Kritik an Sean Penn nach Interview mit Drogenboss «El Chapo»

In den Vereinigten Staaten galt der Kartellchef «El Chapo» als einer der am dringendsten gesuchten Verbrecher. Hollywood-Star Sean Penn traf ihn im Dschungel, um mit ihm ein Interview zu machen. Das Weisse Haus ist verärgert.

Penn und Guzmán. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das US-Magazin «Rolling Stone» berichtete in allen Einzelheiten über das konspirative Treffen von Penn und Guzmán. Keystone

Hollywood-Star Sean Penn ist für sein Interview mit dem mexikanischen Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán in den USA scharf kritisiert worden. Ein Sprecher des Weissen Haus sagte, es sei unerträglich, wie Guzmán mit seinen Verbrechen geprahlt habe. Das «sogenannte Interview» werfe einige «interessante Fragen» an Penn und andere Beteiligte auf, sagte der Stabschef von Präsident Barack Obama.

Die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Laut Penn war die Schauspielerin Kate del Castillo offenbar das Ticket, um das Vertrauen von Guzmán zu gewinnen. Keystone

Drei Monate, bevor der meistgesuchte Verbrecher Amerikas am Freitag vom mexikanischen Militär geschnappt wurde, hatte er den US-Schauspieler Penn im Dschungel empfangen und einen Tequila mit ihm getrunken. Das US-Magazin «Rolling Stone» berichtete in allen Einzelheiten über die konspirative Begegnung, der monatelange Geheimverhandlungen vorausgegangen waren, an denen auch die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo beteiligt gewesen sein soll.

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Auslieferung kann dauern

Mexiko hat das Auslieferungsverfahren gegen Joaquín «El Chapo» Guzmán eingeleitet. Er soll an die USA überstellt werden. Guzmán kann aber noch Rechtsmitteln einlegen. Die Auslieferung dürfte damit mindestens ein Jahr dauern. Die Generalstaatsanwaltschaft in Mexiko teilte mit, dass solche Verfahren sogar schon bis zu 6 Jahre gedauert hätten.

Penn schrieb im «Rolling Stone», er habe sich am 2. Oktober sieben Stunden lang mit Guzmán auf einer Dschungellichtung getroffen. Das Magazin druckte ein Foto, auf dem Penn Guzmán die Hand gibt. Bei einem Tequila habe «El Chapo» dann mit seinen Verbrechen geprahlt: «Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgend jemand sonst in der Welt», gab ihn Penn wieder. «Ich habe eine Flotte aus U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Schiffen.»

Penn soll vernommen werden

Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez sagte, die Behörden seien über das Treffen Guzmáns mit Regisseuren und Schauspielern im Bilde gewesen, und diese hätten bei seiner Ortung geholfen. Der Drogenboss habe offenbar gehofft, es werde ein Film über ihn gedreht. Ein mexikanischer Regierungsmitarbeiter präzisierte: «Wir wussten von diesem Treffen.»

Am Sonntag verlautete dann aus Ermittlerkreisen, Penn und del Castillo sollten vernommen werden. Nach Angaben eines mexikanischen Regierungsvertreters ist noch unklar, ob die Schauspieler mit dem Interview gegen Gesetze verstossen haben. Zwar könne ein Reporter einen mutmasslichen Drogenhändler interviewen. Penn und del Castillo seien aber keine Journalisten, sagte der Regierungsvertreter. Das Weisse Haus wollte sich nicht dazu äussern.

Scharfe Kritik kam auch von dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio. Ein Schauspieler, der den Vereinigten Staaten seine Karriere verdanke, habe natürlich das «verfassungsmässige Recht, sich bei einem Verbrecher und Drogenhändler einzuschleimen», sagte der Senator. «Ich finde das aber grotesk.»