Kubaner holen sich die Welt nach Hause

Seit der politischen Normalisierung auf Kuba öffnet sich die Insel stärker für die Welt. Mit der Verbindung ins Internet harzt es aber noch – gerade einmal 35 öffentliche WLAN-Verbindungen sind verfügbar. Aber es gibt da noch das elektronische Paket «El Paquete Semenal».

Jugendliche sitzen nachts mit Smartphones am Boden. Ihre Gesichter sind von den Displays beleuchtet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Havanna profitieren Jugendliche von einer WLAN-Verbindung ausserhalb eines Fünfsterne-Hotels. Keystone

Das kommunistische Kuba öffnet sich langsam der Welt. Das erfolgt umso nachhaltiger, seit die USA vor rund einem Jahr ihre Beziehungen zu der Karibikinsel wieder aufgenommen haben.

Damit hält auch das Internet Einzug auf Kuba. Aber genau wie die politische und wirtschaftliche Normalisierung braucht auch der Anschluss ans World Wide Web seine Zeit. Gerade einmal 35 öffentliche drahtlose Internetverbindungen (WLAN) sind auf dem Gebiet der Insel verfügbar.

Trotzdem schauen viele Kubaner die aktuellsten US-Fernsehserien, benützen die neueste Software oder lesen Blogs. Das gibt es dank dem wöchentlichen Paket, genannt «El Paquete Semenal». Es ist nicht legal, aber das stört keinen.

Die wöchentliche digitale Wundertüte

«Das ‹Paquete›», wie der Journalist Manuel Dìaz erzählt, «ist ein wöchentliches Informationspaket, in dem du alles findest: Vom Schweizer Fernsehprogramm bis zum kubanischen Blog.» Das mit dem Schweizer Fernsehprogramm ist zwar eine Übertreibung, aber die Datenmenge, durch die man sich nach dem Speichern des «Paquete» auf dem Computer klicken kann, ist gewaltig: Da hat es Spiele drin, die neuste Staffel von «Grey’s Anatomy», Hollywood-Filme, Software und Musik.

«Diesen Montag habe ich die ganze Information der letzten Woche erhalten», sagt Dìaz. «Hier in Kuba schaust du die ausländischen Fernsehprogramme mit einer Woche Verspätung». Denn die Anbieter von «El Paquete Semenal» sammeln die digitalen Inhalte über private Internetzugänge, über illegale Satellitenantennen oder sie schmuggeln sie auf die Insel. Daraus stellen sie jede Woche ein neues Daten-Paket zusammen.

Dieses «Paquete» wiederum kopieren Kuriere auf ihre Festplatten und verkaufen die Daten weiter. Für 9 Dollar gibt’s das ganze Paket, für 2 Dollar einen Teil davon. Das ist zwar illegal, aber bei wohl hunderttausenden Abonnenten auf Kuba auch ein gutes Geschäft.

«El Paquete» hilft indirekt auch der Oppositon Somos Mas

Die kommunistischen Behörden warnen zwar vor schädlichen Computerviren, und vor «schädlichen Inhalten», aber sie tolerieren das digitale «Paquete». Wohl auch, weil diejenigen, die es schnüren, möglichst wenig Politisches einpacken.

Manuel Dìaz ist nicht nur Journalist, er ist auch aktiv in der Oppositionsbewegung Somos Mas. Diese bekannt zu machen, ist auf Kuba ein heikles Unterfangen. Die Medien sind staatlich, Demonstrationen werden sofort aufgelöst und soziale Medien sind noch zu wenig verbreitet.

Darum setzt Dìaz auf «El Paquete». «Wenn ich die Informationen des ‹El-Paquete›-Kuriers auf meinen Computer kopiere, ergänze ich sie mit Informationen von Somos Mas. So erreicht unsere Information alle Leute, die ‹El-Paquete› nach mir auf ihre Festplatte kopieren.» Mund-zu-Mund-Propaganda war schon immer eine der wichtigsten Informationsquellen auf Kuba. Jetzt ist die Propaganda mittels Festplatte dazugekommen.