Japanerinnen wollen sich nicht mehr begrapschen lassen

Seit Jahren klagen Japanerinnen über Grapscher in vollen Pendlerzügen. Mit den unstittlichen Berührungen soll bald Schluss sein: Mit einer Plaketten-Aktion warnen Japanerinnen die Betatscher vor einer Anzeige – ihnen drohen schwere Strafen, wenn sie überführt werden.

Japaner stehen dicht gedrängt in einem Zug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Volle Züge machen es Grapschern in Japan leicht. Imago

«Ich werde es nicht schweigend dulden», seht auf einer Plakette, die sich immer mehr Japanerinnen an ihre Tasche heften. Sie soll Grapschern in Pendlerzügen klar zu verstehen geben, dass ihnen eine Anzeige droht.

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Nationalsport Grapschen?

Die 2009 in Japan wegen Grapschens festgenommenen Männer waren zwischen 14 und 80 Jahre alt. «Manche Männer können es einfach nicht lassen, ihre Hände bei sich zu lassen», sagt dazu Martin Fritz.

Grapschen ist in Japan eine Straftat, die mit bis zu umgerechnet 4300 Franken Busse und zehn Jahren Gefängnis bestraft wird – wenn der Grapscher denn auch tatsächlich überführt werden kann. Die letzten Zahlen stammen aus dem Jahr 2009, damals wurden 340 Männer wegen sexueller Belästigung in Zügen festgenommen, die Dunkelziffer dürfte aber viel höher sein.

Unsittliche Berührungen

«Die Pendlerzüge in Japan sind zu den Hauptverkehrszeiten unvorstellbar voll, da sind Berührungen auf Brust- und Beinhöhe unvermeidbar», schildert SRF-Mitarbeiter Martin Fritz in Tokio die Situation: Einige Männer würden dies ausnützen, um Frauen unsittlich zu berühren und sogar zu masturbieren.

Oft könnten die Frauen die Täter im Gedränge aber nicht identifizieren, Hilferufe brächten nichts. Aus Schock und Scham würden sich viele Frauen nicht gegen die unsittlichen Angriffe wehren. Was den Grapsch-Opfern bleibe, sei zu versuchen, den Platz zu wechseln.

Was bringt die Aktion?

Deshalb jetzt also die Drohung mit einer Anzeige, aufgemalt auf einem Button. die Aktion wurde auf einer Crowdfunding-Plattform lanciert. Inzwischen wurden Hunderte Plaketten an Bahnhöfen verteilt. Ausserdem können die Buttons für wenig Geld im Internet bestellt werden.

Allerdings hält Fritz die Wirkung der Buttons für begrenzt. Schliesslich seien in Japan jeden Tag Millionen von Pendlern unterwegs, ausserdem seien die Plaketten im Gedränge oft gar nicht sichtbar. Immerhin: «Die Aktion ruft ein Problem in Erinnerung, das in den letzten Jahren kein grosses Thema mehr war.»