Legendäre Auftritte: Schneider-Ammann ist nicht alleine

Die Ansprache von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann zum Tag der Kranken sorgt über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen. Ansprachen, Reden oder Handlungen, die für Heiterkeit oder gar Empörung sorgen, gibt es schon lange.

Johann Schneider-Ammann Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit starrem Blick und ernster Miene: Ansprache von Johann Schneider-Ammann zum Tag der Kranken. rts.ch

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann sorgt derzeit für Lacher. Grund ist eine Video-Ansprache zum Tag der Kranken, in der Schneider-Ammann über das Lachen spricht – mit ernster Mine. Inzwischen ist die auf Französisch gehaltene Rede auch in den französischen Medien angekommen.

Merci, Herr Bundespräsident, für den Lacher

4:15 min, aus SRF 4 News aktuell vom 08.03.2016

Die Rede über Lachen wird zum Lacher

Das Video sei ein Bijou des unfreiwilligen Humors, schreibt die Zeitung La Libération auf ihrer Webseite. Der TV-Sender Europe 1 schreibt von einem missglückten Auftritt. Der Bundespräsident mit starrem Blick auf den Teleprompter, mit ernster Miene und mit monotoner Stimme. Dass ausgerechnet eine Ansprache über das Lachen zum Lacher wird, weil Schneider-Ammann sie gerade ernsthaft hält, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Ansprache Johann Schneider-Ammanns zum Tag der Kranken

Die Tanne des Ogi

Der angestrengte Blick Johann Schneider-Ammanns auf den Teleprompter weckt Erinnerungen. Und zwar an die legendäre Neujahrsansprache des damaligen Bundespräsidenten Adolf Ogi. Und auch er kämpfte mit dem Teleprompter.

Im warmen Wintermantel stand er am 1. Januar 2000 neben einer kleinen Tanne, unmittelbar neben dem Lötschbergtunnel. Vor dieser Kulisse hielt er die Jahresansprache. «Ich bin für meine Neujahrsansprache nach Kandersteg gekommen. Kandersteg ist meine Heimat. Hierher komme ich immer wieder gern zurück. In das Dorf meiner Eltern. In das Dorf meiner Jugend. Zu meinen Wurzeln.» Dann spielt er auf die Tanne an, die neben ihm steht.

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Neujahrsansprache von Adolf Ogi

6:34 min, vom 8.3.2016

Vom Bundesrat zum Youtube-Star

Ebenfalls unvergessen dürfte der Auftritt des prustenden Bundesrats Hans-Rudolf Merz sein. Bürokratisierte Schachtelsätze sorgten bei ihm für eine Lachattacke. Und aus dem älteren Herrn im strengen grauen Anzug, bekannt für seine ehrgeizige Spartpolitik, wurde ein Youtube-Star. Der Grund: Bü, Bü, Bündnerfleisch!

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Bü, Bü, Bündner Fleisch

1:34 min, aus 10vor10 vom 20.9.2010

Als damalige Wirtschaftsministerin befasste sich Bundesrätin Doris Leuthard mit wichtigen Dossiers wie Konjunktur oder Jugendarbeitslosigkeit. Doch manchmal standen Themen auf ihrer Agenda, für die sie sich nicht erwärmen mochte – zum Beispiel Pferdezucht: 15.03.2010, in der Fragestunde des Nationalrats beantwortete sie die Frage, wieso die Pferdeverbände für ihre Leistungsprüfungen 20 Franken kassierten, als es passierte:

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Doris Leuthard kann das Lachen nicht verkneifen

2:17 min, vom 8.3.2016

Eine Frage zuviel

Das Flugzeug war evaluiert, der Abstimmungskampf lief auf Hochtouren und die Nerven des damaligen Verteidigungsministers lagen blank. Kein Wunder: Lange hat Ueli Maurer gekämpft, zuerst für die Anschaffung des Gripen, dann gegen den Widerstand im Parlament. Und dann kurz vor der entscheidenden Volksabstimmung ein hartes Interview mit der «Rundschau». Grund genug für Ueli Maurer die Fassung zu verlieren – vor laufender Kamera (Anfang und nochmals ab 2:20 min.).

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Maurer gerät während Interview in Rage

3:50 min, aus Rundschau vom 16.4.2014

Wenn die Kamera schon läuft

Nicht nur Ueli Maurer ärgerte sich in der Vergangenheit über Journalisten-Fragen. Obwohl damals Medienminister, war Leuenberger Journalisten oft ein unangenehmer Gesprächspartner. Interviews gab er nicht gerne, verstand dies aber als Teil seines Amts. Legendär bleibt sein Interview auf dem Fernsehsende TV3: Ohne zu wissen, dass die Kamera bereits lief und die Journalistin alles mithörte, schimpfte Leuenberger fast eine Minute lang über das bevorstehende Interview. Kurz vor dem Gespräch wechselte er von «Huärre Scheiss» zu einem bemühten Lächeln.

Moritz Leuenberger ärgert sich über Journalisten-Fragen