«Langeweile muss man sich leisten können»

In manchen Kalendern wird der 16. Januar als «National Nothing Day» festgehalten – als Tag, an dem man dem Nichtstun frönen soll. Geht das überhaupt? Es ist auf jeden Fall nicht einfach, weiss Lebensberater Peter Schneider.

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Bildlegende: Fauler Löwe im Hamburger Zoo: «Langeweile muss man sich leisten können» SRF

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Das Gespräch

Peter Schneider war zu Gast im Ratgeber auf Radio SRF 1. Seine Antworten sind hier in Auszügen wiedergegeben. Das ganze Gespräch finden Sie im Radio-Beitrag.

Radio SRF 1: Was heisst es für Sie, «nichts» zu tun?

Peter Schneider: Eine schwierige Frage. Gar nichts zu tun, wäre vermutlich nur im Zustand des Wachkomas möglich. Vermutlich reicht es schon, wenn man sich nicht ständig von allem hetzen und drängen lässt – was wohl schwerer getan ist als gesagt. Ich denke, man kann sich durchaus mit einer schlichten Definition begnügen: Es reicht, wenn man sich einfach mal in den Sessel setzt und vor sich hin denkt.

Diesen jetzt immer so hoch gelobten Zustand der Langeweile sollte man meiner Meinung nach nicht überschätzen. Sonst ist man nämlich schon bald im nächsten Stress, weil man sich ständig fragt: Habe ich jetzt auch wirklich nichts gemacht?

Ist Fernsehen schauen Nichtstun?  

Wenn Sie nicht gerade Filmkritiker sind, würde ich schon sagen: Ja, das ist Nichtstun. Im Übrigen denke ich, dass auch die viel gescholtenen Computerspiele zu den Dingen gehören, die man in einem halbwachen Zustand macht. Und für manche ist das vermutlich auch ein erholsames Nichtstun.

Aber solche Computerspiele sorgen doch sicher auch für Stress im Gehirn…

Ich finde die vielen Vorschriften, was denn Nichtstun zu sein hat, viel stressiger. Wir kommen dann bald an einen Punkt,  an dem sich Manager eine Stunde Langeweile in die Agenda schreiben. Dann ist mir einer, der zur Entspannung ein bisschen Computer spielt, lieber.  

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Zur Person

Peter Schneider ist Psychoanalytiker und Autor. Bekannt ist er unter anderem durch «Die etwas andere Presseschau» und als Erzähler in der Hörspielserie «Philip Maloney» auf Radio SRF 3. Schneider schreibt ausserdem Kolumnen und Ratgeber für zahlreiche Schweizer Tageszeitungen.

Ist Langeweile ein Luxusgut?

Man muss sie sich leisten können. Und unsere Gesellschaft sollte Sorge tragen, dass möglichst viele Menschen sich Zeiten der Musse nehmen können.

Wie schafft man es denn, Langeweile zu geniessen?

Ich glaube, sobald man so an die Sache herangeht, stimmt schon irgendwas nicht. Dann wird es verkrampft. Wir haben dann bald den Stress, dass wir das mit der Langeweile auch noch in unserem Tag unterbringen müssen – und dabei auch bitteschön gleich noch unseren Blutdruck senken. Diese Art Verpflichtung zur Langeweile widerspricht dann ganz schnell der eigentlichen Idee: Einfach etwas zu tun, das nicht einem Zweck oder einem Ziel dient.