menschen auf diesem Planeten schon angerichtet haben, eine nicht wirklich dramatische Entwicklung, viel schlimmer kann es kaum werden.
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