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Onlyshop.ch: Riesiger Kundenärger mit Schweizer Onlineshop
Aus Kassensturz vom 21.09.2021.
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Keine Stornierung möglich Onlyshop.ch: Riesiger Kundenärger mit Schweizer Onlineshop

Lieferzeiten von über einem halben Jahr, nicht akzeptierte Kaufrücktritte und saftige Stornogebühren.

Philip W. ist ein passionierter Gamer. Um vor dem Monitor in leistungsintensive Spiele abzutauchen, hat der 16-Jährige einen Computer selbst zusammengestellt. Die nötigen Bauteile hat er in verschiedenen Online-Shops bestellt. Eigentlich ist sein PC längst fertig.  Doch ein zentrales Bauteil fehlt: Die sogenannte Grafikkarte. «Ohne diese gibt es kein Bild auf dem Monitor». Sein teurer PC steht deshalb seit Monaten nutzlos herum, denn gamen kann er damit nicht.

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Philip Weibel: «Für mich kam das nicht in Frage 220 Franken mehr zu zahlen da ich einen fixen Vertrag hatte.»
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Bestellt und bezahlt hat der Lehrling die Grafik-Karte anfangs Februar bei Onlyshop.ch. «Der Preis war mit 771 Franken im Vergleich zu anderen Anbietern sehr gut. Deshalb schlug ich zu». Da Onlyshop.ch eine Schweizer Firma ist, schien ihm der Shop durchaus vertrauenswürdig

Preis plötzlich 230 Franken teurer

Im Juli – fünf Monate nach Bestellung – dann eine ernüchternde Nachricht von Onlyshop. Man könne ihm die Karte «ausnahmsweise» sofort zustellen. Der Haken: Für die Lieferung müsste der Lehrling jetzt plötzlich 999 Franken bezahlen. «Für mich kam nicht in Frage, 230 Franken mehr zu zahlen. Ich habe mit der Bestellung einen fixen Vertrag.»

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Philip Weibel: «Es stand nirgends, dass man nicht stornieren könne. Ich wurde auch nicht darauf aufmerksam gemacht.»
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Stornieren geht nicht

Als der Lehrling den Kauf stornieren will, kommt es noch dicker: Das sei nicht möglich, da man das Produkte «explizit» für ihn nachbestellt habe, schreibt Onlyshop. Bei «nachbestellter Ware» sei eine Stornierung laut AGB nicht möglich.

«Kassensturz/Espresso» erhält viele Zuschriften zu Onlyshop. Alle beklagen das gleiche: Monatelange Wartzeiten, plötzliche Preiserhöhungen, keine Storno-Möglichkeiten oder nur gegen happige Gebühren.

Desaströse Kunden-Bewertungen

Auch die Kunden-Bewertungen im Netz zu Onlyshop sprechen Bände: Die Vergleichsplattform Toppreise hat die Zusammenarbeit mit dem Shop.ch und dessen Muttergesellschaft «Ixo24.com» inzwischen beendet – wegen der vielen negativ-Bewertungen.

Bei Google sieht es nicht besser aus: Von 103 Bewertungen vergeben 82 gerade mal einen einzigen Stern. Schlechter geht nicht.

Das gilt rechtlich bei Lieferverzögerungen

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Stornierung bei langer Wartezeit möglich
Die Geschäftspraxis von Onlyshop bzw. Ixo24.com gehen so nicht, sagt «Kassensturz/Espresso»-Juristin Gabriela Baumgartner. Bei unbestimmten oder unverbindlichen Lieferterminen gilt: «Wenn der Onlineshop nicht liefert, können Kundinnen und Kunden nach einer gewissen Zeit eine Mahnung schicken und nochmals eine Liefer-Frist stellen. Wird diese nicht eingehalten, kann man vom Vertrag zurücktreten.» Und bekommt natürlich auch sein Geld zurück.

Der Onlyshop-Betreiber macht geltend, dass die Kunden und Kundinnen bei der Bestellung darauf hingewiesen worden seien, dass sie nicht stornieren können. Einen Beleg dafür kann er allerdings nicht vorweisen.

Stornogebühren nicht zulässig
Stornogebühren, wie in den oben beschriebenen Fällen, sind ebenfalls so nicht zulässig, sagt die Juristin. «Es kann ja nicht sein, dass ich dem Verkäufer etwas bezahlen muss, weil er nicht liefern kann.» Eine solche Gebühr wäre nur statthaft, wenn die Käuferschaft zuvor klar darüber informiert worden wäre und explizit zugestimmt hätte. Und: Eine solche Gebühr müsste in der Bestellbestätigung festgehalten sein. Was in den beschriebenen Fällen nicht der Fall war.

Nachträgliche Preiserhöhungen gehen nicht
Onlyshop machte verschiedenen Kunden ein Angebot, dass man die bestellte Ware nun rasch liefern könne. Allerdings gegen einen happigen Aufpreis. Der Shop begründet dies damit, dass die Lieferanten-Preise inzwischen gestiegen seien. Doch das geht nicht, sagt Juristin Baumgartner: «Massgebend ist der Vertrag und die Bestellbestätigung, welche die Kunden erhalten haben. Und zu diesen Konditionen muss er liefern.» Alles andere ist das Risiko des Unternehmens, wenn die Ware inzwischen teurer wurde.

Auffällig: Ein Teil der Bewertungen vergibt das Maximum von 5 Sternen. Darunter sind einige, wo zumindest der Verdacht besteht, nicht von echten Kundinnen zu stammen. Peinlich: Sogar ein Geschäftsleitungsmitglied von Onylshop vergibt fünf Sterne – seiner eigenen Plattform, mit der viele Kundinnen äusserst unzufrieden sind! 

Wir entschuldigen uns bei unseren Kundinnen und Kunden
Autor: Onlyshop.ch

Gegenüber «Kassensturz» nimmt der Inhaber der beiden betroffenen Internet-Läden Onlyshop bzw. «Ixo24.com» nur schriftlich Stellung. Schuld an den langen Wartezeiten seien die weltweiten Lieferengpässe bei Grafikkarten. Die abgelehnten Stornierungen begründet der Shop damit, dass er Bestellungen bei den Lieferanten auch nicht stornieren könne. Und gelobt Besserung: «Wir entschuldigen uns bei unseren Kundinnen und Kunden und versichern, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten, alle Betroffenen einzeln und persönlich zu kontaktieren und individuelle Lösungen zu finden.»

Espresso, 21.09.21, 08:13 Uhr / Kassensturz, 21.09.21, 21:05 Uhr

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38 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Gamer müssen lange auf ihre Grafikkarte warten! Ist nicht der weltweite und gigantische Elektronikschrott das wirkliche Problem?
  • Kommentar von Paula Studer  (Paula Studer)
    Dass onlyshop das Geld nicht retournieren will, geht natürlich gar nicht.
    Jedoch weiss ein sogenannt "passionierter Gamer" ganz genau, dass seit einiger Zeit bestimmte Grafikkarten extrem schwer, total überteuert, oder überhaupt nicht erhältlich sind. Ich kenne einige "Gamer", welche mir schon den 3-fach Betrag geboten haben für mein GK, gebe sie aber nicht her ;)
  • Kommentar von Sebastian Köhler  (Tekk)
    Nirgends wird man im Onlinehandel so abgezockt wie hier in der Schweiz, liegt an unseren laschen Gesetzen, bin leider auch einmal drauf reingefallen. Ist mir im Ausland selbst USA und UK noch nie passiert.